Konsolidierung Landesbanken prüfen Einstieg bei der NordLB

Die Bank gibt den Startschuss für die Beschaffung von frischem Kapital. Interesse gibt es dabei auch im öffentlich-rechtlichen Sektor.
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Mit Schiffskrediten hat sich die Landesbank verhoben. Jetzt sollen neue Investoren einsteigen. Quelle: Ulrich Reinicke / NORD/LB
Zentrale der NordLB in Hannover

Mit Schiffskrediten hat sich die Landesbank verhoben. Jetzt sollen neue Investoren einsteigen.

(Foto: Ulrich Reinicke / NORD/LB)

FrankfurtFür die NordLB tickt die Uhr. Vorstandsvorsitzender Thomas Bürkle hat versprochen, bis Ende des Jahres ein tragfähiges Konzept vorzulegen, wie sie ihre Kapitaldecke stärken will. Jetzt kommt der Prozess in Gang. Nach Informationen aus Finanzkreisen sollen Bieter bereits am 8. Oktober indikative Angebote abgeben. Interessenten für die Landesbank, die sich mit Schiffskrediten verhoben hat, gibt es durchaus. In diesem frühen Stadium handelt es sich um eine bunte Mischung.

Die NordLB hat bereits angedeutet, dass sich neben Finanzinvestoren auch strategische Interessenten eine Beteiligung vorstellen können. Zu den Kandidaten, die prinzipiell Interesse an der Bank haben, zählt nach Informationen aus Finanzkreisen der US-Investor Cerberus. Es sei allerdings noch zu früh, um zu sagen, ob die Amerikaner tatsächlich ein indikatives Angebot abgeben werden.

Das hänge von verschiedenen Parametern ab, wie beispielsweise der Bewertung durch die Eigner oder davon, welche Unternehmensteile beim Verkauf ausgeklammert werden. Neben Cerberus würden auch die Finanzinvestoren Lonestar und Apollo einen Blick auf die NordLB werfen, heißt es. Das Gleiche gelte für die Landesbanken Helaba und LBBW und möglicherweise auch für chinesische Geldhäuser.

In einem so frühen Stadium sei der Kreis der potenziellen Bieter meist noch sehr groß, meint ein Insider. Daraus lasse sich noch nicht ableiten, wie ernsthaft das Interesse sei. Hinsichtlich der derzeit laufenden Privatisierung der HSH Nordbank habe es zunächst auch Spekulationen über Bieter aus China und andere Landesbanken gegeben.

Gebote kamen am Ende aber nur von Finanzinvestoren. Der Zuschlag ging schließlich an ein Konsortium aus Cerberus und JC Flowers. Über das Interesse von Helaba und LBBW berichteten zuerst die Nachrichtenagentur Bloomberg und die „Süddeutsche Zeitung“.

Vorbehalte gegen Cerberus

Die Träger der NordLB loten seit Monaten Wege aus, die vergleichsweise dünnen Kapitalpolster der Bank zu stärken. Niedersachsen ist mit knapp 60 Prozent vor den Sparkassen mit gut 26 Prozent größter Eigner. Das Land Sachsen-Anhalt kommt auf knapp sechs Prozent.

Niedersachsen und die Bank hatten zuletzt wiederholt betont, man prüfe auch den Einstieg privater Investoren. Das Land will aber auch künftig mehr als 50 Prozent an dem Geldhaus halten. Für Cerberus sei eine Mehrheit an der NordLB keine Vorbedingung für eine Beteiligung, heißt es in Finanzkreisen.

Im öffentlich-rechtlichen Sektor würden es viele allerdings begrüßen, wenn die Kapitalprobleme durch einen Einstieg von Landesbanken und nicht von Finanzinvestoren gelöst würden. Denn anders als die HSH Nordbank, die viele Sparkassen schon lange als Fremdkörper angesehen hatten, gilt die NordLB als fester Bestandteil der öffentlich-rechtlichen Bankengruppe. Hinzu kommt, dass zur NordLB auch die Braunschweiger Sparkasse gehört. Eine Beteiligung von Finanzinvestoren an einer Sparkasse wollen viele öffentlich-rechtliche Finanzmanager verhindern.

Außerdem würde ein Einstieg von Finanzinvestoren bei der NordLB langwierige Debatten über die Zugehörigkeit zum öffentlich-rechtlichen Einlagensicherungsfonds auslösen. Denn laut Satzung dürfen dort nur Geldhäuser Mitglied sein, die zu 100 Prozent in öffentlich-rechtlicher Hand sind. Es würde also zu einer ähnlich intensiven Diskussion wie bei der Privatisierung der HSH kommen – mit ungewissem Ausgang.

Gleichzeitig müssen die Eigentümer der NordLB darauf achten, dass sie die Bedingungen der EU-Kommission für eine Kapitalaufstockung erfüllen. Um das zu erreichen, müssten sich private Investoren an der Rekapitalisierung der Bank beteiligen. Hier gebe es erste Signale aus Brüssel, sagte ein Insider. Demnach hält es die EU-Kommission wohl beihilferechtlich für kritisch, sollte ein weiterer öffentlicher Investor bei der NordLB einsteigen – etwa eine andere Landesbank. Dann drohe eine gründliche und langwierige Prüfung.

Zu viele Schiffskredite

Falls am Ende dennoch eine oder mehrere Landesbanken bei der NordLB einsteigen, halten es Beteiligte für denkbar, dass Niedersachsen bereit sein könnte, auch mehr als 50 Prozent an dem Institut abzugeben.

Notleidende Schiffsdarlehen hatten der NordLB 2016 einen Rekordverlust von knapp zwei Milliarden Euro eingebrockt. Das Geldhaus will diesen Problembestand bis Ende 2019 auf unter fünf Milliarden Euro senken, nach 7,7 Milliarden Euro Ende Juni. Dazu könnte der Verkauf größerer Kreditpakete beitragen, vor allem von der Tochter Bremer Landesbank. Das könnte allerdings für neuen Kapitalbedarf sorgen, weil Abschreibungen auf den Buchwert der Darlehen anfallen dürften.

Noch ist nicht entschieden, wie viel frisches Kapital die NordLB braucht und wie genau sich die Bank die Mittel beschaffen wird. Zum Paket könnte auch eine Wandelanleihe gehören, sagte ein Insider. In Finanzkreisen ist von insgesamt rund 30 Prozent des aktuellen Eigenkapitals die Rede, was rund 1,8 Milliarden Euro entspräche. Skeptiker halten aber auch einen Kapitalbedarf von bis zu drei Milliarden Euro für nicht ausgeschlossen.

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