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Kundenbericht der Ergo „Lasst uns über Budapest reden“

Der Versicherer stellt auf 84 Seiten Fragen und Anregungen der Kunden in den Mittelpunkt. Brisante Themen wie die Sexparty in Budapest tauchen auf. Doch nicht alles ist so verständlich und nachvollziehbar wie gewünscht.
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Das innere Schwimmbecken inmitten der reichen Jugendstilarchitektur im Gellert-Heilbad am Gellert-Hotel in Budapest. Quelle: dpa

Das innere Schwimmbecken inmitten der reichen Jugendstilarchitektur im Gellert-Heilbad am Gellert-Hotel in Budapest.

(Foto: dpa)

DüsseldorfBruno Viggen ist seit 1984 beim Versicherer Ergo. Er begann als Azubi, studierte und leitet seit 2005 die Konzernrevision. Das ist jene Truppe, die im vergangenen Jahr eine Reihe von Skandalen bei Ergo unter die Lupe nahm. Viggen ist einer von vielen Ergo-Mitarbeitern, die insgesamt 179 Fragen von Kunden beantworten. Der Versicherer nennt das Werk „Kundenbericht“. Er ist ein Novum in der deutschen Versicherungsbranche.

Die Erwartungshaltung ist gerade beim Thema Budapest hoch. Klar, so einer wie Viggen sollte die Antworten auf alle Fragen parat haben, wenn er über seinem Text schreibt: „Lasst uns über Budapest reden.“ Wie die Sexparty mit vielen Mitarbeitern passieren konnte, warum sie nicht eher auffiel und wie aufgeräumt wurde? Doch auch Viggen muss viele Antworten schuldig bleiben. 

Sehr anschaulich beschreibt er, wie er in Wien von seinem Vorstandschef morgens gegen viertel nach acht angeklingelt wurde, um sofort an einer Telefonkonferenz teilzunehmen. Denn so Viggen: „Das ,Handelsblatt‘ plante für den folgenden Tag eine Story über eine Party mit Prostituierten im Jahr 2007 in der Gellért-Therme in Budapest, organisiert von der Führung der Vertriebsorganisation HMI.“ Anfangs habe er kaum glauben können, dass so etwas möglich sei. Doch der Artikel stimmte. Besonders viel mehr Licht ins Dunkel brachte er dann trotz eines gewaltigen Aufwands aber auch nicht. 

Zwar führten er und seine Leute insgesamt 83 Interviews. 64 Teilnehmer, alles selbstständige Vermittler,  wurden identifiziert – außerdem zwei fest angestellte Mitarbeiter in Schlüsselpositionen. „Nach allem, was wir heute wissen, gab es tatsächlich unterschiedliche Bändchen. Das eine für die Hostessen, das andere für die Prostituierten. Keiner der Teilnehmer bestätigte aber, dass Prostituierte unterschiedlich farbige Bändchen für besonders verdiente Vermittler trugen.“ Auch bei den Stempeln auf den Unterarmen bekam seine Truppe „bis zum Schluss kein klares Bild“. 

Was die Organisatoren der Reise sich dabei gedacht haben, sei ihm bis heute ein Rätsel, stellt er ein wenig resigniert fest. Die Organisation der Reise war komplett an einen externen Dienstleister ausgelagert. Dieser habe am Schluss pauschale Teilrechnungen eingereicht: eine für die Flüge, eine für die Hotelübernachtungen und eine für die Veranstaltung. Aus diesen Abrechnungen gehe nicht hervor, welche Leistungen im Einzelnen bezahlt worden seien. „Die Prostituierten tauchen darin natürlich gar nicht auf – ein Zeichen, dass den Verantwortlichen damals sehr bewusst war, dass sie etwas tun, das das Unternehmen niemals gutheißen würde.“ Wenn ein unzureichendes internes Kontrollsystem auf Personen treffe, die eine solche Idee unterstützen, ließen sich solche Auswüchse kaum verhindern.

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