Kreditmarktausblick KfW warnt vor einem Dämpfer im Kreditgeschäft

Noch boomt das Neugeschäft mit Krediten. Tatsächlich sind die besten Zeiten aber vorbei, warnt die KfW. Das trübt die Ertragsaussichten der Banken.
Kommentieren
Kreditmarktausblick: KfW warnt vor einem Dämpfer im Kreditgeschäft Quelle: dpa
Dunkle Wolken über Frankfurt

Kaum ist der Kreditmotor angesprungen, könnte er dieses Jahr schon wieder stocken.

(Foto: dpa)

FrankfurtFür das Kreditgeschäft der Banken waren die vergangenen zwei Jahre ein Segen: Nach langer Flaute fragten deutsche Unternehmen und Selbstständige wieder mehr klassische Kreditfinanzierungen nach. 2017 geriet das Brot-und-Butter-Geschäft der deutschen Banken dann richtig in Schwung. Nun jedoch droht Katerstimmung: Eine ungünstige Mischung aus schwächelndem Wachstum, der Gefahr eines transatlantischen Handelsstreits sowie politischer Unsicherheit könnte dem Boom einen Dämpfer verpassen.

Zu diesem Schluss kommt der Kreditmarktausblick der staatlichen Förderbank KfW für das erste Quartal, der dem Handelsblatt vorliegt. „Beim Kreditwachstum ist der Zenit erreicht“, sagt KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Er befürchtet, dass die konjunkturellen Warnsignale und die politischen Unwägbarkeiten früher oder später die Investitionsfreude der Unternehmen trüben. „Das wiederum dürfte die Kreditnachfrage dämpfen“, warnt der KfW-Chefvolkswirt.

Bislang ist davon noch wenig zu spüren, im Gegenteil: In den ersten drei Monaten des Jahres 2018 beschleunigte sich das Wachstum bei Neukrediten sogar noch einmal: Das Geschäft legte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,6 Prozent zu. Im vierten Quartal 2017 betrug das Wachstum revidiert noch 4,4 Prozent.

Das deckt sich auch mit Beobachtungen aus der Bankenbranche. „Wir haben am Markt für Mittelstandskredite im letzten Jahr ein sehr ordentliches Wachstum gesehen, dieser Trend hat sich in diesem Jahr auch fortgesetzt“, sagt etwa Christine Rademacher, Leiterin strukturierte Finanzierungen für den Mittelstand der Commerzbank. „Das erste Quartal entwickelte sich sogar noch stärker als im Vorjahr“, ergänzt die Managerin. „Aktuell beobachten wir eine unverändert große Nachfrage im Kreditbereich.“

Starkes Quartalswachstum

Bisher haben sich die Unternehmen und Selbstständigen von den gesenkten Konjunkturprognosen mehrerer Wirtschaftsinstitute also nicht einschüchtern lassen. „Die Kunden lassen sich bislang nicht von ihren Akquisitions- oder Investitionsentscheidungen abbringen – trotz Frühindikatoren für eine sich eintrübende Konjunktur“, beobachtet Commerzbank-Managerin Rademacher.

Ähnlich sieht das Andreas Martin, der im Vorstand des Bundesverbands der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) sitzt. Er geht auch für die nächsten Monate von einem „soliden“ Kreditgeschäft aus. „Aufgrund ihrer aktuell sehr hohen Auslastung werden die mittelständischen Unternehmen, selbst im Fall eines überschaubaren Rückgangs der Konjunktur, weiter investieren“, sagt er.

Auch die KfW erwartet nicht, dass die Kreditnachfrage der Unternehmen nun über Nacht einbricht. Das wirtschaftliche Umfeld bleibe gut. Aus Sicht von Zeuner wächst die deutsche Wirtschaft nach wie vor über ihrem Potenzial: „Das heißt: Selbst Erweiterungsinvestitionen erscheinen neben Ersatz- oder Rationalisierungsinvestitionen aktuell nach wie vor sinnvoll.“ Die Förderbank geht aber davon aus, dass die Wachstumsraten in nächster Zeit geringer ausfallen werden als bisher.

Eine Abschwächung am Kreditmarkt wäre vor allem für die Banken eine schlechte Nachricht, die vom Boom bei den Unternehmenskrediten zuletzt besonders profitiert haben. Die Sparkassen etwa sagten im Jahr 2017 Unternehmen und Selbstständigen Kredite im Umfang von 83,7 Milliarden Euro zu und steigerten ihren Kreditbestand um 5,2 Prozent. Die Genossenschaftsbanken wiesen der Bundesbank zufolge sogar ein Plus von sieben Prozent aus.

Auch im ersten Quartal wuchsen die Kreditbücher bei Sparkassen, Genossenschaftsbanken und kleinen privaten Banken kräftig. Die Genossenschaftsbanken hätten ihren Marktanteil dabei um 0,4 Prozentpunkte auf 19,6 Prozent ausgebaut, betont BVR-Vorstand Martin. Rückschläge durch eine trübere Konjunktur fürchtet er nicht – das Kreditwachstum der Genossenschaftsbanken sei nachhaltig. „Es hält auch unabhängig von konjunkturellen Schwankungen oder der allgemeinen Marktentwicklung über Jahre an“, betont er.

Das Wachstum der Neukreditvergabe hat den Banken bislang geholfen, die Folgen der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie des harten Wettbewerbs im Kreditgeschäft abzufedern. Die Genossenschaftsbanken etwa steigerten ihre Kreditvergabe an Unternehmen und Privatleute um 5,8 Prozent. Doch weil die Zinsspanne, mit denen die Banken Geld verdienen, hier zugleich um 0,11 Prozentpunkte auf 1,88 Prozent zurückging, sank auch der Zinsüberschuss um rund 1,6 Prozent auf 16,3 Milliarden Euro.

Selbst die sich allmählich anbahnende Wende der EZB-Geldpolitik dürfte daran so schnell nichts ändern. „Die Margen stehen weiter unter Druck“, räumt Commerzbank-Managerin Rademacher ein. Banken und alternative Anbieter wie Family Offices und andere Investoren böten ausreichend Finanzierungen an. „Ich rechne nicht damit, dass dieser Wettbewerbsdruck kurzfristig nachlässt“, sagt Rademacher.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Kreditmarktausblick - KfW warnt vor einem Dämpfer im Kreditgeschäft

0 Kommentare zu "Kreditmarktausblick: KfW warnt vor einem Dämpfer im Kreditgeschäft"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%