Kursverluste in Serie Investoren misstrauen den deutschen Banken

Seit Jahresbeginn ist die Aktie der Deutschen Bank um rund 40 Prozent gefallen, die der Commerzbank um 30. Das Misstrauen der Anleger wächst.
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Es gibt eine ganze Reihe von Risikofaktoren, die die Branche in Zukunft belasten könnte. Quelle: imago/Rainer Unkel
Wall Street in New York

Es gibt eine ganze Reihe von Risikofaktoren, die die Branche in Zukunft belasten könnte.

(Foto: imago/Rainer Unkel)

Frankfurt, New YorkEs war der unerfreuliche Abschluss einer unschönen Woche für die Deutsche Bank. In der Nacht vom vergangenen Donnerstag auf Freitag wurde offiziell, was viele in den Doppeltürmen an der Frankfurter Taunusanlage bereits befürchtet hatten: Als einzige Bank war das größte heimische Geldhaus durch den Stresstest der US-Notenbank (Fed) gerasselt.

„Das Geldinstitut wird mit dem Vorwurf an den öffentlichen Pranger gestellt, keine verlässlichen Erlösprognosen stellen zu können und bei der Kapitalplanung erhebliche Defizite aufzuweisen“, analysiert Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. „Das ist in etwa so, als würde man Daimler vorwerfen, Räder nicht sicher an seine Autos schrauben zu können.“

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing versicherte am Freitag, die Bank habe Fortschritte in den USA gemacht. Er gehe davon aus, dass sie den Stresstest im kommenden Jahr bestehen werde, sagte er dem Börsensender CNBC. Einen kompletten Rückzug aus dem US-Geschäft schloss er – trotz aller Probleme – aus: „Amerika ist neben Deutschland einer der wichtigsten Märkte für uns, und das wird auch so bleiben.“

Das einzig Erfreuliche für die Deutsch-Banker: Weil die Panne beim Stresstest von vielen erwartet wurde, blieb dem Frankfurter Geldhaus ein weiterer Rückschlag an der Börse erspart. Im Gegenteil: Der Kurs kletterte sogar um 1,1 Prozent auf 9,16 Euro. Das ist allerdings nur ein kleiner Trost, denn erst am vergangenen Mittwoch war die Aktie der Deutschen Bank bei 8,75 Euro auf ein neues Allzeittief gefallen. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf rund 40 Prozent. Der Commerzbank ist es mit Verlusten von rund 30 Prozent nicht sehr viel besser ergangen.

Die Verluste der beiden deutschen Banken mögen wegen hausgemachter Probleme besonders heftig ausfallen, aber sie sind auch ein Indiz dafür, dass das Misstrauen der Investoren gegenüber den Banken rund um den Globus größer wird. In den USA haben die Aktien der Geldhäuser 13 Tage in Folge mit Verlusten hinter sich gebracht, die längste Minusserie aller Zeiten. In Europa fiel der Stoxx-600-Banken-Index seit seinem Hoch im Januar um rund 20 Prozent.

Der Deutschen Bank droht angesichts der Kursflaute noch ein weiteres Problem. Da der Börsenwert so stark abgesackt ist, könnte das Institut im September aus dem Aktienindex Euro Stoxx 50 fliegen, berichtet das „Wall Street Journal“. Er bildet die 50 größten börsennotierten Unternehmen des Euro-Raums ab und gilt als Leitindex für viele Fonds. Sollte die Bank durch ein anderes Unternehmen ersetzt werden, könnte ihre Aktie erneut unter Druck geraten, weil die Fonds sich der neuen Zusammensetzung des Index anpassen.

Nach der Krise sei vor der nächsten Herausforderung, warnen die Bankenanalysten der LBBW. Sie sehen vor allem den noch immer hohen Bestand an faulen Krediten in den Büchern europäischer Geldhäuser als Problem. Dazu kommt die schwache Rentabilität vieler Banken in der Euro-Zone. In einigen Ländern wie Italien und Portugal gehen beide Problemfaktoren Hand in Hand.

