Kommentar zum Euro Eine Währung kann nur so stark sein wie der Kapitalmarkt, der hinter ihr steht

Nur mit einem starken integrierten Kapitalmarkt wird die EU die Dominanz des US-Dollars brechen können. Bislang haben die Bemühungen nur mäßigen Erfolg.
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Die europäische Gemeinschaftswährung sollte „zu einem aktiven Werkzeug der europäischen Souveränität“ werden, wünscht sich EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Quelle: dpa
Euro-Münzen

Die europäische Gemeinschaftswährung sollte „zu einem aktiven Werkzeug der europäischen Souveränität“ werden, wünscht sich EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

(Foto: dpa)

Zum Schluss seiner fünfjährigen Amtszeit hat sich der EU-Kommissionspräsident noch einmal etwas Großes vorgenommen: Er will die Weltwährung, den US-Dollar, herausfordern. Es gelte, „die internationale Rolle des Euros zu stärken“ und die Einheitswährung „zu einem aktiven Werkzeug der europäischen Souveränität zu machen“, sagte Jean-Claude Juncker Anfang September in seiner letzten großen Rede vor dem Europaparlament.

Wer die Weltwährung hat, der hat die Macht. Diese schmerzliche Lektion haben die Europäer von Donald Trump gelernt. Der US-Präsident schloss den Iran aus dem internationalen Zahlungsverkehr aus – und die EU kann nichts dagegen tun. Der Euro ist zwar die zweite Reservewährung der Welt, doch als Alternative zum Dollar kommt er trotzdem nicht infrage.

Dafür gibt es womöglich eine ganz einfache Erklärung: Eine Währung kann nur so stark sein wie der Kapitalmarkt, der hinter ihr steht. In den USA übersteigt das Anlagevermögen am Kapitalmarkt die jährliche Wirtschaftsleistung um den Faktor 2,9. Das ist mehr als doppelt so viel wie in Europa. So steht es in einer Studie, die der internationale Bankenverband AFME am Montag in Brüssel vorlegte.

Der kleinteilige europäische Kapitalmarkt schwächelt, weil er immer noch nicht zu einem Großen und Ganzen zusammenwachsen will: Innerhalb der EU haben die grenzüberschreitenden Kapitalströme das Niveau vor der Finanzkrise immer noch nicht wieder erreicht.

Die EU-Kommission wirbt schon lange für eine „Kapitalmarktunion“ – allerdings nur mit mäßigem Erfolg: Unter Junckers Führung hat die Brüsseler Behörde zwar insgesamt 13 Gesetzesinitiativen zu dem Thema vorgelegt. Doch erst drei davon wurden von den EU-Finanzministern und vom Europaparlament beschlossen – und die europäische Legislaturperiode endet in wenigen Monaten.

Ein leistungsstarker europäischer Kapitalmarkt wird so nicht entstehen – und eine führende Weltwährung namens Euro auch nicht.

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