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Kreditinstitut Die italienische Regierung springt der angeschlagene Banca Carige bei

Die Regierung garantiert entgegen früheren Ankündigungen für Anleihen der Banca Carige. Erneut stützt Rom ein Kriseninstitut, statt es abzuwickeln.
Update: 09.01.2019 - 02:10 Uhr 1 Kommentar
Italien: Regierung gibt Garantien für Banca Carige Quelle: Bloomberg
Banca Carige in Rom

Das Institut steht unter Zwangsverwaltung der EZB.

(Foto: Bloomberg)

Rom, FrankfurtDie italienische Regierung betrachtet die Unterstützung für die Banca Carige als eine nur vorübergehende Maßnahme. Regierungschef Giuseppe Conte sagte am Dienstag, er gehe davon aus, dass sich das Institut erholen und eine Fusion mit einem Konkurrenten anstreben werde. Sowohl seine beiden Stellvertreter als auch er hätten sich für die Staatshilfe ausgesprochen.

Das Kabinett verabschiedete am Montagabend ein maßgeschneidertes Dekret, das dem Institut staatliche Garantien für neue Anleihen und für mögliche Kredite der italienischen Zentralbank zusagt. Sogar eine staatliche Finanzspritze, eine „vorsorgliche Rekapitalisierung“, ist möglich. Es sei aber sehr unwahrscheinlich, dass man darauf zurückgreifen werde, erklärte Carige. Die Regierung in Rom legt für die potenziellen Kosten einen milliardenschweren Fonds auf.

So sollten die „Rechte und Interessen der Sparer“ geschützt werden, erklärte Ministerpräsident Conte in Rom. Der Schritt solle Carige stabilisieren und dabei helfen, die angeschlagene Kapitalbasis aufzubessern. Die Entscheidung fiel in einer eigens angesetzten halbstündigen Kabinettssitzung.

Die Börse in Mailand reagierte am Dienstag positiv. Die Aktien der Banca Carige selbst sind seit dem 2. Januar vom Handel ausgesetzt. An diesem Tag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) das Institut unter Zwangsverwaltung gestellt. Zuvor war eine geplante Kapitalerhöhung gescheitert und die Mehrheit des Verwaltungsrats zurückgetreten.

Banca Carige ächzt unter einem Berg von bis zu 3,7 Milliarden Euro an ausfallgefährdeten Krediten. Diese sollen nach der Strategie der Zwangsverwalter um 2,1 bis 2,8 Milliarden Euro reduziert werden. „Wir sehen den Abbau der notleidenden Kredite als zentrale Aufgabe für den Turnaround“, schrieben die Analysten der Investmentbank Mediobanca. Für das Brokerhaus Equita bedeutet das Eingreifen der Regierung eine „substanzielle und definitive Stabilisierung der Risiken“.

Was die Analysten freut, sorgt auf politischer Ebene für Kritik. Eigentlich hatten sich die Euro-Staaten nach der Finanzkrise darauf verständigt, kriselnde Banken abzuwickeln, statt sie mit Steuergeld zu retten. Die Verluste haben dann Aktionäre, Gläubiger und wohlhabende Sparer zu tragen. Im Wahlkampf hatten die römischen Regierungsparteien aus der rechten Lega und der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung noch ein hartes Vorgehen gegenüber den heimischen Banken angekündigt.

Nun gewähren sie Staatshilfe – und seien damit „umgefallen“, kritisiert die Opposition um Ex-Premier Matteo Renzi die Kehrtwende. Die Regierungsparteien wiederum geben Europa eine Mitschuld an der Situation: „Die italienischen Banken zahlen den Preis für das Aufsichtshandeln der EZB“, kommentierte Vizepremier Luigi Di Maio von den Fünf Sternen.

Die für drei Monate bestellte Interimsführung der Banca Carige teilte am Dienstag mit, man werde die Anleihegarantien „nun aktivieren“, toxische Kredite abstoßen und frühere Deals nachverhandeln. Verhindern wollen die Zwangsverwalter eine „vorsorgliche Rekapitalisierung“ wie im Fall der Krisenbank Monte dei Paschi. Hier war der italienische Staat 2016 nach Absprache mit EU-Kommission und EZB eingestiegen. Ende Februar soll ein Businessplan vorliegen, der Carige für andere Institute attraktiv macht.

Drei Banken werden als Übernahmeinteressenten genannt: Unicredit, Ubi Banca und die französische Crédit Agricole. Kommentieren wollte dies keines der Institute. Carige aus Genua ist ein Regionalinstitut ohne große Bedeutung für den europäischen Finanzsektor. Es ist jedoch ein bedeutender Kreditgeber in der norditalienischen Region Veneto, die seit Jahren mit den Folgen des Strukturwandels kämpft.

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1 Kommentar zu "Kreditinstitut: Die italienische Regierung springt der angeschlagene Banca Carige bei"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Hier sieht man wieder einmal deutlich, die Südländer, hier Italien, in der EU halten sich an keine EU-Regeln. Jeder macht was er will. Sei es bei der Neuverschuldung oder bei der Bankenrettung.
    Nur die dummen Deutschen beten immer die EU-Regeln runter.
    Entweder werden Regeln in der EU verbindlich mit automatischen Sanktionen, auch für Frankreich, oder wir lösen diese EU und den Euro auf, was die USA und China nur freuen dürfte. Aber so hat die EU keinen dauerhaften Bestand.
    Erster Schritt, das EU-Parlament muß bei den Abgeordneten den Proporz der Bevölkerung der Mitgliedsländer widerspiegeln.