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Königreich Bahrain Finanzplatz mit Spaßfaktor

Der Inselstaat Bahrain hat von seinen reichen Ölvorkommen immens profitiert. Die Königsfamilie verdient mit dem Geschäft so viel, dass die Bewohner sogar von Steuern verschont bleiben. Doch die Quellen des Reichtums versiegen und Bahrain muss beweisen, dass die Wirtschaft nicht auf Sand gebaut ist. Dazu ködert das Königreich nun die Finanzbranche mit seinem dicksten Fisch.
Zwei arabische Formel1-Fans vor einem riesigen Werbebanner in Bahrain. Quelle: dpa

Zwei arabische Formel1-Fans vor einem riesigen Werbebanner in Bahrain.

(Foto: dpa)

BAHRAIN. Die große Werbetafel lässt keine Missverständnisse aufkommen: „Hier beginnt der Spaß“, lautet die Aufschrift. Das Plakat steht rechts am Rand der vierspurigen Autobahn, die das streng islamische Saudi-Arabien über eine 25 Kilometer lange Meeresbrücke mit dem kleinen Inselstaat Bahrain verbindet. Saudis, die hier am Wochenende vorbeirasen, verstehen darunter zunächst mal freien Zugang zu Alkohol und ungezwungenen Umgang mit Frauen. Doch damit hört der Spaß nicht auf. Das Königreich Bahrain hat den Wettlauf um den attraktivsten Finanzplatz am arabischen Golf aufgenommen. Die Gegner sind Länder wie Dubai, Katar und Oman. Der Inselstaat positioniert sich dazwischen als Standort mit Spaßfaktor.

Salwan Uchi zum Beispiel ist ein smarter Iraner, der in London aufgewachsen ist, und jetzt vor allem eins zu tun hat: Er soll dafür sorgen, dass der „Finanzhafen“ genügend Mieter findet. Das Unterfangen ist anspruchsvoll. Das Stadtviertel, das jenseits der bisherigen Uferstraße der Landeshauptstadt Manama entsteht, gründet auf einer künstlich aufgeschütteten Halbinsel. Zwei 53 Stockwerke hohe Türme, die mit ihren breiten unteren und den schmalen oberen Etagen wie ein Paar Nikolausstiefel im aufgeschütteten Wüstensand stehen, werden gerade bezogen.

Der Rest des Finanzhafens – Bürotürme, Clubs, Hotels, ein Hubschrauberlandeplatz, Anlegestellen für Motoryachten – existiert bislang nur als Modell und in der Phantasie von Uchi. Da ist das Projekt sogar schon fertig. In der arabischen Realität soll es noch zwei, höchstens drei Jahre brauchen. Ein Stadtviertel im Meer innerhalb von drei Jahren aufbauen? In Europa undenkbar. „Vergiss Europa“, ruft Uchi und haut den Zweiflern fröhlich auf die Schultern. „Bahrain ist schneller.“

Sorgen, dass sich vielleicht nicht jeder Quadratmeter an den Mann bringen lässt, kennt Uchi nicht. Investoren lieben das Land, wenn sie einmal spitz bekommen haben, dass Steuern in Bahrain ein Fremdwort sind. „Bahrain hat lange geschlafen und zugesehen, wie Dubai und Katar vorbeizogen“, sagt Michael Wette, der für die Unternehmensberater von Roland Berger in Bahrain die Stellung hält. Wette ist hier unten, um den Aufholprozess zu organisieren. Wenn Firmen bei ihm anklopfen, um sich nach der Qualität des Standorts zu erkundigen, lautet natürlich eins seiner Argumente: keine Steuern. Keine auf Unternehmensgewinne, keine persönlichen Einkommensteuern, keine auf Kapitalgewinne. Einfach nichts. Damit können selbst die Konkurrenten um die Ecke nicht mithalten.

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