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Der starke Finanzsektor in Frankfurt dürfte einen Teil der Folgen des Brexit abfedern.

(Foto: dpa)

Konjunktur Warum der Brexit Hessen weniger hart trifft als andere Regionen Deutschlands

Eine Studie des Ifo-Instituts hat die Folgen des Brexit für Deutschland untersucht. Einige Regionen dürften den Brexit weniger spüren als andere.
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FrankfurtDer Zuzug Londoner Banker wird die negativen Brexit-Folgen für Hessen kompensieren, aber nur teilweise. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Ifo-Instituts, die die Industrie- und Handelskammer Frankfurt in Auftrag gegeben hat und die am Dienstag vorgestellt wurde.

Demnach dürfte Hessens Wirtschaftsleistung auf längere Sicht – je nachdem, wie radikal der britische EU-Austritt ausfällt – um 0,08 oder 0,17 Prozent geringer ausfallen. Zwar werde die Finanz- und Versicherungsbrache vom Brexit profitieren, doch die Verluste im verarbeitenden Gewerbe dürften größer ausfallen, sagte Gabriel Felbermayr, Leiter des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft.

Im Vergleich zu anderen Bundesländern kommt Hessen dennoch vergleichsweise unbeschadet davon. Denn für Deutschland insgesamt sagen die Wirtschaftsforscher einen Rückgang des BIP um 0,23 Prozent im Falle eines harten Brexits und um 0,10 Prozent, wenn die Scheidung zwischen London und Brüssel eher freundschaftlich verläuft.

Großbritannien selbst wird nach Berechnungen des Ifo-Instituts langfristig 1,73 Prozent oder 0,57 Prozent der Wirtschaftsleistung einbüßen, je nachdem wie die neuen Handelsbeziehungen zur EU aussehen werden.

In Hessen ist es offenbar vor allem der Automobilsektor, der unter dem Brexit leiden dürfte. Der Anteil der Branche an den hessischen Exporten lag zuletzt bei 21 Prozent. „Hier dürfte durchschlagen, dass viele Automobile, die in Großbritannien unter der Marke ,Vauxhall‘ vertrieben werden, ,made in Hessen‘ sind“, sagte Mathias Müller, Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt. Wie sich dieser Teil der hessischen Exporte in Zukunft entwickeln werde, hänge neben dem Brexit auch von den Entscheidungen der neuen Opel-Eigentümer ab.

Insgesamt haben Ausfuhren auf die Insel einen Anteil von 6,5 Prozent an allen hessischen Exporten. 2017 hatten diese einen Wert von 4,1 Milliarden Euro. Großbritannien ist der vierwichtigste Auslandsmarkt für das Bundesland – nach den USA, Frankreich und den Niederlanden.

Unter dem Strich ist die hessische Wirtschaftsstruktur aber weniger anfällig für Brexit-bedingte Verluste. „Denn der Wertschöpfungsanteil des verarbeitenden Gewerbes ist geringer als deutschlandweit, während die Bedeutung der Finanz- und Versicherungsbranche größer ist“, so Felbermayr vom Ifo-Institut.

Banken, die ihre EU-Kunden derzeit noch von London aus bedienen, müssen künftig Teile ihres Geschäfts in ein Land verlegen, das auch weiterhin Teil der Staatengemeinschaft ist. Fast 20 Institute haben sich daher entschieden, ihren Ableger in Frankfurt auszubauen oder ihre künftige EU-Zentrale am Main anzusiedeln.

Wie viele Arbeitsplätze das dem Frankfurter Finanzsektor bescheren wird, da gehen die Schätzungen auseinander. Das Ifo-Institut geht in seinen Berechnungen nicht von einer bestimmten Anzahl neuer Job in der Bankbranche aus. Grundlage sei vielmehr eine Umverteilung der Arbeitskräfte. Die Struktur dürfte sich ändern, eine Umverteilung zugunsten des Finanzsektors stattfinden, aber insgesamt erwarte man keine Arbeitsplatzerhöhung.

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