Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kreditkosten Dispozinsen verärgern Bankkunden – Die Politik will Abhilfe schaffen

Die Linken fordern eine Deckelung von Dispozinsen, SPD und Grüne sind einverstanden. Doch die Union zieht nicht mit. Sie setzt auf Vergleichsportale.
Kommentieren
Nicht wenige Banken verlangen Zinsen im zweistelligen Bereich für den Dispokredit. Quelle: Iconica/Getty Images
Hohe Zinsen

Nicht wenige Banken verlangen Zinsen im zweistelligen Bereich für den Dispokredit.

(Foto: Iconica/Getty Images)

FrankfurtDer Vizefraktionschef der Linken im Bundestag, Fabio De Masi, kam im Bundestag bei der Debatte über einen Antrag seiner Partei ohne Umschweife zur Sache: „Wenn man auf dem Konto ins Minus rutscht, dann drohen horrende Dispozinsen der Banken. Auf diese Dispoabzocke muss der Deckel drauf“, forderte er.

Durchschnittlich verlangen in Deutschland tätige Banken rund acht Prozent für den Dispokredit, also für die eingeräumte Überziehung eines Kontos. Nicht wenige Banken nehmen aber auch Zinsen im zweistelligen Bereich. Die Spanne liegt der Frankfurter FMH-Finanzberatung zufolge zwischen 4,2 Prozent und 12,3 Prozent im Jahr.

Und bei vielen Banken wird es noch einmal deutlich teurer, wenn das Dispolimit überschritten wird und die Banken dann von einer „geduldeten Kontoüberziehung“ sprechen.

Die Bundesbank beziffert das Volumen von Dispo- und Überziehungskrediten auf rund 31 Milliarden Euro. Der für diese Kredite relativ hohe Zins ist für den Linken-Politiker De Masi aus zweierlei Gründen nicht nachvollziehbar. Banken könnten sich derzeit nahezu kostenlos bei der Europäischen Zentralbank (EZB) refinanzieren.

Das gilt auch, so Stiftung Warentest, wenn Banken sich beispielsweise am Drei-Monats-Euribor orientieren, dem Zinssatz, zu dem sich europäische Banken mit sehr guter Kreditwürdigkeit untereinander Geld leihen. Zudem sei die Ausfallquote für Dispokredite in Höhe von einem Prozent sehr überschaubar.

Grafik

Da Appelle an die Kreditwirtschaft nicht helfen, das Zinsniveau zu drücken, plädiert die Linke für einen Deckel bei den Dispozinsen. Sowohl der Zinssatz für die Dispo- als auch für die Überziehungskredite sollte auf maximal fünf Prozentpunkte über dem Leitzinssatz der EZB begrenzt werden – der Deckel läge also heute bei höchstens fünf Prozent.

Außerdem sollte der Gesetzgeber dafür Sorge tragen, dass durch die Deckelung Gebühren und Entgelte nicht unangemessen angehoben werden. Das soll helfen, Ausweichreaktionen der Banken möglichst im Keim zu ersticken.

Die SPD müssen die Linken von ihrem Vorhaben nicht überzeugen. „Wir haben schon mehrfach einen Dispodeckel gefordert, konnten uns bei unserem Koalitionspartner aber nicht durchsetzen“, erklärt die SPD-Finanzexpertin Sarah Ryglewski. Auch die Grünen sprechen sich angesichts der beharrlich hohen Dispozinsen für eine gesetzliche Regelung aus, wie Finanzexpertin Tabea Rößner sagt.

Union will Vergleichsportal testen

Mit der CDU aber ist das Vorhaben nicht zu realisieren. Für den stellvertretenden Vorsitzenden des Rechtsausschusses, Heribert Hirte, ist ein Deckel eine „sozialistische Preisregel“. Zudem könne ein Preisdeckel auch dazu führen, dass Institute, die darunter liegen, dann ihre Zinsen nach oben anpassten. Das heißt aber nicht, dass die Union die aktuelle Entwicklung normal findet. „Zweistellige Dispozinsen stellen ein Ärgernis dar“, sagt der rechtspolitische Sprecher der CSU, Volker Ullrich.

Aber im Gegensatz zu Linken, SPD und Grünen setzt die Union statt auf eine Preisgrenze allein auf mehr Transparenz. Hirte verweist auf das im Oktober 2018 verabschiedete Zahlungskontengesetz, das Vergleichsseiten im Internet für die Kosten von Girokonten vorsieht.

