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Kritik von Verbraucherschützern Banken langen beim Dispozins weiter zu

Trotz Leitzinsen von null Prozent sind die Dispozinsen bei vielen Kreditinstituten nach wie vor hoch. Was noch als fair gilt und wie Kunden reagieren können.
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Am höchsten sind die Dispo-Zinsen bei einigen Volks- und Raiffeisenbanken, die teilweise zwölf Prozent und mehr festsetzen. Quelle: dpa
Kontoauszug

Am höchsten sind die Dispo-Zinsen bei einigen Volks- und Raiffeisenbanken, die teilweise zwölf Prozent und mehr festsetzen.

(Foto: dpa)

FrankfurtBei acht Prozent sollte Schluss sein. Höhere Dispozinsen sind aus Sicht des Verbrauchermagazins „Finanztest“ derzeit einfach nicht akzeptabel. Doch viele Kreditinstitute berechnen dennoch weiterhin mehr – teils viel mehr. Im Schnitt zahlen Kunden, wenn sie ihr Konto überziehen, 9,72 Prozent Zinsen pro Jahr, hat „Finanztest“ gerade ermittelt und dafür 1306 Banken und Sparkassen untersucht.

Die Marke von acht Prozent ergibt sich, weil der Dispozins sich normalweise am geltenden Leitzins orientieren sollte. Der Abstand des Dispozinses zum Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) lag vor der Finanzkrise, die 2008 ausbrach, bei rund acht Prozentpunkten. Legt man diesen Maßstab heute an, darf der Dispozins maximal acht Prozent betragen – denn der EZB-Zins liegt seit Jahren bei null Prozent.

Für viele Kunden ist das ein Ärgernis. Denn auf das Ersparte gibt es bei vielen Banken schon längst keine Zinsen mehr. Auch Kredite sind so günstig wie selten. Aber ausgerechnet beim Dispo, den viele Kunden gern zur Überbrückung kleiner finanzieller Engpässe nutzen, langen die Banken weiter zu – was auch Verbraucherschützer kritisieren.

So nutzen fast 16 Prozent der deutschen Bankkunden den Dispo einmal im Monat oder sogar permanent. Weitere rund 23 Prozent nehmen ihn immerhin wenige Mal im Jahr in Anspruch, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts im Auftrag der Direktbank ING-Diba ergab. Seit einigen Jahren liegt die Summe der Dispokredite und anderer Überziehungskredite bei rund 30 Milliarden Euro, zeigen Zahlen der Bundesbank.

Das reizt einige Banken offensichtlich zu hohen Aufschlägen. Am höchsten sind die Dispozinsen bei einigen Volks- und Raiffeisenbanken, von denen etliche zwölf Prozent und mehr festgesetzt haben. Spitzenreiter in der „Finanztest“-Statistik ist die Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost mit Sitz in Bad Reichenhall, die in zwei Kontomodellen 13,75 Prozent veranschlagt.

„Wir wollen keine Fehlanreize setzen“, begründet Bankchef Josef Frauenlob den hohen Dispozins. „Kunden sollten langfristige Anschaffungen nicht mithilfe des Dispokredits finanzieren, sondern besser durch einen Ratenkredit.“

Als Argument wird oft auch genannt: Der Dispozins sei ein unbesicherter Kredit, bei dem es auch keine Rückzahlungsverpflichtung wie bei einem klassischen Darlehen gebe. Für das höhere Risiko verlange die Bank einen höheren Zins.

Doch es geht auch ganz anders: Die Nachhaltigkeitsbank GLS zum Beispiel berechnet bei ihrem Girokonto bis zu einer Summe von 10.000 Euro gar keinen Dispozins. Auch die Deutsche Skatbank, die zur VR-Bank Altenburger Land gehört, bietet ein Konto mit einem Dispozins von null.

Bei der Direktbank ING-Diba liegt der Satz mit 6,99 Prozent immerhin unter dem Durchschnitt. Beim Wettbewerber DKB beträgt er je nach Konto 6,9 oder 7,5 Prozent. Bei der Deutschen Bank sind es „in Abhängigkeit von Dauer und Umfang der Kundenverbindung“ 7,9 bis 10,9 Prozent, bei der Commerzbank je nach Kontomodell 7,75 bis 9,75 Prozent. Die größte Sparkasse, die Berliner Sparkasse, berechnet 10,5 Prozent und die Berliner Volksbank 6,97 bis 9,97 Prozent. Auffällig beim Vergleich: Etliche Geldhäuser veranschlagen bei teureren Kontomodellen einen niedrigeren Dispozins.

