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Kryptowährungen Facebook stellt Pläne für neue digitale Währung vor

Anfang kommenden Jahres soll die neue digitale Währung namens Libra an den Start gehen. Glückt das Experiment, wären Banken in ihrem Kerngeschäft bedroht.
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„Langfristig werden Zahlungen ein wirklich wichtiger Teil unseres Geschäfts werden.“ Quelle: dpa
Facebook-Chef Mark Zuckerberg

„Langfristig werden Zahlungen ein wirklich wichtiger Teil unseres Geschäfts werden.“

(Foto: dpa)

Zürich, New York Das Dokument ist nur zwölf Seiten lang, doch der Inhalt ist brisant: In einem sogenannten Whitepaper stellte Facebook am Dienstag seine Pläne für eine neue Internetwährung namens Libra vor. Sie soll bereits Anfang des kommenden Jahres an den Start gehen.

Zusammen mit Kreditkartenfirmen und Internetkonzernen plant der Konzern aus Menlo Park eine Alternative zu herkömmlichen Währungen wie Euro oder Dollar. Das Versprechen: eine einfache globale Währung und eine finanzielle Infrastruktur, die Milliarden von Menschen neue Chancen bietet.

Glückt das Experiment, dann wären Banken und Finanzdienstleister in ihrem Kerngeschäft bedroht: Geld ließe sich ohne ihr Zutun von A nach B überweisen. Für seine Pläne dürfte Facebook-Chef Mark Zuckerberg aus der Finanzbranche also keinen Klick auf den „Gefällt mir“-Button erhalten.

Ähnlich wie der Bitcoin soll auch Libra auf der Blockchain-Technik basieren. Die Transaktionen der Nutzer werden dabei in einer dezentralen Datenbank gespeichert, auf die Facebook keinen Zugriff haben soll. Über die Währung soll eine Stiftung in der Schweiz wachen. So soll Libra gelingen, was dem Bitcoin bislang verwehrt blieb: Die virtuelle Währung soll sich als Zahlungsmittel im Internet durchsetzen.

Facebook kann dabei auf seinem enormen Kundenstamm aufbauen. Das soziale Netzwerk, der Messenger-Dienst WhatsApp und die Fotoplattform Instagram werden monatlich von insgesamt 2,7 Milliarden Menschen genutzt. Sie sollen mit Libra künftig Geld überweisen können, ohne auf die Dienste von Banken angewiesen zu sein. So könnten WhatsApp-Nutzer in Zukunft Geld in der Nachrichten-App an ihre Freunde schicken.

Per Smartphone soll Libra auch direkt per App in andere Währungen getauscht werden können, um etwa Rechnungen im Freundeskreis in Sekundenschnelle zu begleichen. „Langfristig werden Zahlungen ein wirklich wichtiger Teil unseres Geschäfts werden“, hatte Facebook-Chef Zuckerberg bereits im April angekündigt.

Die Analysten der Großbank Barclays schätzen, dass der Konzern dadurch rund 19 Milliarden Dollar an zusätzlichem Umsatz generieren könnte.

Namhafte Partner

Facebook lanciert das Projekt nicht allein, sondern setzt auf namhafte Partnerfirmen. Darunter die Kreditkartenfirmen Visa und Mastercard sowie die Zahlungsdienstleister Paypal und Stripe. Facebook nimmt also potenzielle Rivalen gleich mit ins Boot. Auch die Fahrdienstleister Uber und Lyft, das Hotel-Buchungsportal Booking.com und der Musikdienst Spotify mischen mit. Großbanken stehen dagegen nicht auf der Liste der Gründungspartner.

Jeder der Partner soll zehn Millionen Dollar investieren, um die Entwicklung der neuen Kryptowährung zu finanzieren. Zum Libra-Start hofft der Konzern auf mehr als 100 Mitglieder. Sie müssen allerdings einen Marktwert von mindestens einer Milliarde Dollar oder mehr als 20 Millionen Kunden mitbringen.

Libra soll eine stabile Währung werden – anders als der Bitcoin, dessen Kurs massiv schwankt. Anfang 2017 war ein Bitcoin noch für wenige Hundert Dollar zu haben. Ende des Jahres 2017 kam es dann zu einem regelrechten Hype, bei dem die Währung ein Rekordhoch bei fast 20.000 Dollar erreichte.

Seitdem hat sich der Preis in etwa halbiert. Die starken Schwankungen machen den Bitcoin zwar für Spekulanten attraktiv, dürften aber viele Nutzer abschrecken. Zudem dauert die Abwicklung einer Transaktion über das Bitcoin-Netzwerk derzeit im Schnitt rund zwölf Minuten. Als Zahlungsmittel im Netz konnte sich der Bitcoin deshalb bislang nicht durchsetzen.

Stiftung als Währungshüter

Bei Libra soll das anders werden. Die Onlinewährung soll an eine Reserve gekoppelt werden, in der traditionelle Währungen und Staatsanleihen liegen. Kauft etwa ein Facebook-User Libra für 100 Euro, dann sollen 100 Euro in die Währungsreserve fließen. Anders als beim Bitcoin wird Libra nicht von den Nutzern selbst erstellt: Wer die Internetwährung erwerben möchte, muss sie bei Mitgliedern der Allianz oder auf Handelsplattformen werben.

