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Kreditrisiken Griechische Regierung berät Hilfsplan nach dem Absturz der Bankaktien

Die Aktienkurse griechischer Banken stürzten Anfang der Woche ab. Nun erholen sie sich wieder. Denn die Regierung will den Geldhäusern offenbar helfen.
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Griechenlands größtes Geldinstitut verlor allein am vergangenen Mittwoch in der Spitze fast 30 Prozent seines Börsenwerts. Quelle: Reuters
Filiale der Piraeus Bank

Griechenlands größtes Geldinstitut verlor allein am vergangenen Mittwoch in der Spitze fast 30 Prozent seines Börsenwerts.

(Foto: Reuters)

Athen Es sind Wechselbäder, die die Aktionäre der griechischen Banken diese Woche erleben. Nachdem der Athener Banken-Index FTSEB am Mittwoch ein Minus von fast neun Prozent verzeichnete, machten die Finanztitel am Donnerstag einen Großteil der Vortagsverluste wieder wett. Sorgen über die immensen Kreditrisiken der Hellas-Banken hatten die Kurse in der ersten Wochenhälfte abstürzen lassen.

Griechenlands größtes Geldinstitut, die Piraeus Bank, verlor allein am Mittwoch in der Spitze fast 30 Prozent seines Börsenwerts und schloss den Handelstag mit einer Einbuße von knapp 21 Prozent. Am Donnerstag ging es dann wieder um fast zwölf Prozent nach oben. Mit den Kursgewinnen reagierte die Börse auf Berichte, wonach die Regierung jetzt an einem Hilfsplan für die angeschlagenen Banken arbeitet.

Seit Wochen stehen die griechischen Bankaktien unter Druck. Hauptgrund sind die Kreditausfälle. Darlehen im Volumen von 88,6 Milliarden Euro werden nicht mehr bedient oder sind akut gefährdet. Diese notleidenden Forderungen (NPEs) entsprechen knapp 48 Prozent aller ausgereichten Kredite oder fast 50 Prozent des griechischen Bruttoinlandsprodukts.

Die National Bank of Greece verlor seit Ende August fast ein Drittel ihrer Börsenkapitalisierung, die Eurobank mehr als ein Fünftel. Am härtesten traf es die Piraeus Bank mit einem Kursverlust von 41 Prozent.

Nach Informationen aus Finanzkreisen berät die Regierung jetzt über einen „Interventionsplan“, um den Geldhäusern unter die Arme zu greifen. Ziel des Hilfskonzepts soll es sein, die Kreditrisiken der Banken zu mindern.

Das könnte geschehen, indem bestimmte faule Kredite in eine Art Bad Bank ausgelagert werden, um die Bankbilanzen zu entlasten. Diese notleidenden Kredite könnten dann verbrieft werden, so die Überlegungen, an denen nach Informationen von Insidern neben dem griechischen Bankenverband auch der griechische Banken-Stabilitätsfonds HFSF sowie europäische Institutionen beteiligt sein sollen.

Regierung hat die Pläne noch nicht offiziell bestätigt

Eine offizielle Bestätigung seitens der Regierung für diese Pläne gibt es bisher nicht. Das Konzept ähnelt dem Modell, das Italien 2016 mit der Europäischen Union zur Sanierung seines Bankensektors vereinbarte und erfolgreich umsetzte.

Bereits am Mittwoch hatte der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras eine Krisensitzung einberufen. An dem Treffen nahmen Vizepremier und Wirtschaftsminister Giannis Dragasakis, Finanzminister Euklid Tsakalotos und Staatsminister Alekos Flambouraris teil.

Die Kursverluste der Bankaktien spiegelten nicht die fundamentalen Daten der Banken wider, die gut kapitalisiert seien und gute Fortschritte beim Abbau der Problemkredite machten, hieß es in einer nach dem Treffen herausgegebenen Mitteilung des Büros des Ministerpräsidenten.

Die Flucht der Anleger aus den griechischen Bankaktien hat vor allem zwei Gründe: Der erste sind die Kreditrisiken. Hinzu kommen jetzt Sorgen über die Ertragskraft der Institute. Die Ende August veröffentlichten Quartalszahlen enttäuschten. Sie zeigen, dass die Banken im Kreditgeschäft immer weniger verdienen. Die Institute vergeben kaum mehr neue Darlehen. Das erschwert die Bereinigung der Kreditportfolios zusätzlich.

Auslöser des jüngsten Kurssturzes waren Berichte, wonach die Banken die Konsolidierung der Problemkredite aggressiver vorantreiben wollen. Die bisherigen Vereinbarungen mit der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bankenaufsicht SSM sehen vor, dass die Institute die NPEs bis Ende nächsten Jahres um 27 Prozent abbauen.

In Finanzkreisen heißt es, die Banken wollten jetzt der EZB vorschlagen, die Problemkredite bis Ende 2021 um rund 60 Prozent zu reduzieren. Das würde die Bilanzen der kommenden Jahre durch höhere Abschreibungen und Rückstellungen belasten. Die größte Befürchtung der Aktionäre ist, dass die Banken deswegen frisches Kapital benötigen könnten. Eine neuerliche Kapitalerhöhung würde die bestehenden Anteile entwerten.

