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Kommentar Der Umbau der Deutschen Bank ist das Ende einer Irrfahrt

Sewings Sanierungsplan ist mutig, schmerzhaft und teuer – aber auch notwendig. Die Söldnermentalität im Investmentbanking hat der Deutschen Bank schwer geschadet.
2 Kommentare
Die Bank trennt sich von ihrem Geschäft mit Wertpapieren. Quelle: Reuters
Deutsche Bank

Die Bank trennt sich von ihrem Geschäft mit Wertpapieren.

(Foto: Reuters)

Nach Jahren des Siechtums und der Dauerkrise hat sich die Deutsche Bank endlich zu einer überfälligen Kehrtwende entschlossen. Statt ein großes Rad an den globalen Wertpapiermärkten zu drehen, will sich Vorstandschef Christian Sewing auf die Wurzeln der größten heimischen Bank zurückbesinnen und künftig Unternehmens- und Privatkunden in den Mittelpunkt stellen. Das Sanierungsprojekt, das Sewing jetzt auf den Weg bringt, ist mutig, schmerzhaft, teuer und es ist notwendig. Viel zu lange hat die Bank an ihrer mittlerweile 30 Jahre alten Strategie festgehalten, in der Topliga der internationalen Investmentbanken mitzuspielen.

Wohlgemerkt, das heißt nicht, dass die ursprüngliche Idee auf das Investmentbanking als Wachstumsmotor zu setzen von Anfang an falsch oder verwerflich war. Zumindest im Prinzip sprach vieles dafür, die günstige Refinanzierung in Deutschland für die internationale Expansion zu nutzen.

Denn an den globalen Kapitalmärkten ließen sich die Mittel lukrativer einsetzen, als im hart umkämpften Heimatmarkt, zumindest theoretisch. Wer sich allerdings mit Veteranen aus den Boomzeiten des Investmentbankings der Frankfurter unterhält, der stellt schnell fest, dass einige der gängigen Klischees und Vorurteile tatsächlich einen wahren Kern enthalten.

Ausgebuffte angelsächsische Banker nutzten die riesige Bilanz des Geldhauses und die Naivität ihrer Vorgesetzten in Frankfurt, um schnell reich zu werden. Diese Söldnermentalität war am Ende auch die Wurzel für all die Exzesse, die die Bank in den vergangenen Jahren Milliarden an Strafgeldern und das Vertrauen von Kunden, Politikern und Regulierern gekostet haben.

Dennoch: Bis zur Finanzkrise ging der Plan der früheren Vorstandschefs Hilmar Kopper, Rolf Breuer und allen voran Josef Ackermann auf. Doch der Schweizer und sein Nachfolger Anshu Jain begingen den entscheidenden Fehler: Sie setzten darauf, dass der Gewinnmotor der Bank, das Handelsgeschäft, nach der Krise wieder anspringen würde.

Das Kalkül von Ackermann und Jain ging nicht auf

Das Kalkül von Ackermann und Jain: Die Konkurrenz zieht sich zurück, die Deutsche Bank hält durch und steht am Ende als der große Sieger da. Ein fataler Trugschluss: Andere Geldhäuser haben sehr viel schneller verstanden, dass sich durch die Offensive der Regulierer die Spielregeln in der Branche komplett ändern.

Dass der Erkenntnisprozess in den Zwillingstürmen an der Frankfurter Taunusanlage so langsam verlief, ist bitter. Durch die verlorenen Jahre hat die Bank nicht nur den Anschluss an die inzwischen übermächtige US-Konkurrenz verloren, auch viele europäische Wettbewerber wie zum Beispiel die französische BNP sind enteilt. Sollte es tatsächlich zur viel beschworenen Konsolidierung auf dem europäischen Bankenmarkt kommen, bliebe der Deutschen Bank auf absehbare Zeit nur die Rolle eines Junior-Partners.

Auch Sewing brauchte nach seinem Amtsantritt ein Jahr um den Mut, die Glaubwürdigkeit und die Unterstützung für einen radikalen Kurswechsel zu finden. Sein Plan, die Investmentbank gesundzuschrumpfen, und gleichzeitig mehr Geld in die Digitalisierung zu stecken, ist richtig. Das Sparprogramm, das rund 18.000 Stellen kosten wird, tut weh, aber auch hieran führt kein Weg vorbei.

Die Deutsche Bank braucht eine neue Bescheidenheit, einen neuen Realismus und sie braucht vor allem jede Menge Kampfgeist. Viel zu lange träumten die Frankfurter von der Meisterschaft, obwohl es schon längst gegen den Abstieg ging. Die harte Arbeit beginnt jetzt.

Die Investoren müssen überzeugt werden, dass es dem Ankündigungsweltmeister Deutsche Bank dieses Mal wirklich ernst ist. Die Mitarbeiter müssen trotz der harten Einschnitte motiviert werden, und den Kunden muss vermittelt werden, dass die Bank trotz des tiefgreifenden Umbaus weiter für sie da ist.

Leicht wird das nicht. Denn auf Rückenwind von den Märkten sollte Vorstandschef Sewing besser nicht rechnen: Die Europäische Zentralbank wird ihre Geldpolitik voraussichtlich weiter lockern. Noch niedrigere Minuszinsen werden die deutschen Banken noch einmal hunderte von Millionen Euro kosten.

Gleichzeitig sprechen die jüngsten Daten für eine deutliche Abkühlung der Konjunktur, die die Kreditausfallraten in die Höhe treiben könnte. Außerdem hat die europäische Bankenaufsicht gerade ihre Schätzung für den zusätzlichen Kapitalbedarf für die neue noch strengere Regulierung veröffentlicht.

Die Aufseher beziffern die Kapitallücke auf 135 Milliarden Euro, betroffen wären vor allem global tätige Großbanken wie die Deutsche Bank. Angesichts dieser Liste wird wohl kein europäischer Bankenvorstand mit Sewing tauschen wollen. Dieses Mal muss der Plan aufgehen. Der Spielraum für Fehler ist denkbar gering.

Mehr: Die Deutsche Bank verabschiedet sich von ihren jahrelangen Ambitionen im Investmentbanking. Christian Sewings Radikalumbau kostet rund 18.000 Stellen.

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2 Kommentare zu "Kommentar: Der Umbau der Deutschen Bank ist das Ende einer Irrfahrt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Danke Hr. Maisch für den vielschichtigen Kommentar, der auch Teile jenes Übels aufzeigt, das die Verantwortung des Aufsichtsrates ist.

  • wait and see, noch schlechter kann es ja kaum werden.

    good luck!