Achtsamkeit erforderlich

Onlinekauf per Kreditkarte: Gegen Software, die Bankdaten ausliest, hilft ein Antivirusprogramm.

(Foto: Andrew Brookes/Cultura Images RF)

Kreditkartenbetrug Wie sich Kreditkartenbesitzer vor Betrügern schützen können

Betrüger greifen vermehrt auf fremdes Geld zu – ohne die Kreditkarte zu klauen oder zu fälschen. Dagegen hilft nur, auf Warnzeichen zu achten.
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FrankfurtVor Kurzem erhielt der Autor dieses Artikels eine knappe Nachricht mit der Aufforderung, wegen seiner Kreditkarte möglichst schnell eine bestimmte Telefonnummer bei einem Dienstleister der Kartengesellschaft anzurufen. Es stellte sich heraus: Irgendjemand hatte versucht, mit den Daten der Kreditkarte in Großbritannien eine Rechnung über ein paar Hundert Pfund zu bezahlen.

Diese ungewöhnliche Rechnung war aufgefallen wegen eines möglichen Betrugs – und es handelte sich tatsächlich um den Versuch, Geld abzuzweigen. Die Karte war sofort gesperrt worden. Nach dem Telefongespräch dauerte es ein paar Tage, bis eine neue Kreditkarte per Post kam. Ärgerlich war zudem, dass während der Zeit prompt ein Dienstleister, bei dem die Kartendaten als Zahlungsmittel hinterlegt waren, seinen Service gesperrt hat.

Der Fall ist typisch in mehrfacher Hinsicht. Einmal handelte es sich um einen Betrugsversuch, ohne dass die Karte physisch eingesetzt wurde. In der Branche wird das als CNP-Fall („card not present“) bezeichnet. Diese Art von Betrug macht in Europa den größten Teil der Fälle aus. Die Fälschung oder der Diebstahl von Karten ist dagegen in den letzten Jahren in den Hintergrund getreten.

Zu viel Vorsicht nervt

Eine Ausnahme bildet Frankreich, wo Betrugsfälle nach dem „Verlust der Karte“ immer noch eine große Rolle spielen, wie das US-Unternehmen Fico schreibt, das auf Datenanalyse spezialisiert ist. In Spanien liegt das Niveau der Kriminalität „ohne Karte“ noch niedrig, die Experten rechnen aber mit einem Anstieg. In Dänemark und Norwegen, wo wenig Bargeld eingesetzt wird, haben sich die Verluste durch CNP-Betrügereien in den vergangenen drei Jahren verdoppelt.

Typisch ist auch, dass es für den Kunden Ärger gibt, auch wenn wie im eingangs geschilderten Fall der eigentliche Betrug abgewehrt wurde oder gar nur die Vorsicht der Kreditkartenanbieter zu groß war. Dabei kann es zu unangenehmen Vorfällen kommen – wenn man beispielsweise an einer Tankstelle nicht bezahlen kann, weil die Kreditkarte vorsorglich, also ohne Betrugsversuch, gesperrt wurde.

Matthew Cox, der leitende Betrugsexperte von Fico, sieht hier einen Wandel im Verhalten der Banken. „Früher ist bei jedem Verdacht sofort die Karte gesperrt und eine neue verschickt worden“, sagt er. „Vor allem in den USA ist das zu teuer geworden, die Anbieter können nicht alle paar Monate eine neue Karte ausgeben.“

Auch um die Kunden möglichst wenig zu belästigen, versuchen Anbieter daher mehr und mehr, gezielt nur Zahlungen zu sperren, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Betrugsmanöver darstellen – ohne die Karte gleich aus dem Verkehr zu ziehen. Dabei helfen ihnen Spezialanbieter wie Fico, die systematisch die Daten auswerten und auf Unstimmigkeit abklopfen. Der Kunde soll möglichst wenig davon merken, welchen Risiken er mit seiner Karte ausgesetzt ist.

