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Kreditkarten Start der Apple Card: Für Apple ein Test, für Goldman Sachs ein Risiko

Apples erste Kreditkarte startet auf dem US-Markt. Doch der Erfolg ist nicht ausgemacht – besonders für Apples Partner: die US-Investmentbank Goldman Sachs.
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Der iPhone-Hersteller will vor allem, dass die Kunden die digitale Karte auf dem Smartphone benutzen.
Apple Card

Der iPhone-Hersteller will vor allem, dass die Kunden die digitale Karte auf dem Smartphone benutzen.

New York Die Titan-Karte von Apple kommt in einem hellen, festen Umschlag. Ähnlich wie beim iPhone setzt Apple auch bei seiner ersten Kreditkarte auf schlichtes Design. So schlicht, dass außer dem Namen, den dezenten Logos von Apple vorne und von Goldman Sachs und Mastercard hinten, nichts auf der Karte steht.

Die ersten ausgewählten Kunden haben ihre Apple Card in diesen Tagen schon in ihren Händen halten dürfen. Seit Dienstag können alle der gut 100 Millionen iPhone-Kunden in den USA die Karte beantragen – direkt über die Wallet-App. Das Ganze dauert nur ein paar Minuten.

Es ist ein Test, sowohl für Apple als auch für Goldman Sachs. Die Investmentbank gibt zum ersten Mal überhaupt eine Kreditkarte heraus und hat dafür eigens eine neue Plattform aufgebaut. Das ist Teil der neuen Strategie, ein Privatkundengeschäft aufzubauen. Goldman-Chef David Solomon will so die volatilen Umsätze aus dem Investmentbanking abfedern.

Goldman muss sich allerdings gegenüber etablierten Anbietern wie Chase, Citi und Capital One beweisen und Verluste in Kauf nehmen. Analystenschätzungen zufolge kostet es die Bank 350 Dollar pro Nutzer, der eine Kreditkarte beantragt. Die neue Karte ist dabei nur eine Notlösung, falls ein Geschäft oder Hotel Apples Zahlsystem nicht akzeptiert.

Apple will vor allem, dass die Kunden die digitale Karte auf dem Smartphone benutzen. Dort bekommen sie auch die meisten Prämien: Pro 100 US-Dollar gibt es sofort zwei Dollar zurück. Wer bei Apple – etwa bei iTunes – einkauft, bekommt sogar drei Dollar. Wer dagegen die Titanium-Karte benutzt, muss sich mit einem Dollar zufrieden geben.

Ein Pluspunkt für Kunden: Es gibt keine Abschluss- oder Jahresgebühren für die Karte. Und auf dem Smartphone kann man dank einfacher Grafiken genau verfolgen, wie viel man schon wofür ausgegeben hat, wie viel Kredit man noch hat und wann die nächste Zahlung fällig ist oder wie hoch die Zinsen ausfallen, wenn man nur einen Teil zurückzahlt.

Ideal für Apple-Fans

Reicht das, um sich auf dem gesättigten Kreditkartenmarkt durchzusetzen? Gökhan Öztürk, Partner Financial Services von der Unternehmensberatung Oliver Wyman, glaubt, dass die Apple Card ihren Platz in den USA und auch in Deutschland finden wird. Aber „sie wird voraussichtlich eher als eine zusätzliche Karte positioniert“, sagt Öztürk.

Ob und wann diese nach Deutschland kommt, bleibt vorerst offen. Apple Pay beispielsweise benötigte etwa vier Jahre für den Deutschlandstart.

Wenn Menschen beispielsweise mit einer Miles&More-Karte Meilen sammelten, würden sie höchstwahrscheinlich diese dafür nicht aufgeben, schätzt der Berater: „Aber da die Apple Card keine Gebühren hat, werden viele iPhone-Nutzer sie wahrscheinlich einfach zusätzlich nehmen.“

Davon ist auch Beverly Harzog überzeugt, Kreditkarten-Expertin und Konsumentenfinanzierung-Analystin von U.S. News & World Report. Die Karte habe einen klaren Fokus auf iPhone-Nutzer. „Sie wird nicht auf einem hohen Level mit Kreditkarten anderer Großbanken konkurrieren“, meint Harzog.