Diese Sorge treibt vor allem die Aktionäre der Piraeus Bank um, deren Papiere deshalb jetzt unter besonders großem Verkaufsdruck stehen. Die Bank wurde im Verlauf der griechischen Schuldenkrise durch Übernahmen mehrerer kleinerer Institute und des Griechenland-Geschäfts der zyprischen Banken zum größten Geldinstitut des Landes.

Mit den Zukäufen handelte sich die Bank allerdings auch einen großen Berg fauler Kredite ein. Während nach Angaben der griechischen Zentralbank Ende Juni im Branchendurchschnitt die Problemkredite 47,6 Prozent der Darlehenssumme ausmachten, waren es bei der Piraeus Bank fast 55 Prozent.

Nach offiziell nicht bestätigten Informationen aus Finanzkreisen will das Institut der SSM vorschlagen, diese Quote bis Ende 2021 auf 21 Prozent zu drücken. Das wäre ein gewaltiger Kraftakt, vor allem angesichts der gegenwärtigen Ertragslage der Bank.

Das Institut bestand zwar den EZB-Stresstest im Frühjahr, schnitt von den vier systemischen griechischen Banken aber am schwächsten ab. Die Bank hat daher mit der SSM vereinbart, bis zum Ende dieses Jahres ihre Kapitalausstattung mit der Ausgabe eines Bonds über 500 Millionen Euro zu stärken. So würde eine Verwässerung der bestehenden Aktien vermieden.

Angesichts der gegenwärtigen Marktlage dürfte es aber nicht einfach sein, einen solchen Bond zu vertretbaren Zinsen zu platzieren. In einer Börsenmitteilung erklärte die Bank inzwischen, die Emission hänge „von den Marktbedingungen ab“.

Die Bank beobachte den Bondmarkt, um den richtigen Zeitpunkt für die Platzierung zu identifizieren. Für Informationen aus Finanzkreisen, wonach sich die Bank mit der SSM darauf verständigt hat, die Emission auf das kommende Jahr zu verschieben, gab es keine offizielle Bestätigung.

Regierung spricht von einem „spekulativen Angriff“ auf Banken

Der griechische Regierungssprecher Dimitris Tzanakopoulos sprach am Donnerstag von einem „spekulativen Angriff“ und kündigte Untersuchungen der Börsenaufsicht an. Vizepremier Dragasakis warnte in einem Interview vor „kriminellen politischen Spielereien mit den Banken“. Dabei trägt die Regierung Mitverantwortung für die prekäre Lage der Geldinstitute.

Nach seinem Amtsantritt Ende Januar 2015 fuhren Tsipras und sein exzentrischer Finanzminister Yanis Varoufakis zunächst einen Konfrontationskurs gegenüber den Geldgeberinstitutionen und brachten so das Finanzsystem an den Rand des Zusammenbruchs.

Aus Angst vor einem Grexit zogen die Griechen binnen sechs Monaten rund 40 Milliarden Euro von ihren Bankkonten ab, die Einlagen der Geschäftsbanken fielen von 160 auf 120 Milliarden Euro. Nur eine dreiwöchige Schließung der Banken und die Einführung von Kapitalkontrollen konnten die Kapitalflucht stoppen. Im November 2015 mussten die Banken mit 13,7 Milliarden Euro rekapitalisiert werden.

Diese Kapitalspritze ist inzwischen weitgehend verpufft. Der Athener Bankenindex fiel seit der letzten Rekapitalisierung um rund 60 Prozent. Seit Tsipras’ Amtsantritt haben die Bankaktien sogar rund 97 Prozent ihrer Börsenkapitalisierung verloren.

Auch wenn die Regierung jetzt „Spekulanten“ die Verantwortung gibt, sind die Börsenturbulenzen für Tsipras politisch alarmierend. Der Vertrauensverlust der Banken verschreckt ausländische Investoren, die das Land dringend braucht, wenn die Wirtschaft nachhaltig wachsen soll. Auch die Bonität des Staates als Schuldner leidet unter der Entwicklung.

Das Rettungsprogramm für Griechenland ist zwar am 20. August ausgelaufen. Damit sind die Hilfskredite versiegt. Einen Marktzugang zu vertretbaren Konditionen hat das Land aber bisher nicht zurückgewonnen. Und die Volatilität der Finanztitel lässt ihn noch weiter in die Ferne rücken.

Während sich die Bankaktien am Donnerstag erholten, setzte der Kurs der zehnjährigen griechischen Staatsanleihe seine Talfahrt fort. Die Rendite des Papiers stieg binnen einer Woche von 4,04 auf 4,56 Prozent. Angesichts dieser hohen Risikozuschläge hat die staatliche Schuldenagentur PDMA ihre Pläne für die Emission eines Zehnjahresbonds erst einmal ad acta gelegt.

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