Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kontrollsysteme Commerzbank könnte US-Aufpasser bald los sein

Nach vier Jahren dürfte ein als Monitor eingesetzter US-Anwalt die Commerzbank verlassen. Für das Institut wäre das aus zwei Gründen ein Erfolg.
Kommentieren
Das Institut würde bei einem Abschied des US-Monitors Geld einsparen. Quelle: Reuters
Commerzbank-Zentrale

Das Institut würde bei einem Abschied des US-Monitors Geld einsparen.

(Foto: Reuters)

FrankfurtWenn sich Banken nicht an die Vorgaben von Gesetzgebern und Aufsichtsbehörden halten, kann es teuer werden. Diese Erfahrung hat auch die Commerzbank gemacht. Im März 2015 verhängten die US-Behörden wegen Sanktionsverstößen und laxer Geldwäschekontrollen eine Strafe von 1,45 Milliarden Dollar gegen das Institut.

Zudem zwangen sie das Frankfurter Geldhaus, einen sogenannten Monitor einzusetzen. Dabei handelt es sich um ein Team einer amerikanischen Anwaltskanzlei. Es überprüft seitdem, ob das Institut seine Überwachungssysteme so aufrüstet, dass es illegale Geschäfte besser aufspüren und unterbinden kann.

Inzwischen ist der Monitor mit den Fortschritten der Commerzbank in diesem Bereich offenbar zufrieden. Er werde seine Arbeit voraussichtlich bald beenden, sagten mehrere mit dem Thema vertraute Personen dem Handelsblatt. „Es sind alle Aufgaben und Punkte abgearbeitet“, erklärte einer der Insider.

Eine Version seines Abschlussberichts hat der US-Aufpasser dem Geldhaus Finanzkreisen zufolge bereits geschickt. Formell abgeschlossen sei sein Einsatz jedoch noch nicht. Hierfür müsse das New York State Department of Financial Services (DFS) noch grünes Licht geben.

Das DFS, das den Monitor installiert hat, äußerte sich dazu nicht. Eine Sprecherin der Commerzbank erklärte, der Monitor sei weiter für das Institut tätig. Es sei nicht absehbar, wann das Verfahren durch das DFS beendet werde. Mit dem Thema vertraute Personen gehen davon aus, dass dies in absehbarer Zeit passiert. Und das wäre für die Commerzbank ein großer Erfolg.

Zum einen würde das Institut einiges an Geld sparen, denn die beauftrage US-Kanzlei muss von der Commerzbank bezahlt werden – und sie ist alles andere als billig. Zum anderen wäre es auch nach außen ein wichtiges Zeichen, dass Deutschlands zweitgrößte Privatbank in diesem sehr wichtigen Bereich Fortschritte gemacht hat.

Wie gefährlich mangelhafte Kontrollsysteme für Finanzinstitute sind, hat das vergangene Jahr eindrucksvoll gezeigt. Die lettische Bank ABLV wurde geschlossen, nachdem das US-Finanzministerium ihr Verstrickungen in Geldwäscheaktivitäten vorgeworfen hatte. Die niederländische Großbank ING musste wegen mangelhafter Kontrollen 775 Millionen Euro bezahlen. Und es kam heraus, dass über eine estnische Filiale der dänischen Danske Bank wohl Milliardenbeträge gewaschen worden sind.

Abgewickelt hat die Zahlungen unter anderem die Deutsche Bank, die wegen unzureichender Kontrollen schon länger in der Kritik steht. Die Finanzaufsicht Bafin hat deshalb 2018 einen Sonderbeauftragten eingesetzt. Er soll dafür sorgen, dass die Deutsche Bank eine Verbesserung ihrer Kontrollsysteme nicht nur verspricht, sondern auch umsetzt. Daran haperte es aus Sicht von Kontrolleuren in den vergangenen Jahren.

