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Kommentar Deutsche-Bank-Chef Sewing läuft die Zeit davon

Christian Sewing hat seine selbst gesetzten Ziele erfüllt. Dennoch ist völlig unklar, ob er die Zeit bekommt, um seinen Plan A – die Sanierung der Bank – umzusetzen.
2 Kommentare

„Die Deutsche Bank sollte so schnell wie möglich mit der Commerzbank fusionieren“

Die gute Nachricht für Christian Sewing lautet: Den ersten Schritt hat er geschafft. Der seit April amtierende Vorstandschef hat bewiesen, dass es auch die Deutsche Bank schaffen kann, einmal ausgegebene Ziele zu erreichen.

Wie versprochen hat die Bank nach drei Verlustjahren in Folge wieder einen Gewinn gemacht, auch wenn die 267 Millionen Euro nur für eine mikroskopische Eigenkapitalrendite von 0,5 Prozent reichen.

Seine Zusage, die Kosten unter 23 Milliarden Euro zu drücken, hat Sewing ebenfalls erfüllt – jetzt will er noch ein bisschen mehr sparen als ursprünglich geplant. Das ist eine echte Neuigkeit, denn in der Vergangenheit fiel die Deutsche Bank vor allem dadurch auf, dass sie ihre strategischen Ziele in schöner Regelmäßigkeit verfehlte.

Aber natürlich gibt es auch eine schlechte Nachricht, und die lautet: Trotz des positive Trends droht Sewing die Zeit davonzulaufen. Der Vorstandschef ist mit dem Anspruch angetreten zu beweisen, dass das größte heimische Geldhaus wieder solide Renditen erwirtschaften kann. Doch das erwartet desaströse vierte Quartal, in dem die Bank 409 Millionen Euro verloren hat, zeigt, wie eng dabei der Spielraum ist.

Kaum einer europäischen Bank begegnen Investoren und Kunden mit so viel Misstrauen. Und damit steht weiter die Gefahr im Raum, dass sich die Deutsche Bank schon bald in eine Notfusion mit dem Frankfurter Nachbarn Commerzbank flüchten muss.

Die Frankfurter Bankenehe wäre keine Traumhochzeit, sondern das, was die Amerikaner Shotgun Wedding nennen. Zwei Kennzahlen beweisen, dass hier ein kränkelndes und ein fußlahmes Geldhaus gemeinsame Sache machen würden. Beide Institute haben in den vergangenen zwölf Monaten rund die Hälfte ihres Börsenwertes verloren.

Und: Die Commerzbank wird an der Börse nur noch mit rund 30 Prozent ihres Buchwerts bewertet, bei der Deutschen Bank sind es gerade einmal 25 Prozent. Ein klares Misstrauensvotum der Investoren.

Die größten Sorgen machen sich die Investoren um die Investmentbank, wo die Erträge weiter wegbrechen und sich der Vorsteuergewinn im Vergleich zum Vorjahr halbiert hat. Das war übrigens auch im Asset Management der Fall.

Von entscheidender Bedeutung wird für Sewing das erste Quartal 2019 sein, traditionell das beste im Bankgeschäft. Die Zahlen werden darüber entscheiden, ob und wie viel Zeit der Vorstandschef von den Aktionären noch bekommt, um seinen Plan A umzusetzen, die Bank langsam, aber sicher zu sanieren.

In den ersten Wochen des Jahres haben sich die Marktbedingungen verglichen mit dem brutalen vierten Quartal verbessert, aber Sewing weiß genau, dass die Märkte angeschlagen sind, und dass sich heftige Turbulenzen jederzeit wiederholen können.

Um ihre Ziele zu erreichen, braucht die Bank nach eigenen Aussagen Rückenwind oder zumindest keinen Gegenwind von den Märkten. Auf Nachsicht darf die Bank nach all den Enttäuschungen der vergangenen Jahre nicht mehr hoffen, egal wie die äußeren Bedingungen aussehen.

Einmal die Zwischenziele zu erfüllen reicht nicht - die Investoren, aber auch die misstrauischen Kunden werden die Bank gnadenlos daran messen, ob sie auch die nächsten Wegmarken erreicht. Für Ende dieses Jahres peilt Sewing eine Eigenkapitalrendite von vier Prozent an.

Im Moment trauen die Investoren der Bank nicht einmal drei Prozent zu. Sobald sich abzeichnet, dass die Bank ihr Ziel deutlich zu verfehlen droht, kommt Plan B ins Spiel, die Übernahme der Commerzbank. Ein Deal, der vom Bundesfinanzministerium, das sich zumindest eine robuste deutsche Großbank wünscht, ohnehin ziemlich offensiv vorangetrieben wird.

Wohl oder übel muss Sewing lernen, mit einem bedrohlichen Widerspruch zu leben. Eigentlich weiß jeder, dass es Jahre dauert, eine Bankbilanz aufzuräumen, und doch muss sich die Führung der Deutschen Bank von einem Quartal zum nächsten quälen.

Aus diesem Paradox lässt sich eine Lehre ziehen: Wenn die Fusion mit der Commerzbank schon unvermeidbar ist, dann sollte sie so bald wie möglich kommen. Damit die Top-Manager beider Institute ihre Kräfte voll auf diese gigantische und hochriskante Aufgabe konzentrieren können, statt mühsam zu versuchen, ihre Geldhäuser alleine weiter voranzuschleppen.

Denn das konjunkturelle Umfeld für Banken wird in den kommenden Monaten kaum besser werden, und beide Institute sind mit ihrem Umbau ohnehin schon reichlich spät dran. Eine Großfusion zwischen zwei schwächelnden Banken ist schon gefährlich genug, in einem Wirtschaftsabschwung wäre es ein halsbrecherisches Unterfangen.

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2 Kommentare zu "Kommentar: Deutsche-Bank-Chef Sewing läuft die Zeit davon"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die "Deutsche" ist das nutzloseste und überflüssigste Geldhaus der Welt. Fusion mit Commerzbank und danach den vergifteten Namen für alle Zukunft tilgen.
    In jeder Schweinerei die in den letzten Jahren aufgedeckt wurde, hatten diese Leute ihre Finger im Spiel.

  • Die Ergebnisse können, ohne die traurige Vergangenheit aufgeräumt zu haben, nicht besser sein.
    Ich vermisse eigentlich einmal einen kritischen Bericht über den unseligen ehemaligen Bankgott "Ackermann"
    Warum lässt man diesen Mann aus dem Spiel und attackiert seine Nachfolger.
    Vielleicht kann hier einmal etwas Aufklärung geleistet werden; dies würde sicherlich den Aktionären
    etwas Motivation vermitteln.