Die deutschen Geldhäuser haben zwar dank der bislang robusten Konjunktur kaum Schwierigkeiten mit faulen Krediten. Die Großbanken aber leiden unter chronischen Rentabilitätsproblemen. Die Deutsche Bank hat das dritte Verlustjahr in Folge hinter sich, die Commerzbank erreichte 2017 eine Eigenkapitalrendite von gerade einmal 0,5 Prozent. Für diese Rentabilitätsschwäche machen die LBBW-Experten vor allem den zersplitterten deutschen Bankenmarkt und die hohe Wettbewerbsintensität verantwortlich.

Zu diesen strukturellen Problemen sind in den vergangenen Wochen neue Sorgen hinzugekommen, die alle europäischen Banken belasten. Die Experten der DZ Bank haben drei Risikofaktoren ausgemacht: eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums in der Euro-Zone, das Auslaufen des Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank sowie wachsende politische Spannungen durch die Turbulenzen in Italien und die steigende Gefahr eines globalen Handelskriegs.

Probleme in den USA

Das wachsende Misstrauen der Investoren gegenüber Banken zeigt sich auch am Anleihemarkt. Dort ist der Ibox Banks Senior Index seit Jahresbeginn um 1,4 Prozent gefallen. Die Analysten der DZ Bank fürchten, dass „die Anspannung an den Märkten für Bankanleihen hoch bleiben dürfte, insbesondere, wenn nicht nur ein schwächeres Sentiment infolge einer angespannten politischen Großwetterlage auf die Risikofreude der Investoren drückt, sondern sich gleichzeitig auch die Konjunkturdaten verschlechtern“.

Die unfreundlichere politische Großwetterlage trifft auch die Bankaktien an der Wall Street, und das gleich doppelt. Der drohende Handelskrieg schürt zum einen die Angst vor langsamerem Wirtschaftswachstum in der Welt, zum anderen treibt er Investoren in den sicheren Hafen der Staatsanleihen.

Kaufen die Anleger mehr länger laufende Bonds, wird die Zinskurve flacher – das heißt, der Abstand zwischen kurz- und langfristigen Renditen sinkt. Das ist schlecht für die Margen der Banken im Kreditgeschäft. Derzeit ist die Zinskurve in den USA so flach wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr.

„Das ist ein großes Problem“, stellt Matt Maley, Aktienstratege vom Vermögensverwalter Miller Tabak klar. „Vor allem, weil wir uns immer stärker auf eine inverse Zinskurve zubewegen“ – einem wichtigen Indikator für eine bevorstehende Rezession.
Die Kurse der Bankaktien haben sich am Freitag indes etwas erholt.

Grund dafür waren die üppigen Aktienrückkäufe und Dividenden, die die Geldhäuser nach den Stresstest-Ergebnissen vom Donnerstag angekündigt hatten. Große US-Banken werden in den kommenden zwölf Monaten die Rekordsumme von 164 Milliarden Dollar an ihre Aktionäre ausschütten, wie die Investmentbank Barclays berechnet hat. Das sind 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Allein die vier größten US-Institute, JP Morgan Chase, Bank of America, Citigroup und Wells Fargo, schütten insgesamt 110 Milliarden Dollar aus.

Doch es gibt eine ganze Reihe von Risikofaktoren, die die Branche in Zukunft belasten könnte. Denkbar wäre, dass die schlechte Stimmung aus Europa auch in die USA überschwappt. „Die Korrelation ist zwar nicht mehr so stark wie vor der Finanzkrise, aber die beiden Sektoren neigen dazu, sich in die gleiche Richtung zu bewegen“, sagt Maley.

Hinzu kommen die Zinserhöhungen der Fed, die sich oft erst mit einer zeitlichen Verzögerung auf die Märkte auswirken. Obendrein hält anhaltende Verunsicherung durch die amerikanische Handelspolitik bereits jetzt einige Unternehmen davon ab, zu investieren und Mitarbeiter einzustellen.

Der unabhängige Bankenberater Chris Whalen geht davon aus, dass die Ausschüttungen von Geldinstituten in den kommenden Jahren wieder sinken werden. „Die Banken waren überkapitalisiert, das haben die US-Stresstests in diesem Jahr gezeigt. Doch die Ausfallraten bei Krediten steigen langsam, aber sicher an. Das wird sich dann auch auf die Dividenden und Aktienrückkäufe auswirken“, sagt Whalen.

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