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Kritik an Aufsichtsrat und Vorstand Aktionärsberater ISS rät Investoren erstmals von Entlastung des Deutsche-Bank-Vorstands ab

Die Wut über geringe Fortschritte bei der Deutschen Bank ist groß: Der mächtige Stimmrechtsberater ISS spricht sich erstmals gegen die Entlastung der Führungsriege aus.
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Deutscher Bank droht symbolische Ohrfeige der Aktionäre Quelle: Reuters
Paul Achleitner and Christian Sewing (r.)

Vorstand und Kontrollgremium sollten nun Verantwortung für die Lage der Bank übernehmen, so ISS.

(Foto: Reuters)

New YorkDer Spitze der Deutschen Bank droht ein peinliches Abstimmungsergebnis: Der mächtige Aktionärsberater Institutional Shareholder Services (ISS) rät Investoren davon ab, den Vorstand und den Aufsichtsrat der Deutschen Bank zu entlasten. Das ist ein Novum: In den vergangenen Jahren hatte ISS die Führungsmannschaft der Deutschen Bank zwar immer wieder teils scharf kritisiert, ging aber noch nie so weit, ein Votum gegen eine Entlastung abzugeben.

Für die Spitze der Deutschen Bank steht die Hauptversammlung am 23. Mai damit unter einem denkbar ungünstigen Stern: Viele Großinvestoren wie Publikumsfonds, Versicherer oder Pensionsfonds folgen bei ihren Abstimmungen dem Rat von Stimmrechtsberatern wie ISS oder dem kleineren Konkurrenten Glass Lewis. Und Glass Lewis hatte sich vor wenigen Tagen bereits gegen ein Vertrauensvotum für Vorstand und Aufsichtsrat ausgesprochen.

Die deutsche Aktionärsberatung Ivox, die zu Glass Lewis gehört, aber eigene Urteile abgibt, rät ihren Kunden, die Entlastung zumindest „kritisch zu hinterfragen“. Damit droht dem Vorstand und dem Aufsichtsrat der Bank ein schlechtes Ergebnis bei der Abstimmung über ihre Entlastung.

Lange Zeit habe ISS die Aktionäre auf die vielen Probleme der Bank hingewiesen, „doch wir sind bislang nie so weit gegangen, zu empfehlen, den Vorstand und den Aufsichtsrat nicht zu entlasten“, teilt ISS mit. Schließlich habe es keine strafrechtlichen Klagen gegen die Führung gegeben, und die Bank habe „stets hervorgehoben, dass sie an einer Überfülle von Veränderungen arbeitet“.

„Ab einem bestimmten Zeitpunkt sollten Aktionäre ihren Bedenken aber Gehör verschaffen“, meint ISS. Vor allem mehrere Vorfälle im Bereich der Geldwäsche stören die Stimmrechtsberater, etwa die Geldwäsche-Razzia der Bank im vergangenen November oder die Installation eines Geldwäsche-Sonderaufpassers der Bafin im vergangenen Herbst.

Die Begründung für die Entscheidung der ISS-Analysten liest sich so, als sei ihnen nach all den Problemjahren der Deutschen Bank der Geduldsfaden gerissen: „Auch wenn die Deutsche Bank wieder einmal behauptet, dass ihre Geldwäsche- und Know-Your-Customer-Kontrollen besser werden, auch wenn die Deutsche Bank wieder einmal behauptet, dass sich ihre finanzielle Situation langsam verbessern wird und auch wenn die Deutsche Bank wieder einmal äußere Kräfte und das Umfeld, in dem sie arbeitet, für ihre Erfolglosigkeit als Grund anführt, glauben wir, dass es Zeit für die Aktionäre ist, die Gremien für die vielen Jahre substanzieller Geld- und Rufschäden zur Verantwortung zu ziehen, die unter anderem ein Ergebnis der erfolglosen Umsetzung von Anti-Geldwäsche-Richtlinien und -strategien ist“, schreibt ISS.

Zwar habe die Bank versichert, sie würde ihre internen Compliance-Programme ständig verbessern. „Doch Fakt ist, dass der Appetit für Risiko und der Mangel an persönlicher Verantwortung bei der Bank immer wieder zu hohen Strafen, immer neuen Untersuchungen und zu Misstrauen der Aktionäre gegenüber der Führung des Instituts geführt hat“, kritisiert ISS.

Die Entlastung der Führungsmannschaft auf der Hauptversammlung hat zwar nur eine symbolische Bedeutung und keine rechtlichen Konsequenzen. Doch die Abstimmung gilt als Gradmesser für das Vertrauen der Aktionäre in die Führung einer Aktiengesellschaft.

