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Kurssprung Die Deutsche Bank verblüfft die Anleger

Die Deutsche Bank verdient wieder mehr als von Analysten erwartet, der Aktienkurs klettert über zehn Euro. Dabei läuft einiges sogar schlechter als vor einem Jahr.
1 Kommentar

„Es gibt viel Schatten und wenig Licht bei der Deutschen Bank“

Frankfurt Positive Nachrichten haben bei der Deutschen Bank Seltenheitswert. Kein Wunder, dass Analysten die Zukunftsaussichten für das Institut zuletzt immer düsterer einschätzten und ihre Prognosen beständig nach unten korrigierten. Gerade einmal drei von 33 Finanzexperten trauen sich, die Aktie der Bank zum Kauf zu empfehlen, dagegen stehen 16 Analysten, die zum Verkauf raten.

Umso überraschter reagierten Anleger am Montag auf eine Pflichtmitteilung der Bank, in der sie ihre Eckdaten für das zweite Quartal bekanntgab. Denn die Deutsche Bank hat im zweiten Vierteljahr deutlich besser abgeschnitten, als die Finanzprofis es ihr zugetraut hatten.

Das Kreditinstitut rechnet im zweiten Quartal mit einem Vorsteuergewinn von etwa 700 Millionen Euro und einem Gewinn nach Steuern von 400 Millionen Euro. Analysten hatten mit weniger als der Hälfte dieser Werte gerechnet. Auch die Konzernerträge liegen mit rund 6,6 Milliarden Euro über den Schätzungen von 6,4 Milliarden Euro. Die Führung der Bank wertet das als „einen Beleg für die Stabilität des Geschäfts der Deutschen Bank“.

Aktie kostet wieder zehn Euro

Übertroffen hat das größte deutsche Finanzinstitut allerdings nur die pessimistischen Schätzungen der Analysten. Vergleicht man die Kennzahlen mit ihren Vorjahreswerten, relativiert das den erzielten Fortschritt: Im Vorjahr hatte die Bank nämlich ebenso hohe Erträge erzielt und mit einem Gewinn von 822 Millionen Euro vor und 466 Millionen Euro nach Steuern unter dem Strich auch mehr verdient.

An den Börsen spielte das am Montag aber keine Rolle: Um bis zu neun Prozent schoss der Aktienkurs zeitweise nach oben. Das war nicht nur der höchste Tagesgewinn der Aktie seit zwei Jahren, damit war das Papier auch mit großem Abstand Gewinner im Dax. Vorläufig hat sich der Aktienkurs damit wieder über der Marke von zehn Euro eingependelt.

Von einer Trendwende wollen Experten allerdings noch nicht reden. Im Aktienkurs, der erst im Juni auf ein Rekordtief von 8,75 Euro gefallen war, seien so viele schlechte Nachrichten bereits berücksichtigt, dass es nicht viel benötige, um einen Kursanstieg auszulösen. „Diese Ad-hoc-Mitteilung mag zu der Stabilisierung beitragen. Die Investoren werden jedoch mehr Details benötigen, um von einer nachhaltigen Besserung überzeugt zu sein“, sagt etwa Klaudius Sobczyk, Leiter Asset-Management des Fondshauses PEH Wertpapier AG.

„Die jüngsten Zahlen zeigen noch keine Trendwende auf, sondern liegen im Rahmen meiner Erwartungen, auch wenn die Zahlen toll aussehen“, ergänzt der Fondsmanager einer großen Fondsgesellschaft. Die massive Kursreaktion erklärt er mit Aktienkäufen durch Hedgefonds, die zuvor auf einen weiteren Kursverfall der Deutschen-Bank-Aktie spekuliert hatten.

Vor Kurzem wurde bekannt, dass vier große Hedgefonds in großem Umfang auf einen anhaltenden Kurseinbruch gesetzt hatten. Sie hatten knapp fünf Prozent aller Aktien des Geldhauses geliehen und dann verkauft, in der Hoffnung, diese Aktien später billiger zurückkaufen und dem Entleiher zurückgeben zu können. Um ihre Verluste nach dem Kursanstieg am Montag zu begrenzen, mussten sich diese spekulativen Investoren mit Aktien eindecken – was wiederum den Kurs weiter nach oben getrieben hat.

Die Zurückhaltung der Profis dürfte auch damit zu tun haben, dass bislang noch nicht viele Details zum Geschäftsverlauf im zweiten Quartal bekannt sind. Die werden erst am 25. Juli offengelegt. Die Analysten der Schweizer Großbank UBS etwa argwöhnen, dass zu der positiven Überraschung etwa zur Hälfte Einmaleffekte beigetragen haben könnten.

