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Konsolidierung Der Sparkassenpräsident will für eine Super-Landesbank kämpfen

Helmut Schleweis muss bei der EU für eine Auffanglösung für die NordLB werben. Und er glaubt an einen grundlegenden Umbau des Landesbanken-Sektors.
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Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis will für NordLB kämpfen Quelle: dpa
Helmut Schleweis

Der 64-Jährige steht seit gut einem Jahr an der Spitze des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands – und hat diese Entscheidung trotz diverser Krisensitzungen noch nicht bereut.

(Foto: dpa)

FrankfurtHelmut Schleweis geht meist spät ins Bett und steht früh wieder auf. Fünf Stunden Schlaf pro Nacht reichen dem 64-Jährigen in der Regel – viel mehr Zeit hat er dafür momentan auch nicht. Denn als Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) hat er alle Hände voll zu tun.

In mehreren Krisensitzungen hat er mit seinen Kollegen eine öffentlich-rechtliche Auffanglösung für die kriselnde NordLB auf die Beine gestellt. Und er muss mit allen Beteiligten in Brüssel einen Plan für das Hannoveraner Geldhaus vorlegen, den die EU absegnen kann. Zudem wirbt Schleweis weiter für eine grundlegende Konsolidierung des Landesbanken-Sektors.

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Landesbanken bereits von zwölf auf fünf gesunken. Und wenn es nach Schleweis geht, soll es in absehbarer Zeit nur noch eine Super-Landesbank geben, die er Sparkassenzentralbank nennt. „Wenn man ein Ziel hat, dann muss man sich auf den Weg machen“, sagte der DSGV-Chef am Montagabend bei einem Auftritt im Frankfurter Presseclub ICFW. „Jeder Weg fängt mit dem ersten Schritt an. Jetzt gilt es, viele Verbündete dafür zu finden, dass das der richtige Weg ist.“

2018 hat Schleweis vorgeschlagen, dass sich in einem ersten Schritt die Landesbanken NordLB und Helaba zusammentun. Anschließend sollte das fusionierte Institut dann mit der LBBW, der Dekabank und der BerlinHyp verschmelzen. Doch nachdem das Handelsblatt die Pläne im Oktober publik gemacht hatte, gab es umgehend Kritik, unter anderem vom Land Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart, die zusammen die Mehrheit an der LBBW halten. Kurz vor Weihnachten scheiterten dann auch noch die Fusionsgespräche zwischen Helaba und NordLB.

Tot sei sein Plan für eine Sparkassenzentralbank damit aber noch lange nicht, findet Schleweis. „Wenn man etwas möchte, fängt es mit einem Vorschlag an“, sagte der Sparkassenpräsident. „Und dann schließt sich daran ein Diskussionsprozess an.“ Dieser Prozess sei noch nicht abgeschlossen, und somit auch nicht gescheitert. Die „große Mehrzahl der Sparkassen“ stehe hinter dem Plan. In den Ländern Bayern und Baden-Württemberg, die an ihren jeweiligen Landesbanken maßgeblich beteiligt sind, muss Schleweis dagegen noch viel Überzeugungsarbeit leisten.

Ein Zentralinstitut müsste sich aus Sicht des DSGV-Präsidenten auf Angebote konzentrieren, die die Sparkassen ihren Kunden nicht unterbreiten können. Dazu zählen großvolumige Kredite, die Verwahrung von Wertpapieren, das Kapitalmarktgeschäft, das Asset-Management und Geschäfte im Ausland. „Wir können hier Synergien im großen Umfang heben“, betont Schleweis. An Auslandsstandorten wie New York habe beispielsweise jede Landesbank eine eigene Filiale. „Da reicht eine“, findet der Sparkassenpräsident.

Kapitalspritzen dürfen keine Beihilfe mehr sein

In den letzten Wochen hat sich Schleweis jedoch mehr mit der NordLB als mit den Plänen für eine Super-Landesbank beschäftigt. Am vergangenen Donnerstag verständigten sich die DSGV-Gremien einstimmig auf eine Auffanglösung für das von der Schifffahrtskrise gebeutelte Institut.

Sie sieht vor, dass die Sparkassen-Finanzgruppe rund 1,2 Milliarden Euro zur Stützung der Bank bereitstellt. Das Land Niedersachsen, das Mehrheitseigner der NordLB ist, macht 2,5 Milliarden Euro locker, davon eine Milliarde in Form einer Garantie. Das Institut soll so von den Lasten fauler Schiffskredite befreit werden –  und sein Geschäftsvolumen künftig deutlich herunterfahren.

„Wenn die Risiken beseitigt sind, müsste es möglich sein, diese Bank so aufzustellen, dass sie ordentlich Geld verdient“, sagte Schleweis. Eine große Hürde gibt es jedoch noch: Die EU-Kommission muss die Lösung absegnen – und das ist alles andere als ein Selbstgänger. „Da viel öffentliches Geld dabei ist, ist das eine gewisse Herausforderung.“

Im Gegensatz zu früheren Fällen aus dem Landesbanken-Sektor gebe es inzwischen keine Beihilfeverfahren mehr, bei denen die EU-Kommission Auflagen erlasse, erklärte Schleweis. Stattdessen müsse man in Brüssel ein Modell vorlegen, das es der EU-Kommission ermögliche, die Kapitalspritzen als beihilfefrei zu klassifizieren. Das ist in der Regel dann der Fall, wenn die Beteiligten nachweisen können, dass sich ein privater Investor bei der Kapitalstärkung einer Bank ähnlich verhalten hätte wie ein staatlicher Eigentümer.

Schleweis geht davon aus, dass die EU-Kommission in den anstehenden Gesprächen deutlich machen wird, welche Erwartungen sie mit Blick auf die Kapitalspritzen und das künftige Geschäftsmodell der NordLB hat. „Wenn ich keine Auflagen machen kann, dann will ich das, was ich als Auflagen gemacht hätte, eigentlich in dem Modell sehen“, sagte der DSGV-Chef. „Deswegen wird man ein Modell vorlegen müssen, was dem entspricht. Da haben wir auch ein gewisses Gefühl dafür.“

Schleweis geht deshalb optimistisch in die Gespräche mit der EU. „Wenn ich keine Zuversicht hätte, wären die Chancen nicht größer“, lautet sein Motto. Und auch sonst macht der gebürtige Heidelberger, der Anfang 2018 das Amt des Sparkassenpräsidenten übernommen hat, einen gut gelaunten Eindruck. „Ich habe es noch keine Sekunde bereut“, sagte er und grinst. „Es ist schon ein interessanter Job.“

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