Konsolidierung Warum europäische Bankenfusionen schwierig sind

Gerüchte über Zusammenschlüsse in der europäischen Bankenbranche haben Konjunktur. Noch scheinen die Risiken größer als die Chancen.
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UniCredit und Société Générale planen eine XXL-Fusion Quelle: dpa
Unicredit

Die Chefetagen von Unicredit und SocGen prüfen eine mögliche Fusion der rivalisierenden Großbanken in Europa.

(Foto: dpa)

Rom/Paris/FrankfurtVor exakt einer Woche plädierte der französische Notenbankchef François Villeroy de Galhau dafür, die regulatorischen Hürden für grenzüberschreitende Bankenzusammenschlüsse abzubauen. „2018 sollten wir unsere Anstrengungen verstärken, den Umbau des europäischen Finanzsektors zu begünstigen“, argumentierte das Mitglied des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB), die auch für die Aufsicht über die größten Geldhäuser der Euro-Zone zuständig ist.

Das Plädoyer des Notenbankers für große Bankenfusionen wirkt wie der perfekte Auftakt zu einem Medienbericht, der am Montag die Runde machte: Angeblich loten die italienische Unicredit und der französische Konkurrent Société Générale eine Fusion aus. Doch so einfach ist das nicht mit der Bankenkonsolidierung in Europa. Zwar sind sich im Prinzip alle einig, dass die EU noch immer zu viele Banken hat und dass Großfusionen ein Mittel sind, das zu ändern und gleichzeitig die noch immer unvollendete Bankenunion in der EU mit Leben zu erfüllen. So ist de Galhau nicht der erste EZB-Vertreter, der sich für grenzüberschreitende Zusammenschlüsse starkmacht.

Doch viele Banker glauben, dass die Zeit für Großfusionen noch nicht reif ist, solange die Altlasten der Finanzkrise noch nicht beseitigt sind. Auch viele nationale Aufseher warnen, dass die Banken erst einmal ihre Geschäftsmodelle und ihre Profitabilität in Ordnung bringen müssen, bevor sie an größere Deals denken.

Jean Pierre Mustier, der Vorstandschef von Unicredit, hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er eine Konsolidierung in Europa für nötig hält: „Es ist für den Kontinent aus strategischer und politischer Sicht wichtig, dass wir mehr paneuropäische Geldhäuser haben“, hatte der Franzose, der einst das Investmentbanking von Société Générale leitete, vor Kurzem im Handelsblatt-Interview gesagt. Aber er machte auch klar, dass jede Fusion sorgsam geprüft werden müsse, auch darauf, ob die Kulturen zusammenpassen. In Finanzkreisen heißt es, dass Mustier gerade gegenüber französischen Banken Vorbehalte habe, weil die Geldhäuser zu bürokratisch seien und der Einfluss der Politik zu groß. Außerdem hat Mustier bereits mehrfach klargemacht, dass sich Unicredit zumindest bis 2019 auf das organische Wachstum konzentrieren will. Im Board der Mailänder Bank, der auch die Münchner Hypo-Vereinsbank gehört, sei nicht über das Thema Société Générale gesprochen worden, betonte ein Verwaltungsrat des Instituts gegenüber dem Handelsblatt.

Auch von der französischen Großbank kommt ein scharfes Dementi: „Im Verwaltungsrat der Société Générale gibt es keinerlei Überlegungen über eine mögliche Annäherung an Unicredit.“ Damals wie heute stellt die von Vorstandschef Frédéric Oudéa geführte Bank klar, dass sie sich vor allem auf die Stärkung des eigenen Geschäfts konzentrieren will. Das bedeutet allerdings erst einmal, ein paar äußerst kritische Probleme abzuräumen.

Vor allem der Konflikt mit den US-Behörden über die Manipulation des Referenzzinses Libor sowie über Aktivitäten in Libyen hat die Bank in Atem gehalten und sogar das Personaltableau durcheinandergewirbelt. Im März schied völlig überraschend Didier Valet aus, stellvertretender Generaldirektor und als möglicher Nachfolger Oudéas auserkoren. Das hat Oudéa dazu gezwungen, einen neuen Vorstand zusammenzustellen und selber vorzeitig seinen Vertrag zu verlängern.

Kronprinz Valet befand sich im Visier der Amerikaner. Sie sollen sein Ausscheiden gefordert haben. Am Montag konnte die Bank eine Einigung in den USA über die beiden Fälle bekanntgeben. Einen Betrag für die Strafzahlung nannte sie nicht. Die Summe soll aber die bereits gebildeten Rückstellungen von einer Milliarde Euro nicht übersteigen.

Der ehemalige EZB-Banker Lorenzo Bini Smaghi, seit 2014 Verwaltungsratspräsident von Société Générale, bekräftigt das Dementi zu den Fusionsspekulationen: „Es ist nicht zu verstehen, warum es solche Meldungen gibt, vor allem in diesem besonderen Moment“, sagte er dem Handelsblatt mit Blick auf die politische Krise in Italien und die neue EU-kritische Regierung in Rom. Das bedeutet allerdings nicht, dass Société Générale auf Dauer kein Interesse an einem Partner hat. Investmentbanker halten das Institut, das geschwächt aus der Finanzkrise kam, für zu klein, um auf Dauer alleine bestehen zu können.

Zumindest kurzfristig scheint ein Zusammenschluss aber nicht auf dem Programm zu stehen. Dabei hätte ein Deal zumindest auf dem Papier seinen Reiz. „Eine Fusion der beiden Banken würde passen, denn sie ‧haben eine ähnliche Struktur und Größe, vor allem im Investmentbanking“, meint Michael Hünseler, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Assenagon. Aus dem Zusammenschluss würde ein Finanzriese mit starker Präsenz in Italien, Frankreich, Deutschland, Österreich und Osteuropa entstehen. Unicredit ist an der Börse derzeit rund 33 Milliarden Euro wert, Société Générale rund 31 Milliarden. „Eine Bank dieser Größenordnung in Europa würde ‧Gewicht haben auf dem Markt, der von US-Banken beherrscht wird“, meint Fondsmanager Hünseler.

Der Vorstandschef einer europäischen Großbank dämpft allerdings die Euphorie: Auf Dauer müsse es zwar zu einer Konsolidierung kommen, aber noch sei es zu früh für große Bankendeals. Als größtes Hindernis sieht der Topbanker nach wie vor das Misstrauen der Regulierer, die nach der Finanzkrise noch immer die Furcht vor Banken umtreibe, die so groß sind, dass sie im Notfall vom Steuerzahler aufgefangen werden müssen. Außerdem fordern die Aufseher für besonders systemrelevante Banken einen Kapitalaufschlag. „Das ist noch immer ein wirksames Abschreckungsmittel“, meint der Vorstandschef.

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