Noch gibt es sie zwar nicht, Hirte wirbt daher um Geduld: „Wir haben marktmäßige Mechanismen geschaffen, die das Problem adressieren.“ Die Wirkung dieser Vergleiche sollte man erst einmal abwarten, bevor man in Aktionismus verfalle. Zudem könnten Verbraucher heute ihr Konto leichter wechseln als früher.

Das überzeugt die Linken nicht. Mehr Kostentransparenz allein könne Zinsexzesse nicht dauerhaft korrigieren, glaubt De Masi.

Die Argumentation der CDU spielt den Banken und Sparkassen in die Hände. Nicht nur aus ordnungspolitischen Gründen lehnt der Spitzenverband der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) eine gesetzliche Deckelung der Dispozinsen ab. Ein staatlich verordneter Preis berücksichtige weder die unterschiedlichen Angebote noch die jeweiligen Geschäftsmodelle der Geldhäuser, meint der Verband. Mit anderen Worten: Die DK fände es falsch, alle Anbieter über einen Kamm zu scheren.

Für den Verbraucher ist ein Dispokredit verlockend: Er muss keinen Kreditantrag ausfüllen und braucht keine Rechenschaft über seine aktuelle Finanzsituation abzulegen. Fast jeder zweite Bankkunde nutzt den Dispo. Zwei Drittel der Disponutzer sind nach Recherchen des Kreditvergleichsportals Smava länger als einen Monat im Minus, 17 Prozent sogar dauerhaft.

Für die Linken sind diese Fakten keineswegs trivial. Denn am ehesten nutzten wahrscheinlich Arbeitslose, Alleinerziehende, Rentner und Familien mit Kindern den Dispo als Finanzierungsquelle. Die Gefahr sei groß, dass sie bei hohen Dispo‧zinsen in die Verschuldungsspirale rutschen.

Politische Maßnahmen greifen nicht

Allerdings ist die Große Koalition in der vergangenen Legislaturperiode in Sachen Dispozins bereits tätig geworden. Auf einen Zinsdeckel konnte man sich nicht einigen, aber auf umfangreichere Pflichten der Banken.

Wenn ein Kunde die eingeräumte Überziehungsmöglichkeit über einen Zeitraum von sechs Monaten in Höhe eines Betrags in Anspruch genommen hat, der 75 Prozent des vereinbarten Höchstvolumens übersteigt, muss die Bank ihm eine Beratung anbieten. Gesetzlich sind die Banken auch verpflichtet, den Kunden über preisgünstigere Alternativen zum Dispokredit zu informieren.

„Erste Erfahrungen zeigen leider, dass wir hier nicht so richtig vorangekommen sind. Das funktioniert nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben“, räumt SPD-Politikerin Ryglewski ein. Da das Gesetz, mit dem die Neuerungen umgesetzt wurden, in diesem Jahr bewertet werden soll, sehen die Linken, die SPD und die Grünen die Chance, dass zum Thema Dispokredite weitere Beschlüsse folgen könnten.

Findige Finanztechnologieunternehmen sind auf das Problem der Dispokredite bereits aufmerksam geworden – wie etwa das Start-up Bonify. Verbraucher können sich bei Bonify registrieren und erhalten dann kostenlos Auskunft über ihre Bonität. „Aufgrund der Kontodaten, die uns der Kunde zur Verfügung stellt, können wir für vier bis sechs Wochen vorhersagen, ob die Gefahr besteht, dass der Verbraucher in den Dispo rutscht“, erläutert der Gründer, Gamal Moukabary.

In der entsprechenden App, die der Kunde herunterladen kann, taucht dann ein Dispo-Alarm auf. Der Verbraucher hat dann die Wahl – er kann sein Ausgabeverhalten ändern oder im Zweifelsfall günstigere Finanzierungen in Anspruch nehmen, wie Moukabary erklärt. Durchschnittlich liegen die Kosten für die Kredite, die das Start-up vermittelt, seiner ‧Einschätzung nach bonitätsabhängig vier bis fünf Prozentpunkte unter den Dispokredit-Zinsen der klassischen Anbieter.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

0 Kommentare zu "Kreditkosten: Dispozinsen verärgern Bankkunden – Die Politik will Abhilfe schaffen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.