Mehrere Vorschriften für die Geldhäuser

Ein Wirrwarr, der auch schon die Politik beschäftigte. Vor vier Jahren war eine gesetzliche Deckelung in der Diskussion – doch dazu kam es nicht. Wohl aber müssen die Kreditinstitute seit 2016 Kunden bei dauerhaften Kontoüberziehungen eine Alternative anbieten.

Zudem besteht die Pflicht, die Höhe des Dispozinses auszuweisen, auch auf den jeweiligen Internetseiten. Ebenfalls vorgeschrieben ist, dass Geldhäuser eine Anpassung des Dispozinses in nachvollziehbarer Weise erklären müssen.

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Ab kommendem Jahr soll es für Kunden noch transparenter werden. Dann sind Kreditinstitute verpflichtet, einmal jährlich eine Auflistung der Girokonto-Kosten zur Verfügung zu stellen, wie eine EU-Richtlinie vorschreibt. Das gilt unter anderem für die Kosten für Kontoführung, Überweisungen, Daueraufträge, die Ausgabe einer Giro- und Kreditkarte sowie Dispozinsen.

„Die Jahresaufstellung der Gebühren kann für die Kunden sehr interessant sein und verdeutlicht, was ein Konto wirklich gekostet hat“, sagt Frank Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. „Aber ob sich deshalb an der Höhe der Dispozinsen etwas ändert, ist fraglich.“ Beim Dispozins fehle die Marktwirkung, so Pauli. „Kunden wählen ein Konto nicht nach der Höhe der Dispozinsen, weil man erst einmal nicht davon ausgeht, den Dispo überhaupt zu nutzen.“

Doch das ist häufig ein Fehler. In den meisten Fällen wird es richtig teuer, wenn das Konto in die Miesen rutscht. Deshalb sollte man bei der Wahl eines Kontos nicht nur auf die monatliche Gebühr achten, sondern auch auf andere Konditionen wie eben die Höhe der Dispozinsen – selbst, wenn man fest beabsichtigt, den Disporahmen erst gar nicht anzutasten.

Wer für längere Zeit im Dispo feststeckt, sollte besser umschulden und einen Ratenkredit aufnehmen. Die Zinsen sind in der Regel sehr viel niedriger als die Dispozinsen. Der Ratenkredit lässt sich dabei unabhängig von der Bank wählen, bei der man das Girokonto hat – und viele Geldhäuser haben Ratenkredite im Angebot.

Rahmenkredit als Alternative für Verbraucher

Josefine Lietzau vom Online-Verbrauchermagazin „Finanztip“, weist noch auf eine andere Alternative hin: Rahmenkredite. Die Zinsen sind dabei ebenfalls niedriger als beim Dispo. „Der Rahmenkredit passt immer dann, wenn Sie kurzfristig Geld brauchen und es sich leihen müssen, dabei aber auch sicher sind, dass Sie Ihre Schulden in naher Zukunft ganz oder zu größeren Teilen wieder tilgen können“, erklärt sie. Solange man den Kredit nicht abrufe, würden auch keine Zinsen anfallen. Ratenkredite seien dagegen mitunter zu unflexibel oder aber die Mindestdarlehenssummen zu hoch.

Dringend reagieren sollten Verbraucher, wenn sie den eigentlich vereinbarten Disporahmen noch überziehen. Bei Überziehungen über das vereinbarte Limit hinaus fallen bei etlichen Geldhäusern nämlich noch einmal höhere Zinsen an, die mitunter den Dispozins noch um drei bis fünf Prozentpunkte toppen.

Immerhin: Viele Sparkassen und einige andere Banken haben den Überziehungszins auf Höhe des Dispos gesenkt. Das Verbraucherportal Biallo ermittelte vor einem Jahr, dass zwei Drittel der knapp 400 Sparkassen keinen Unterschied mehr zwischen Dispozins und Überziehungszins machen. Einer neuen Biallo-Erhebung zufolge berechnen etliche Geldhäuser mit relativ niedrigen Dispozinsen auch Überziehungszinsen in derselben Höhe. Es lohnt sich also zu vergleichen.

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