Die diesjährige Hauptversammlungssaison war bereits für einige Überraschungen gut: Bayer-Chef Werner Baumann kassierte wegen der hohen Risiken aus der Monsanto-Übernahme eine Abstimmungsniederlage, die UBS-Führung wurde wegen juristischer Risiken abgestraft. In beiden Fällen hatten sich ISS und Glass Lewis gegen eine Entlastung gestellt.

Angesichts des großen Einflusses von Großaktionären der Deutschen Bank auf der Hauptversammlung ist es allerdings eher unwahrscheinlich, dass dem Vorstand um Christian Sewing und dem Aufsichtsrat um Paul Achleitner das gleiche Schicksal blüht. Anteilseigner wie die Herrscherfamilie aus Katar, die Finanzinvestoren Cerberus und Hudson Advisers, der Vermögensverwalter Blackrock sowie der chinesische Mischkonzern HNA kontrollieren mehr als 20 Prozent des Kapitals. Solange sie sich hinter Vorstand und Aufsichtsrat stellen wird es – je nachdem, wie gut die Hauptversammlung besucht sein wird –schwer bis unmöglich, eine Mehrheit gegen diesen Block zu organisieren.

Doch auch ein schlechtes Stimmergebnis schwächt die Führungsriege eines Unternehmens. Das ist vor allem für Vorstandschef Christian Sewing, der im April vergangenen Jahres auf den Chefsessel kam, eine schwere Hypothek.

Das ist dem Stimmrechtsberater ISS auch durchaus bewusst. Er betont sogar, dass sich sein Votum nicht auf Verfehlungen bezieht, die spezifisch im vergangenen Jahr stattgefunden haben, sondern dass es insgesamt an ausreichenden Fortschritten mangelt. Die Stimmempfehlung sei nicht als Hinweis zu verstehen, rechtliche Schritte gegen die Bank einzuleiten, heißt es in dem Bericht.

Die Deutsche Bank wehrt sich gegen die Einschätzungen von ISS. Das Urteil von ISS, es gebe im Bereich der Geldwäsche, der Kundenkontrollen und der Compliance, also bei der Befolgung von Vorschriften und Regeln, „schwere Defizite“, bezeichnete das Institut als „unbegründet“ und „subjektiv“.

Das geht aus einer Stellungnahme der Bank hervor, die in dem ISS-Bericht zitiert wird. Die Bank betonte, die meisten Vorfälle, die ISS zum Anlass für sein vernichtendes Urteil genommen habe – etwa die Geldwäscherazzia der Bank im vergangenen November – würden sich auf Vorfälle beziehen, die vor dem Jahr 2018 stattgefunden hätten. Es seien im Jahr 2018 keine großen neuen Rechtsfälle aufgetaucht.

Die Bank räumt zwar ein, dass die Aktienkursentwicklung – die aus Sicht von ISS so schlecht ist, dass sie die Bank mittlerweile zu einem Übernahmekandidaten gemacht hat – „nicht befriedigend“ gewesen sie. Dennoch beurteilt die Bank die ISS-Einschätzung, der Aktienkurs sei „prekär“, als „unbegründet“.

Außerdem konzentriere sich ISS vollständig auf Themen wie Rechtsrisiken und regulatorische Themen, ohne strategische Fortschritte, die die Bank gemacht habe, zu würdigen. Einige der Schlüsse der Stimmrechtsberater seien „sehr plakativ“ und würden sich auf Themen aus der Zeit vor 2016 beziehen – vor Antritt der aktuellen Führungsriege also.

Die Stimmrechtsberater scheinen diese Argumente nicht zu beeindrucken. Sie machen nur eine Einschränkung: „Einige Aktionäre könnten den Wunsch empfinden, für eine Entlastung zu stimmen, weil ein neuer Vorstandschef im Verlauf des beurteilten Jahres ins Amt kam und weil das Unternehmen danach strebt, seine internen Risikokontrollen in einer ganzen Reihe von Gebieten zu verbessern“, heißt es in dem Bericht. ISS selbst bringt diese Geduld nicht mehr auf.

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1 Kommentar zu "Kritik an Aufsichtsrat und Vorstand: Aktionärsberater ISS rät Investoren erstmals von Entlastung des Deutsche-Bank-Vorstands ab"

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  • Die Deutsche Bank ist zum Selbstbedienungsladen des Managements verkommen. Hohe Bezüge der "Deutschbanker" werden mit den Bezügen von "Bankern" in den USA gerechtfertigt, wobei unterschlagen wird, dass diese auch einen Mehrwert für die Aktionäre liefern! Das Deutsche Aktionärsrecht braucht dringend Veränderungen, um solches Missmanagement zu unterbinden! Den Aktionären (EIGENTÜMER!!!) muß mehr Macht über den Vorstand gegeben werden. Die Vorstände schütteln sich bei Fehlern einfach und kassieren lachend munter weiter! Das mag in der Politik funktionieren, aber nicht in der freien Wirtschaft!

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