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Landes- und Förderbanken Warum der Bankenverband VÖB keinen neuen Chef findet

Landes- und Förderbanken streiten über die Wahl ihres neuen Verbandschefs. Vorwürfe der mangelnden Loyalität und Schuldzuweisungen stehen im Raum.
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Er verlässt den Chefposten der BayernLB, daher gibt Riegler auch die VÖB-Präsidentschaft ab. Quelle: dpa
Scheidender VÖB-Präsident Johannes-Jörg Riegler

Er verlässt den Chefposten der BayernLB, daher gibt Riegler auch die VÖB-Präsidentschaft ab.

(Foto: dpa)

FrankfurtDass der Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) einen neuen Präsidenten braucht, ist seit Monaten bekannt. Denn im Dezember gab die BayernLB bekannt, dass ihr Chef Johannes-Jörg Riegler das Geldhaus verlassen wird und damit auch sein Amt als VÖB-Präsident aufgibt.

Doch ein Nachfolger ist bis heute nicht gefunden. Grund dafür ist nach Informationen des Handelsblatts ein bizarrer Streit zwischen den Landesbanken und mehreren Förderinstituten. Die Landesbanken haben sich Insidern zufolge geschlossen für Eckhard Forst, den Vorstandschef des Förderinstituts NRW-Bank ausgesprochen. Doch bei einigen Förderinstituten gibt es Widerstand gegen den Mann aus den eigenen Reihen.

Durch den Konflikt wird einer der vier großen deutschen Bankenverbände seit Monaten geschwächt. Zu seinen Mitgliedern zählen aktuell 14 von 21 deutschen Instituten, die von der EZB beaufsichtigt werden. Die Förderinstitute argumentieren, dass die Landesbanken gemäß der Satzung eine Mehrheit im VÖB-Vorstand haben – und folglich auch den Präsidenten stellen sollten. Doch von den Chefs der vier großen Landesbanken kann oder will niemand das Amt übernehmen.

Helaba-Chef Herbert Hans Grüntker leitet bereits die Girozentralleiterkonferenz der Gruppe der Landesbanken im Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV). NordLB-Chef Thomas Bürkle hat mit der Rettung seiner Bank genug zu tun. Und Edgar Zoller führt die BayernLB nur interimistisch. Es ist unklar, wie lange er noch an der Spitze des Münchner Instituts steht.

Neske mag nicht

Infrage kommen würde somit nur LBBW-Chef Rainer Neske – doch der will nicht VÖB-Präsident werden. „Ich bin an der Stelle nicht besonders ehrgeizig“, sagte Neske am Donnerstag. Alle anderen Banken und der VÖB selbst äußerten sich nicht.

Einige Förderinstitute halten es für ein Armutszeugnis, dass die Landesbanken in den eigenen Reihen keinen Kandidaten finden. Dass ein Förderbanker den VÖB führt, gab es in der jüngeren Geschichte nur einmal: Nach der Finanzkrise stand L-Bank-Chef Christian Brand von 2009 bis 2013 an der Spitze des Verbands.

Mit der Finanzkrise sei die aktuelle Situation aber nicht zu vergleichen, sagen Förderbanker. Verärgert sind manche von ihnen auch, weil Neske seine Absage intern damit begründet haben soll, er sei bei der LBBW ausgelastet. Einige Förderbanker werteten dies als Hinweis, sie selbst seien nicht ausgelastet – und das sehen sie naturgemäß anders.

Grundsätzlich zweifeln manche Förderinstitute, ob und wie lange die Landesbanken noch zum VÖB stehen. Denn wenn die Idee von DSGV-Präsident Helmut Schleweis umgesetzt wird, alle Landesbanken zu einem von den Sparkassen kontrollierten Zentralinstitut zu verschmelzen, würde dies die Existenz des VÖB in seiner heutigen Form infrage stellen. Die Landesbanken können den Widerstand der Förderbanken nicht verstehen und stellen ihrerseits die Loyalitätsfrage.

Denn einige Förderinstitute haben kürzlich einen Verein gegründet, um ihre Interessen besser vertreten zu können. Gründungsmitglieder der sogenannten Förderbankenkonferenz sind die Institute aus Rheinland-Pfalz, Hamburg, Berlin, Schleswig-Holstein, Sachsen und Baden-Württemberg. Als Konkurrenz zum VÖB versteht sich die Gruppe allerdings nicht.

Einig sind sich alle Beteiligten derzeit lediglich, dass der VÖB durch den Konflikt schon heute beschädigt ist. Und auch die 85 Mitarbeiter des Verbands hätten gerne bald Klarheit, wie es weitergeht. Eine Gelegenheit für Lösungsansätze bietet sich bei der nächsten Vorstandssitzung des VÖB am Mittwoch. Doch ob sich die Parteien dort einigen können, bleibt ungewiss.

Zu einer Mitgliederversammlung, die den Präsidenten wählen muss, wird der VÖB wohl erst einladen, wenn vorher eine Einigung erzielt wurde. Forst saß vor seiner Zeit bei der NRW-Bank im Vorstand der NordLB. Dort war er zeitweise auch für das Schiffsportfolio zuständig, das die Bank nun beinahe in den Abgrund gestürzt hätte. Der 59-Jährige hat intern Bereitschaft signalisiert, VÖB-Präsident zu werden. Aber wenn der Streit um den Posten noch lange weitergeht, wird er sich das vielleicht noch einmal überlegen.

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