Wichtig ist nach der Erfahrung von Cox, dass die Banken bei der Betrugsabwehr zusammenarbeiten und gemeinsam auch ihre Kunden aufklären. Er nennt als Beispiel die Niederlande, wo eine derartige Initiative das Betrugsniveau um 35 Prozent gesenkt hat. Erfolge im Kampf gegen die Verbrecher haben auch England und Frankreich erzielt, aber dort liegen die Schäden immer noch weitaus höher als in Deutschland.

Auf Großbritannien entfielen 2017 allein 47 Prozent des Kartenbetrugsvolumens in Europa von knapp 1.600 Millionen Euro. Dabei sind die Wege, Kartenbesitzer übers Ohr zu hauen, vielfältig. Immerhin gibt es eine Fülle von Warnhinweisen, wie man sich schützen kann, etwa von der Polizei. Eine recht systematische Übersicht über die Risiken findet sich auf CheckyourCredit.com.au.

Risiko 1: Diebstahl vom Computer

Hier geht es um Programme, die Daten – auch von Kreditkarten – direkt aus dem Computer ablesen. Dagegen hilft nur Vorsicht. So sollten Computerprogramme zum Beispiel immer auf dem neuesten Stand und Sicherheitsprogramme installiert sein. Vorsicht gilt bei der Verbindung mit anderen Geräten und beim Öffnen von E-Mails mit unbekanntem Absender.

Gestohlen werden können Daten leider auch von Computern der Firmen, bei denen man sie hinterlegt, um zu bezahlen.

Risiko 2: Ausspähen

Das ist die primitivste Methode, aber sie hat viele Varianten. Geschäftsleute können die Daten der Karte kopieren. Wer sich beim Geldabheben am Automaten beobachten lässt, geht ebenfalls ein Risiko ein. Außerdem gibt es Fälle, wo Geräte, die Daten ablesen, an den Ausgabeautomaten montiert werden: Wenn dort etwas ungewöhnlich aussieht, ist Vorsicht angebracht.

Als verdächtig kann gelten, wenn Karten außer Sichtweite des Kunden mitgenommen werden, was freilich in Restaurants häufig passiert. Auch die Aufforderung, die Karte gleich an zwei Maschinen durchzuziehen, ist verdächtig.

Risiko 3: Überreden

Hierunter fallen viele Aktionen, die als Phishing bekannt sind und auch allgemein genutzt werden, um Bankdaten abzugreifen. Eine britische Website, die sich durch die Suchbegriffe „take five“ und „fraud“ finden lässt, bietet dazu einen Selbsttest an.

Dabei zeigt sich: Alarm ist nicht nur dann angesagt, wenn direkt Daten abgefragt werden oder die Aufforderung kommt, Geld, etwa zur angeblichen Absicherung vor Betrug, zu überweisen. Kriminelle sind auch am Werk, wenn sie Links verschicken, um sich etwa ins Bankkonto einzuloggen. Verdächtig kann auch sein, wenn Telefonnummern zum Anrufen verschickt werden.

Das sind gängige Methoden, um den Kunden zur Kontaktaufnahme mit seiner vermeintlichen Bank, in Wahrheit aber mit den Kriminellen selbst zu veranlassen.

Risiko 4: Identitätsdiebstahl

Aus verstreuten Angaben, etwa dem Geburtsdatum bei Facebook sowie Namen und Adressen, vielleicht sogar Daten, die im Papierabfall gefunden werden, lässt sich manchmal eine Identität zusammenbasteln, warnt Checkyourcredit. Damit ist es unter Umständen möglich, eine Kreditkarte zu bestellen oder die Adresse für die Zustellung zu ändern.

Zum Schluss geben die Experten noch einen simplen Rat: die Abrechnungen der Kreditkarten und Kontoauszüge selbst regelmäßig auf Unregelmäßigkeiten kontrollieren.

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