Die virtuelle Karte sei jedoch „ideal für Verbraucher, die Fans von Apple-Produkten sind und die sich wohl fühlen, die Apple Wallet App zu nutzen“. Für andere gebe es andere Prämien-Kreditkarten, die ihren Besitzern mehr Wert bieten, sagt die Kreditkartenexpertin. „Was die Prämien angeht, gibt es sicher andere, die weitere Leistungen anbieten“, ist auch Öztürk von Oliver Wyman überzeugt.

Einen großen Vorteil sieht er jedoch bei der Sicherheit der Karte: Die Apple-Karte sei sicherer als andere, weil die physische Karte keine Nummer und keine Sicherheitsnummer hat. „Es kann also sehr schwer jemand etwas damit online einkaufen, wenn sie gestohlen ist.“ Für Apple macht die neue Karte Öztürk zufolge auf jeden Fall Sinn, um damit ihre Kunden an das iPhone zu binden. Schließlich kann man die Karte nicht einfach zu Android mitnehmen.

Kundenbindung ist ein wichtiges Thema für Apple. Schließlich hat das Unternehmen aus Cupertino in jüngster Zeit mit sinkenden Verkaufszahlen beim iPhone zu kämpfen und versucht, diesen Umstand mit höheren Einnahmen bei Abos und Service-Leistungen auszugleichen.

Seit 2017 ist Apple mit Apple Pay auch als Zahlungsdienst unterwegs. Dabei bekommt der iPhone-Hersteller für jede Transaktion eine kleine Provision. Bei der neuen Karte wird diese etwas höher ausfallen.

Niedrige Zinsen und Prämien, keine Gebühren

Bei Goldman Sachs sieht die Lage etwas anders aus. Analyst Bill Carache von Nomura glaubt, dass die fehlenden Gebühren für Goldman zu Verlusten führen könnten, wenn die Konjunktur sich irgendwann dreht. In einem Schreiben an seine Kunden vergleicht Carache die Karte mit einem „weiteren Baustein in Apples wachsender Finanz-Abteilung, zusammen mit Pay, Cash und mittelfristig potentiell auch Debit“.

Carache ist skeptisch, was den Nutzen für Goldman angeht. Die Zinsen für Überziehung seien im Vergleich zu anderen recht niedrig, Gebühren gibt es nicht und die Prämien seien dezent, aber nicht weltbewegend. Er rechnet damit, dass Goldman Sachs auf einem ohnehin schwierigen Markt mit höheren Verlusten dastehen werde als JP Morgan Chase, Bank of America, American Express und Citigroup.

„Das Apple-Card-Portfolio könnte weniger Umsatz und höhere Verluste generieren als der Branchendurchschnitt“, schreibt Carache. Es werde Jahre dauern, bis das Geschäft profitabel werde. Außerdem habe Goldman keine historische Erfahrung im Geschäft mit Konsumentenkrediten, bemerkt er.

Goldmans Renditen bei der Apple Card werden „kaum reichen, um die Kapitalkosten nach unseren Annahmen zu decken, die noch nicht den möglichen Gegenwind mit irgendwelchen wirtschaftlichen Schwierigkeiten beinhalten“, schreibt Carache. Sollte es zu einer Rezession kommen, wäre es noch schwieriger für Goldman „akzeptable Margen zu generieren“.

Goldman-Chef Solomon lässt sich davon jedoch nicht abschrecken. Die Einführung der Karte sei „ein großer Schritt, aber nur ein Anfang“, schrieb er am Dienstag an seine Mitarbeiter. „Ich gehe davon aus, dass wir in den kommenden Jahrzehnten führend im Privatkundengeschäft werden.“

Vor drei Jahren hat Goldman die Online-Tochter Marcus gegründet und bietet seitdem Kleinkredite und gut verzinste Sparkonten für Normalverbraucher an.

Ein Geschäft, das seitdem kontinuierlich ausgebaut wird. Wenn es nach Goldman geht, wird Apple nicht der einzige Kreditkartenkunde bleiben. Sowohl weitere Kooperationen könnten folgen, sowie andere Kreditdienstleistungen, die über die Marcus-Plattform angeboten werden könnten. Das würde dann auch die Margen heben, weil die neuen Kunden an die bestehende Plattform angedockt werden können.

Mehr: Im Frühjahr dieses Jahres hat Apple sein neues Unterhaltungskonzept vorgestellt. Welche Formate es künftig neben der Apple Card geben wird, lesen Sie hier.

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