Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Skyline von Süd-Manhattan

Schwächen im Handelsgeschäft verzeichnen auch US-Institute und andere Konkurrenten der Deutschen Bank.

(Foto: dpa)

Krise im globalen Investmentbanking Die Deutsche Bank ist nicht allein

Auch andere Banken an der Wall Street und in Europa leiden unter einer Schwäche im einst so lukrativen Wertpapierhandel. Einige haben jedoch schneller reagiert.
Kommentieren

New York Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank tagt am heutigen Sonntag und plant unter anderem, sich von großen Teilen des unprofitablen Handelsgeschäftes in New York und London zu trennen. Die einstige Vision von der global agierenden, mächtigen Investmentbank gibt das Institut auf.

Für die schmerzhafte Umstrukturierung der größten deutschen Bank gibt es viele Gründe. Doch die strukturellen Probleme in der Investmentbank – eine Folge strengerer Regulierungsvorschriften nach der Finanzkrise – teilt sie mit vielen anderen Instituten. Die Handelsumsätze bei den zwölf größten globalen Investmentbanken sind in fünf der vergangenen sechs Jahre gesunken, wie aus Daten des Analysehauses Coalition hervor geht.

Mehr zum Thema:

Alle drei Monate wiederholen sich daher die Schlagzeilen in der Branche: „Anhaltende Schwäche im Investmentbanking“, „Handelsgeschäft bleibt weiter schwach“, „Investmentbanking drückt auf Ergebnisse“. Einst war das Marktsegment, zu dem neben dem Handel mit Aktien und Anleihen auch das Beratungsgeschäft bei Fusionen und Übernahmen sowie der Ausgabe von Wertpapieren zählt, die Cashcow vieler Finanzhäuser. Allen Teilbereichen voran, brachte das Handelsgeschäft hohe Erträge. Doch die Institute an der New Yorker Wall Street wie in Europa können auch zehn Jahre nach der Finanzkrise das Kapitalmarktgeschäft nicht zu alter Stärke zurückführen.

Erlöse dürften branchenweit um zehn Prozent sinken

Die Ratingagentur Standard and Poor’s geht davon aus, dass die Erlöse aus dem Kapitalmarktgeschäft in diesem Jahr um zehn Prozent zurück gehen werden. Und nach einem schwachen Jahresstart haben einige Wall-Street-Häuser die Erwartungen auch für das zweite Quartal bereits heruntergeschraubt. Citigroup, Morgan Stanley und Bank of America rechnen alle mit schwächeren Handelsumsätzen, wie Vorstände in den vergangenen Wochen signalisierten.

Citigroups Finanzchef Mark geht davon aus, dass die Umsätze aus dem Handel mit Aktien und mit Anleihen „im mittleren einstelligen Prozentbereich“, im Vergleich zum Vorjahr gesunken sind, sagte er im Juni auf einer Konferenz. Die Gebühren aus dem Investmentbanking würden um rund 15 Prozent sinken, auch, weil das zweite Quartal im vergangenen Jahr besonders stark gewesen sei. Dennoch glaubt Mason, dass Citi hier stärkere Zahlen liefern wird als mancher Konkurrent, weil die Bank Marktanteile dazugewinnen konnte. Brian Moynihan, Chef der Bank of America, hatte signalisiert, dass die Handelsumsätze um rund zehn Prozent schwächer ausfallen könnten als vor einem Jahr.

Eine Reihe von Unsicherheiten wie der andauernde Handelsstreit zwischen den USA und China, der Brexit, geopolitische Spannungen und Diskussionen um eine mögliche Zinssenkung in den USA haben Investoren im zweiten Quartal weiter zur Vorsicht angehalten. Der Handelsstreit hat laut S&P direkte Auswirkungen auf Branchen wie Chemie, Landwirtschaft, Transport und Maschinenhersteller. „Das wird sich auch negativ auf geplante Fusionen und Übernahmen in diesen Bereichen auswirken“, mahnte die Ratingagentur.

Bei europäischen Banken könnten die Handelsumsätze bis 2024 langsam wieder steigen, von derzeit 13 auf 14 Milliarden Dollar im Jahr, glaubt das Analysehaus Trefis. Doch damit lägen sie immer noch rund 40 Prozent unter dem Niveau von 2007.

Banken stärken Vermögensverwaltung und Privatkundengeschäft

Die Finanzinstitute sind dabei, ihre Geschäftsmodelle auf weniger komplexe und weniger kapitalintensive Aktivitäten auszurichten, vor allem auf das Privatkundengeschäft und die Vermögensverwaltung. Das ist auch die Strategie der Deutschen Bank, bis zu 20.000 Stellen könnten bei der Restrukturierung wegfallen und damit fast jede fünfte Stelle.

Das sei hart, aber dringend nötig, betont etwa Kian Abouhossein, Analyst von JP Morgan Chase, in seiner jüngsten Analyse. So zählt die Investmentbanking-Sparte der Deutschen Bank derzeit gut 38.000 Mitarbeiter, so viele wie auch bei Goldman Sachs arbeiten. Doch Amerikas renommiertes Wall-Street-Haus mache eineinhalb Mal so viel Umsatz wie die Frankfurter. Auch der Chef-Aufseher der französischen Bank Société Générale musste einräumen, dass sich das Institut nach einer langen Flaute im Investmentbanking nicht schnell genug von Wertpapierhändlern getrennt habe. Die Bank kündete im April an, 1600 Stellen zu streichen. Die Aktie hat in den vergangenen Monaten noch schlechter abgeschnitten als die der Deutschen Bank.

Goldman Sachs dagegen hat längt mit einem tiefgreifenden Umbau begonnen. Die traditionsreiche Investmentbank stieg bereits 2016 mit der Online-Tochter Marcus ins Privatkundengeschäft ein. Zudem will Goldman seinen Unternehmenskunden künftig Cash-Management anbieten. Die entsprechende Infrastruktur wird dafür gerade aufgebaut.

Der Stellenabbau im Kapitalmarktgeschäft wird Branchenkennern zufolge bei vielen Banken noch eine ganze Weile andauern, auch weil die Institute zunehmend auf neue Technologien wie Künstliche Intelligenz und Datenanalysen setzen, die Arbeitsplätze überflüssig machen und das Anforderungsprofil derer, die noch gebraucht werden, verändern. Zwischen 2020 und 2030 würden die Mitarbeiterzahlen jährlich um 2,4 Prozent abnehmen, glaubt Axel Pierron vom Analysehaus Opimas. Insgesamt würden in diesem Zeitraum mehr als 400.000 Stellen wegfallen.

Mehr: Investmentbanking-Chef Garth Richie verlässt die Deutsche Bank – der Auftakt zum umfassenden Konzernumbau.

Finance Briefing
Startseite

Mehr zu: Krise im globalen Investmentbanking - Die Deutsche Bank ist nicht allein

0 Kommentare zu "Krise im globalen Investmentbanking: Die Deutsche Bank ist nicht allein"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote