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Blockchain

Experten bezeichnen die Blockchain als das neue Internet für den Finanzbereich. Die Anwendungsmöglichkeiten der Technologie sind nahezu grenzenlos.

(Foto: Reuters)

Krypto-Investments Der erste Blockchain-Aktienfonds ist da

Immer mehr Anbieter erschließen das riskante Krypto-Reich. Jetzt können Anleger auch in Deutschland per Sparplan in die Zukunftstechnik investieren.
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DüsseldorfMit Zukunftstechnologien ist das so eine Sache: Wer frühzeitig investiert, kann viel Geld gewinnen – oder auf das falsche Pferd setzen und mit leeren Taschen dastehen. Karsten Müller kennt sich mit beiden Szenarien aus. In den 1990er-Jahren hat der Hamburger für die Hypo-Vereinsbank einen der ersten Internetfonds aufgelegt, Nordinternet.

80 Millionen Euro ist dieser noch schwer, vom Einbruch der Dotcomblase hat er sich nicht mehr erholt. Jetzt managt Müller einen neuen Aktienfonds, der wieder auf eine Zukunftstechnik setzt, diesmal auf die Blockchain.

Ob in der Finanzbranche, Logistik oder Energiewirtschaft: Die Datenbanktechnik ist in aller Munde. Zwar löst Blockchain nicht jedes Problem, aber die Datenbankverwaltung durch viele Akteure könnte sie deutlich vereinfachen, da sie keinen zentralen Buchhalter mehr benötigt.

Anleger, die an die Blockchain-Zukunft glauben, hatten es bisher nicht leicht, in sie zu investieren. Viele kauften Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum und Ripple, die als erste über die neue Technik verfügten. Das ist jedoch so ähnlich, wie in Rohöl zu investieren, obwohl man sich eigentlich für die Ölraffinerien interessiert. Fonds wie der von Müller, die gezielt Aktien von Blockchain-Unternehmen kaufen, könnten das nun ändern.

Aufgelegt wird sein „Chainberry Equity“-Fonds von Hansainvest, dem Kapitalverwalter der Signal-Iduna-Versicherung. Die Anlagestrategie bestimmt Müllers Team in Hamburg. Unter den vier Fondsmanagern ist eine Patentexpertin, ein Krypto- und ein Fundamentanalyst, alle stammen aus dem Bankenbereich. „Wir investieren in Aktien erfolgversprechender Unternehmen aus dem Blockchain-Bereich, aktuell zu 90 Prozent in US-Unternehmen“, erklärt Müller. Vertreten seien Technologiekonzerne wie Pionierfirmen.

Im Zielportfolio sollen 70 Unternehmen liegen, aktuell ist man an 32 beteiligt. Anleger sollen den Fonds bei allen großen Depotbanken kaufen können, im Sparplan schon ab 50 Euro im Monat. Die Kosten liegen mit 1,8 Prozent pro Jahr recht hoch. Dafür soll die Rendite fünf bis zehn Prozent über der des allgemeinen Technologiemarkts liegen.

Das ist ein äußerst ambitioniertes Ziel. Karsten Müller glaubt dennoch an den Erfolg: „Die Blockchain wird die Welt verändern wie das Internet.“ Sie werde nicht nur Mittelsmänner ausschalten, sondern sogenannte Smart Contracts etablieren, schlaue Algorithmen, die automatisch handeln. In Zukunft könnten damit Maschinen Maschinen bezahlen: Das Auto bezahlt an der Tankstelle, der Container am Hafenterminal, ohne dass Menschen eingreifen müssen.

Philipp Sandner, Leiter des Blockchain Center der Frankfurt School of Finance and Management, hält die Begeisterung im Grundsatz für gerechtfertigt: „Die Technologie wird sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren durchsetzen. Daher ist es sinnvoll, nicht nur in einen Coin oder eine Firma zu investieren, sondern in eine ganze Gruppe an Assets.“

Risiken beim Investmentansatz

Anleger seien so auch davor gefeit, in riskanteren Bereichen der Kryptowelt Betrügern auf den Leim zu gehen. „Bitcoin können von der Festplatte gestohlen, Marktplätze gehackt werden, und bei einem ICO, einem virtuellen Börsengang, droht unter Umständen Totalverlust“, erklärt Sandner. Ein Aktienfonds biete stärkeren Schutz. Kurzfristig könnten aber auch Blockchain-Aktien synchron zu einem schwachen Gesamtmarkt nachgeben.

Wolf Brandes vom Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentrale sieht Risiken beim Investmentansatz: „Schon der Nordinternet-Fonds hat in einen sehr engen Bereich investiert, wie jetzt auch der Chainberry-Fonds. Diese extreme Fokussierung auf ein Segment macht das Investment sehr volatil und hat nach dem Platzen der Internetblase Anleger viel Geld gekostet.“

Virtuelle Börsengänge – Boom und Betrug

Grundsätzlich positiv sieht Brandes, dass Anleger, die in die Blockchain-Technik investieren wollen, nun weitere Möglichkeiten abseits von unregulierten Kryptoplattformen erhalten, zu denen viele Beschwerden vorlägen. „Mit einem regulierten Aktienfonds bewegen sich Anleger aus dem grauen Kapitalmarkt heraus, das ist gut“, so sein Fazit.

Größere Fondsgesellschaften wie Hansainvest sind das Thema bisher nur sehr vorsichtig angegangen. So erklärt die Deutsche-Bank-Tochter DWS auf Anfrage, aktuell keine Blockchain-Produkte zu planen. Zwar gibt es schon heute kleinere Anbieter wie Postera aus Düsseldorf oder Blockwall aus Frankfurt, die geschlossene Spezialfonds auf Kryptowährungs-Basis aufgelegt haben. Diese richten sich jedoch nicht an normale Anleger, sondern zielen auf vermögende Investoren und Family Offices ab.

Der einzige nennenswerte Emittent von Kryptoprodukten für deutsche Privatanleger ist bislang die Vontobel-Bank aus Zürich. Ihre Bitcoin-Zertifikate, die an der Börse Stuttgart die Handelsrangliste anführen, zeichnen freilich nur den Kurs einer einzelnen Kryptowährung nach. Ein neues Zertifikat soll zwar einen Blockchain-Firmen-Index abbilden. Der Index blickt aber vor allem auf Standard-Tech-Werte wie Microsoft, Oracle und Mastercard.

Selbst in den USA, wo viele Branchen-Start-ups sitzen, sind börsengehandelte Aktienfonds mit Blockchain-Fokus bisher die Ausnahme. Die großen Fondsgesellschaften halten sich mit Publikumsfonds analog zu ihren europäischen Pendants zurück.

Mit dem ersten deutschen Blockchain-Aktienfonds nimmt die kleine Hansainvest eine Vorreiterrolle ein. Scheitert er nicht direkt an der volatilen Marktentwicklung, dürften andere Anbieter nachziehen.

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