„Angesichts des Bewertungsniveaus und der negativen Stimmung und der Nachrichtenlage um den Aktienkurs herum verstehen wir die positive Marktreaktion“, heißt es in der Kurzanalyse. Die UBS-Analysten gehen allerdings nicht davon aus, dass sich an der „grundlegenden“ Investmentstory groß etwas geändert hat. „Wir rechnen damit, dass die Deutsche Bank 2018 weiter Marktanteile verlieren wird“, lautet ihr Fazit.

Gerade in der einstigen Paradedisziplin im Investmentbanking, dem Handel mit Wertpapieren, bleibt die Lage schwierig. Dort sind die Erträge um weitere 15 Prozent geschrumpft, wie die Bank mitteilte. Damit liege die Bank um fünf Prozentpunkte unter den Schätzungen und habe „erheblich schlechter“ als die amerikanische Konkurrenz abgeschnitten, monieren die Analysten von Barclays.

In Teilen mag das allerdings auch daran liegen, dass die Deutsche Bank in diesem Bereich einige Geschäfte eingedampft hat, weil sie riskant sind und viel Kapital kosten. Das gilt etwa für den Rohstoffhandel, den die Deutsche Bank eingestampft hat, während JP Morgan dort prächtig verdiente.

Schwäche im Wertpapierhandel

Positiver fällt das Urteil der Experten zum Thema Eigenkapitalquote aus. Entgegen den Erwartungen hat die Deutsche Bank ihre Kernkapitalquote, die sich an den Risiken in der Bilanz ausrichtet, auf 13,6 Prozent steigern können. Das war eine bessere Entwicklung als gedacht. Die Barclays-Analysten vermuten, dass es der Bank gelungen ist, den Risikogehalt in ihrer Bilanz deutlich zu reduzieren.

Auch beim Personalabbau gibt es Fortschritte. Die Zahl der Mitarbeiter, die Ende März noch bei 97.130 Vollzeitstellen lag, ist auf 95.400 gesunken. Der neue Vorstandschef Christian Sewing hatte bereits kurz nach seinem Amtsantritt damit begonnen, gerade im Investmentbanking Jobs zu streichen. Es sei gut, dass Sewing die Restrukturierung der Bank beherzt angehe, lobt ein Fondsmanager. „Das hat man bei seinen Vorgängern schon anders gesehen.“ Etwa 200 Millionen Euro hat die Bank für „Restrukturierungen und Abfindungen“ im zweiten Quartal in die Hand genommen.

Die Deutsche Bank will ihr angepeiltes Kostenbudget trotz des teuren Jobabbaus aber strikt einhalten. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir unser Kostenziel von 23 Milliarden Euro für 2018 erreichen und die Zahl der Vollzeitstellen bis Jahresende unter 93.000 senken werden“, sagte Vorstandschef Sewing der Deutschen Presse-Agentur.

Die Kosten sind ein heikles Thema zwischen der Bank und den Investoren: Ursprünglich hatte das Institut geplant, 2018 nur 22 Milliarden Euro auszugeben. Sewings Vorgänger John Cryan hatte das Kostenziel zum Entsetzen vieler Investoren dann zu Jahresbeginn auf 23 Milliarden Euro angehoben. Diese negative Überraschung hatte zu Cryans Absetzung im April beigetragen. Sewing hat seither versichert, zumindest diesen – heraufgesetzten – Zielwert auf jeden Fall einzuhalten. Auf der Kostenseite sei die Bank „besser als gedacht“, lobte Vorstandschef Sewing die Leistungen des Managements. Das gelte gerade, wenn man bedenke, dass der Jobabbau vorübergehend zu höheren Restrukturierungsausgaben führe und die Bank in die Fusion des Privat- und Firmenkundengeschäfts von Postbank und Deutscher Bank investiere.

Ob das genügt, um skeptische Investoren zu überzeugen? „Es wird noch zwölf Monate dauern, bis klar ist, ob der Umbau tatsächlich geklappt und die Deutsche Bank ihr Problem mit der Profitabilität im Griff hat“, sagt ein Fondsmanager. Und auch PEH-Fondsmanager Sobczyk bleibt reserviert: „Die Positionierung der Deutschen Bank im deutschen, europäischen und globalen Markt bleibt unscharf“, sagt er. Im US-Markt etwa gebe es „beständig Störfeuer“, doch eine klare strategische Aussage zu diesem Markt fehle ihm. „Die Fragezeichen werden so schnell nicht weggehen“, so Sobczyk.

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1 Kommentar zu "Kurssprung: Die Deutsche Bank verblüfft die Anleger"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Kurssprung?
    Kein Wunder - man kauft 1 Euro Buchwert für 33 Cent!
    Selber schuld, wer da leer verkauft hat....

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