Bei der Commerzbank beurteilt die Finanzaufsicht die Lage positiver. Die für Compliance zuständige Vorständin Bettina Orlopp hat aus Sicht der Behörden die nötige Durchsetzungsfähigkeit. Auch intern gibt es viel Lob für die 48-Jährige. „Frau Orlopp hat bei der Stärkung der Kontrollsysteme einen guten Job gemacht – sie ist da mit sehr viel Härte hinterher“, berichtet eine mit dem Thema vertraute Person.

Überwachungssystem ist engmaschiger und schneller geworden

Illegale Geschäfte könne man zwar nie hundertprozentig ausschließen. Aber die Commerzbank habe heute viel bessere Voraussetzungen, um solche Transaktionen zu erkennen und zu unterbinden.

2015 wurde das Institut von den US-Behörden unter anderem wegen Geschäften mit der staatlichen iranischen Reederei IRISL bestraft. Zudem bemängelten die Kontrolleure Transaktionen mit dem japanischen Kamerahersteller Olympus, der jahrelang seine Bücher frisiert hatte.

Schon während der Verhandlungen über einen Vergleich mit den US-Behörden begann die Commerzbank, ihre Kontrollsysteme zu verstärken. Seit 2016 ist für das Thema Bettina Orlopp zuständig. Im November 2017 zog sie als erste Frau in den Vorstand der Traditionsbank ein.

Unter Orlopp ist das Überwachungssystem des Instituts engmaschiger und schneller geworden. Es gibt regelmäßige Trainingseinheiten für die Belegschaft und ein neues Lenkungsgremium, das Compliance Management Committee. Wie wichtig das Thema ist, soll den Mitarbeitern außerdem durch zahlreiche Aufsteller in den Geschäftsräumen der Bank verdeutlicht werden. „Unser wichtigstes Berufsbild: Vorbild“, steht auf einem der Plakate. Das Ganze ist Teil der „Culture of Integrity“-Kampagne des Geldhauses.

Bei der Beurteilung von Kunden lässt die Commerzbank heute mehr Parameter einfließen als in der Vergangenheit. Und wenn sie Firmenkunden als sehr riskant einstuft, überprüft sie diese einmal im Jahr.

Zudem ist das Institut dabei, ein einheitliches Transaktionsmonitorsystem weltweit auszurollen. Computer durchleuchten dabei sämtliche Zahlungsverkehrsströme und schlagen bei verdächtigen Transaktionen Alarm. Diese Warnmeldungen werden dann innerhalb weniger Tage von Compliance-Mitarbeitern ausgewertet und bei Bedarf an die zuständigen Behörden weitergeleitet.

Die Einführung neuer Standards bei der Überprüfung von Kunden (KYC) verläuft dagegen nicht überall reibungslos – und sie erschwert aus Sicht von Mitarbeitern teilweise das Geschäft. Das gilt besonders für die Londoner Dependance der Bank.

Diese hatte wegen mangelhafter Geldwäschevorkehrungen einen Rüffel von der britischen Finanzaufsicht FCA erhalten und deshalb im Juni 2016 eine sogenannte „Skilled Person“ eingesetzt. Dabei handelt es sich um ein Team von Anwälten, das zunächst eine Liste mit allen Mängeln erstellte. Diese muss die Commerzbank nun abarbeiten. Die Anwälte überprüfen die Fortschritte halbjährlich und leiten ihre Einschätzungen dann an die FCA weiter.

Nach dem Rüffel der Behörden hat die Commerzbank Geschäfte mit Kunden, deren Legitimitätsprüfung die FCA bemängelt hatte, auf eigenes Betreiben auf Eis gelegt. Anschließend wurden zahlreiche Mitarbeiter abgestellt, um diese Kunden sorgfältig zu durchleuchten.

Der Aufwand war groß. Und auch heute klagen manche Beschäftigte noch über Beeinträchtigungen. Zum Teil müsse man mehrere Kundenlisten miteinander abgleichen, um sicherzustellen, dass man Firmen von London aus überhaupt ansprechen dürfe.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

0 Kommentare zu "Kontrollsysteme: Commerzbank könnte US-Aufpasser bald los sein"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.