Facebook will bei der Entwicklung des Projekts zwar zunächst eine Führungsrolle übernehmen. Nach dem Start soll der Internetkonzern aber nur „eines von vielen Mitgliedern“ sein, heißt es auf der Libra-Webseite.

Die weitere Entwicklung des Projekts soll die unabhängige Stiftung in der Schweiz koordinieren. Das Libra-System würde also nicht von den Zentralbanken kontrolliert, sondern von den Partnern des Projekts. Die „Libra Association“ mit Sitz in Genf hatte das Unternehmen bereits vor Monaten gegründet.

Auch bei der Aufbewahrung der Währung beansprucht Facebook kein Monopol. Der Konzern bietet mit seiner Tochterfirma namens Calibra zwar selbst eine Wallet an – das ist eine Art virtuelle Brieftasche, in der sich das Onlinegeld aufbewahren lässt. Doch auch andere Anbieter sollen Wallets anbieten können.

Der Internetkonzern will Libra also vorantreiben, dabei jedoch keine dominante Rolle einnehmen. Der Name Libra, der sich mit „Projekt Waage“ übersetzen lässt, wäre also Programm: Facebook soll bei dem Projekt kein Übergewicht haben. Diese Zurückhaltung kommt wohl kaum von ungefähr. Schließlich sind die Geschäftspraktiken des Konzerns nicht unumstritten. So hatte Facebook etwa Nutzerdaten an die Skandalfirma Cambridge Analytica weitergegeben.

Um ihre Identität zu schützen, sollen Libra-Nutzer Pseudonyme verwenden und mehrere Konten führen dürfen. So sollen sich einzelne Geschäfte nicht ohne Weiteres realen Personen zuordnen lassen. Trotzdem soll Libra die geltenden Regeln für Geldwäscheprävention erfüllen – eine Gratwanderung.

Offenbar haben die Macher bereits im Vorfeld bei Aufsehern vorgefühlt. „Wir haben mit Regulierern rund um die Welt gesprochen“, wird Facebook-Manager David Marcus zitiert.

Zielgruppe Immigranten?

Experten verfolgen das Vorhaben gespannt: „Die Vision von einer globalen Internetwährung ist natürlich hochinteressant“, sagt Sandro Graf, der an der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften zu Zahlungssystemen forscht.

Noch sei es aber viel zu früh, um Libra als neue Internet-Leitwährung auszurufen: „Wir befinden uns noch in einem sehr frühen Stadium.“ Facebook und seine Partner müssten erst beweisen, dass die neue Währung tatsächlich funktioniert – und von den Kunden angenommen wird.

In der Krypto-Szene wird der Einstieg von Facebook in die digitale Währung heiß diskutiert. Vielen Anhängern ist die Währung nicht radikal genug, weil sie anderen Währungen ähnelt. Aber einige hoffen auch, dass der Schritt von Facebook die Kryptowährungen insgesamt salonfähiger macht.

Dazu gehört auch Spencer Bogart von der Risikokapitalfirma Blockchain Capital: Facebooks Anstrengungen hätten das Potenzial, der „signifikanteste externe Beschleuniger für Bitcoin und die Krypto-Anwendung in der Geschichte der Technologie zu sein“ , kommentiert Bogart.

Auch Facebook-Investoren und Analysten zeigen sich von dem Projekt angetan. Die Einführung von Libra könne ein „Wendepunkt-Moment“ für das Unternehmen und für die globale Anwendung von Kryptowährungen werden, schreibt Mark Mahaney, Analyst von RBC Capital Markets.

Die Analysten von Citi begrüßen den Schritt auch, mahnen aber, dass das regulatorische Umfeld unsicher bleibt. Die Kryptowährung sei zudem „ein wichtiger Test“, ob Facebook in der Lage ist, seine Vertrauenskrise zu überwinden.

Zahlungsexperte Graf rechnet der neuen Internetwährung vor allem dort Chancen aus, wo Facebook eine große Nutzerbasis hat, vorhandene staatliche Währungen aber stark schwanken. Das sei etwa in Entwicklungsländern der Fall. „Dort könnte Libra zu einer einfachen und stabilen Möglichkeit für Zahlungen werden.“

Es geht um einen Milliardenmarkt: Weltweit besitzt fast die Hälfte der Menschen kein Bankkonto. Nach Schätzungen der Weltbank haben Migranten ihren Angehörigen in der Heimat im vergangenen Jahr weltweit rund 689 Milliarden US-Dollar überwiesen. Sie greifen dabei häufig auf Zahlungsdienstleister wie Western Union oder Moneygram zurück, die für ihre Dienste teils hohe Gebühren verlangen.

Anfangs dürfte Libra vor allem für Überweisungen zwischen verschiedenen Währungen genutzt werden. Doch eines Tages soll daraus ein vollwertiges Zahlungsmittel für alle Situationen werden. „Unsere Hoffnung ist es, Zugang zu besseren, günstigen und offenen Finanzdiensten zu schaffen“, heißt es im Whitepaper, „egal, wer du bist, wo du lebst, was du tust oder wie viel du besitzt.“

Mehr: Eine neue Studie zeigt, wie viel Schaden Bitcoins anrichten. Wenn man könnte, sollte man Bitcoins daher abschalten, kommentiert Handelsblatt-Redakteur Frank Wiebe.

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