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Kreditkartenanbieter Visa führt Debitkarte in Deutschland ein

Das Unternehmen bringt seine Bankkarte mit Sofort-Abbuchung nach Deutschland. Damit löst sich Visa weiter vom Kreditkartengeschäft – auch, weil es keine Wahl hat.
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Visa will mit eigener Debit-Karte den Banken Konkurrenz machen Quelle: dapd
Visa Debit

Die neue Konkurrenz zur Girocard soll ab 2020 auch in Deutschland erhältlich sein.

(Foto: dapd)

FrankfurtMit seinem bisherigen Kerngeschäft mit klassischen Kreditkarten hatte Visa bei den Deutschen bisher keinen allzu großen Erfolg. Deshalb bringt das US-Unternehmen jetzt auch in Deutschland seine Debitkarte auf den Markt – und könnte damit die deutschen Banken unter Druck setzen. Ab 2020 soll die Karte erhältlich sein.

Mit rund 2,2 Milliarden ausgegebenen Debitkarten ist Visa nach eigenen Angaben der weltweit größte Anbieter dieser Form des Bezahlens. Dabei werden die Zahlungen direkt abgebucht, wohingegen bei der Kreditkarte die Abbuchung in der Regel erst am Monatsende erfolgt.

Zwar werden auch bei den herkömmlichen Girocards der deutschen Banken die Zahlungen sofort abgebucht. Doch Debitkarten schließen gleichzeitig die Möglichkeiten von Kreditkarten mit ein: Online- und kontaktloses Bezahlen sowie die Nutzung im Ausland.

„Die Debitkarte ist die bessere Bankkarte“, sagte Albrecht Kiel, Visa-Zentraleuropachef, am Donnerstag in Frankfurt. „Ein Produkt, das nicht so limitiert ist, wie das deutsche Bezahlsystem“. Das klingt nach einer Kampfansage an die klassische Girocard der deutschen Banken.

Allerdings wird Visa nur über die Geldhäuser seine Debitkarten anbieten können. Mit welchen Banken man da kooperiere, sei noch offen, so Kiel. Man führe bereits Gespräche. Unmut bei den Banken erwartet Kiel aufgrund der „überragenden Zustimmung der Endverbraucher“ nicht.

Die Deutschen seien bei ihren Zahlungen konservativer und setzten daher lieber auf sofortige Buchungen als auf Kredit. Und gleichzeitig würden sie eine Bankkarte wollen, die Online-Bezahlung und die Nutzung im Ausland vereine und damit über eine Girocard hinausgehe. Auch bei Händlern habe es im Vorfeld bereits große Zustimmung gegeben.

Visas Vorstoß mit einer eigenen Debitkarte ist nur logisch. Mit dem Kerngeschäft des Unternehmens mit Kreditkarten, die etwa in den USA weit verbreitet sind, konnten sich die Deutschen nie wirklich anfreunden.

„Der kurzfristige Kreditbedarf wird in Deutschland eher über den Dispokredit am Konto und nicht über die Kreditfunktion der Kreditkarte abgedeckt“, sagt Dirk Schrade, stellvertretender Leiter des Zentralbereichs Zahlungsverkehr und Abwicklungssysteme bei der Bundesbank. Zudem habe sich die Girocard als leistungsfähige und für den Händler kostengünstige Zahlungsmöglichkeit etabliert.

Laut einer aktuellen Bundesbank-Studie besaßen 2017 knapp ein Drittel der Bundesbürger eine Kreditkarte. Doch als Zahlungsmittel ist sie besonders bei finanziell Schwächeren aufgrund von zusätzlichen Gebühren unattraktiv. Unter den Haushalten mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 1500 Euro wurden weniger als ein Prozent der Käufe mit einer Kreditkarte bezahlt. In Haushalten mit über 3000 Euro Einkommen waren es sieben Prozent.

Nur elf Prozent der Umsätze in Deutschland werden laut dem Handelsinstitut EHI beim Online-Shopping mit Kreditkarte bezahlt – dem Feld, in dem sich die Kreditkartenanbieter großes Zukunftspotenzial versprechen. Girocard und Debitkarte kommen hingegen zusammen auf 31 Prozent bei den finanziell Schwächeren und 36 Prozent bei den Stärkeren.

Visas Hauptkonkurrent Mastercard hatte vor etwa zwei Jahren schon seine Debitkarte nach Deutschland gebracht. „Wir erhoffen uns hier eine Möglichkeit, neben dem Kreditkartenbereich zusätzlich im Debitbereich erfolgreich zu sein“, hieß es damals vom Unternehmen.

Diese Hoffnung wurde offenbar enttäuscht: Die Debit-Mastercard rangiert laut Branchenkreisen mit verschwindet geringem Marktanteil hierzulande im Niemandsland der Zahlungsmittel. Dass es bei Visa besser laufe als beim Mitbewerber, da sei er „sehr optimistisch“, betonte Zentraleuropachef Kiel.

Bedrohliche Neuregelungen aus Brüssel

Zeitgleich bedrohen neue EU-Regeln das Geschäft von Visa. Bei Einkäufen im Onlineshop per Kreditkarte reichen die Kreditkartennummer, das Ablaufdatum und die Prüfziffern der Kreditkarte ab September nicht mehr als Authentifizierung aus. Der Kunde muss durch einen weiteren Faktor zeigen, dass er wirklich berechtigt ist, die Kreditkarte zu nutzen. Das kann zum Beispiel durch eine TAN passieren, oder die Kunden müssen die Zahlung per Fingerabdruck auf dem Handy bestätigen.

Dieser Mehraufwand durch die „Zwei-Faktor-Authentifizierung“ droht das Bezahlen mit der Kreditkarte und auch mit Debitkarten unattraktiver zu machen. Rechnung und Lastschrift, die von den neuen Regeln unberührt bleiben, könnten so ihre Marktanteile weiter ausbauen.

Visa bietet Banken an, biometrische Authentifizierung – etwa per Fingerabdruck, Stimme oder Gesichtserkennung – in ihre Bezahl-Apps zu integrieren. Fraglich allerdings ist, ob alle Geldhäuser das auch per Mitte September schon umsetzen können.

„Wir als Industrie müssen alles daransetzen, die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten“, sagte Kiel in Frankfurt. Mit Banken und Händlern arbeite man bereits intensiv daran, dass es keine Probleme geben werde. In Kreisen des Unternehmens hingegen ist von „großer Besorgnis“ die Rede, die bei den Händlern entstehen könnte: „Wir können jetzt überhaupt noch nicht ahnen, was passiert.“

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  • Der Artikel liest sich so, als ob VISA noch keine eigene Bankkarte hätte. Was ist dann V-Pay?