Kreditversicherer Allianz steht kurz vor der Euler Hermes-Übernahme

Die Allianz hält nun 95 Prozent an Euler Hermes. Die Komplettübernahme des Kreditversicherers durch die Münchenern steht kurz bevor.
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Allianz steht kurz vor der Übernahme von Euler Hermes Quelle: picture alliance / Alexander Hei
Oliver Bäte

Der Vorstandschef der Allianz hat sich zum Ziel gesetzt, den Kreditversicherer Euler Hermes zu übernehmen. Das steht nun kurz bevor.

(Foto: picture alliance / Alexander Hei)

MünchenBei der Präsentation der Bilanz am vergangenen Freitag zeigte sich Oliver Bäte noch für seine Verhältnisse außergewöhnlich schmallippig. „Mit der Entwicklung bei Euler Hermes sind wir zufrieden“, sagte der Allianz-Chef nur.

Der Kreditversicherer Euler Hermes sichert seit über 100 Jahren Unternehmen ab, um sie gegen Zahlungsausfälle ihrer Abnehmer vor allem im Export zu schützen. Insbesondere die „Hermesbürgschaften“ haben es zu breiter Bekanntheit gebracht. Der Kreditversicherer und die Allianz arbeiten seit vielen Jahren zusammen.

Zwei Tage vor der Bilanzvorstellung hatte die Allianz bekanntgeben müssen, dass sie fortan 92,43 Prozent der Anteile an Euler Hermes hält. Zu wenig also, um die ursprünglichen Pläne komplett umzusetzen. Die sahen vor, bis zum Ablauf der Frist am Faschingsdienstag 95 Prozent der Aktien zu halten.

Eine Woche später meldete die Allianz nun Vollzug. Vor dem Börsenstart am Freitag hieß es, dass es den Münchenern in dieser Woche gelungen sei, weitere 612.753 Aktie von Euler Hermes zu erwerben. Kostenpunkt: 122 Euro je Aktie. Der Anteil der ausstehenden Aktien liegt jetzt bei nur noch 4,69 Prozent, den Rest hält Euler Hermes selbst.

In einem weiteren Schritt soll nun wie geplant das sogenannte Squeeze Out-Verfahren eingeleitet werden. Dabei werden die restlichen Aktien der Minderheitsaktionäre auf den Hauptaktionär, also die Allianz, übertragen. Die Münchener wollen dafür ebenfalls 122 Euro je Aktie zahlen. Eine Beteiligung von mindestens 95 Prozent ist die Voraussetzung, um ein derartiges Verfahren durchzuführen. Anschließend wird Euler Hermes wie geplant von der Pariser Börse genommen.

Der Kauf von Euler Hermes erlaube es der Allianz, Geld in einen strategisch wichtigen Geschäftsbereich mit solider Entwicklung zu stecken und so seine Position dort zu stärken, hieß es zuletzt immer wieder. Bis dato hat der Deal die Münchener rund 1,5 Milliarden Euro gekostet.

Die in Paris ansässige Euler Hermes steht nach eigenen Angaben für rund ein Drittel des weltweiten Markts für Warenkreditversicherungen, der den internationalen Handel absichert. Damit ist es mit einem Umsatz von rund 2,6 Milliarden Euro im Jahr 2016 das größte Kreditversicherungsunternehmen der Welt.

Für Konzernchef Bäte ist der Zukauf der bislang größte in seiner Zeit als Vorstandschef der Allianz. Seit 2015 sitzt er dort auf dem Chefsessel. Immer wieder hatte er Übernahmen angekündigt, war dann aber vor den hohen Preisen, die am Markt im Moment verlangt werden, zurückgeschreckt. Von Investorenseite hat er dafür weitgehend Zustimmung erhalten.

Die Allianz zeigte sich zum Börsenstart am Freitag unberührt von der Nachricht. Die Aktie legte leicht um 0,1 Prozent auf 192,68 Euro zu. Papiere von Euler Hermes stiegen um ein halbes Prozent auf 121,70 Euro und damit knapp unter den Angebotspreis von 122 Euro.

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