KPMG-Studie Warum Schweizer Privatbanken trotz satter Gewinne unter Druck stehen

Steigende Börsenkurse bescheren den schweizerischen Privatbanken hohe Gewinne. Doch der Erfolg der Geldhäuser hat einen gewaltigen Haken.
Kommentieren
Zusammengenommen haben die schweizerischen Privatbanken 2017 satte 2,4 Milliarden Euro verdient. Quelle: picture alliance / blickwinkel/M
Schweizer Flagge auf dem Dach der Nationalbank

Zusammengenommen haben die schweizerischen Privatbanken 2017 satte 2,4 Milliarden Euro verdient.

(Foto: picture alliance / blickwinkel/M)

ZürichPrivatbankiers gehören zur Schweiz wie Emmentaler und das Matterhorn. Doch spätestens, seit sich die Eidgenossen notgedrungen vom Bankgeheimnis verabschiedet haben, stehen die Privatbanken unter Druck. Zwar bescheren ihnen steigenden Börsenkurse satte Gewinne, wie eine Studie der Beratungsfirma KPMG zeigt. Doch dürften in den kommenden Jahren weitere Institute vom Markt verschwinden.

Für ihre Studie nahmen die KPMG-Experten insgesamt 90 schweizerische Privatbanken unter die Lupe. Zusammengenommen verdienten die Häuser im vergangenen Jahr satte 2,8 Milliarden Franken (2,4 Milliarden Euro). Damit hat sich das Ergebnis im Vergleich zu 2015 mehr als verdoppelt. „Die Institute stehen so gut da wie seit zehn Jahren nicht“, sagt KPMG-Experte Philipp Rickert. Doch die Erfolgsstory hat einen Haken.

Demnach haben die Privatbanken vor allem davon profitiert, dass das Vermögen der wohlhabenden Kundschaft gewachsen ist. Das lag vor allem am guten Lauf der Aktienmärkte, die um mehr als 20 Prozent zugelegt haben. Entsprechend kletterte das verwaltete Vermögen auf rund 2,6 Billionen Franken.

Dadurch blieb bei den Instituten mehr Geld hängen – etwa über Gebühren. „Die positive Entwicklung basiert vor allem auf der guten Marktperformance“, sagt KPMG-Experte Rickert. Aus eigener Kraft konnten die Privatbanken dagegen kaum noch wachsen.

Zwar haben viele Institute neue Berater eingestellt, um auf Kundenfang zu gehen. Doch lediglich der Hälfte der Häuser gelang es, unterm Strich neues Vermögen einzusammeln. Knapp 22 Milliarden Franken (19,3 Milliarden Euro) an neuem Geld kamen so in der Branche zusammen. Gemessen am verwalteten Vermögen ist das nur circa ein Prozent. „Hier hat die Schweiz im internationalen Wettbewerb an Boden verloren“, sagt Christian Hintermann von KPMG.

Dabei ist Privatbank nicht gleich Privatbank: Während bei manchen Instituten die Kasse klingelt, tun sich andere trotz der guten Marktbedingungen schwer. Konkrete Namen nennt die KPMG-Studie zwar nicht. Doch in der Gruppe der „Top-Performer“ liegt die Aufwandsquote bei rund 62 Prozent.

Anders gesagt: Um einen Franken zu verdienen, mussten die Institute lediglich 62 Rappen investieren. Bei anderen Instituten sehen die Zahlen dagegen weniger rosig aus: 13 Banken wiesen 2017 gar einen Verlust aus – und das trotz des positiven Umfelds.

Kein Wunder also, dass sich die Branche weiter konsolidiert. Zählte KPMG 2010 noch mehr als 160 Privatbanken, waren es im vergangenen Jahr nur noch 107. Auch in diesem Jahr setzt sich der Trend fort. So übernahm die Bank Vontobel etwa die Privatbank Notenstein, die als Marke verschwinden soll. Die Berater schätzen, dass es in einigen Jahren nur noch 60 oder 70 Institute in der Schweiz geben wird. Privatbanken dürften also weiter zum Image der Schweiz gehören – es werden nur weniger.

Startseite

Mehr zu: KPMG-Studie - Warum Schweizer Privatbanken trotz satter Gewinne unter Druck stehen

0 Kommentare zu "KPMG-Studie: Warum Schweizer Privatbanken trotz satter Gewinne unter Druck stehen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%