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Landesbank Ende einer Hängepartie – BayernLB sucht neuen Vorstandschef

Vorstandschef Riegler verlässt im Februar die BayernLB. Damit endet ein monatelanger Streit zwischen Alphatieren im Vorstand und Aufsichtsrat.
Update: 12.12.2018 - 17:08 Uhr Kommentieren
Der Vorstandsvorsitzender der BayernLB verlässt Ende Februar 2019 das Unternehmen. Quelle: Thorsten Jochim für Handelsblatt
Johannes-Jörg Riegler

Der Vorstandsvorsitzender der BayernLB verlässt Ende Februar 2019 das Unternehmen.

(Foto: Thorsten Jochim für Handelsblatt)

MünchenDas letzte öffentliche Zitat von Johannes-Jörg Riegler ist gut einen Monat her. „Wir haben in den ersten drei Quartalen 2018 ein gutes Ergebnis erwirtschaftet. Dass alle Kundensegmente daran starken Anteil hatten, zeigt einmal mehr die Tragfähigkeit unserer Kundenbasis“, kommentiert der 54-jährige Franke das Neun-Monats-Ergebnis. Die BayernLB hatte da wieder einmal mehr verdient als alle anderen deutschen Landesbanken.  

Doch schon in den Wochen zuvor wurde mehr über Riegler gesprochen, als über die Geschäftszahlen. Vor allem fragten Beobachter, ob er nach Ablauf seines Vertrages im Februar noch Vorstandschef der Landesbank sein wird. Schon da verdichteten sich die Gerüchte, dass es so nicht kommen wird.

Seit Mittwoch ist klar, dass Riegler die BayernLB verlassen wird und sein bisheriger Vize Edgar Zoller interimistisch die Bank leiten wird. Der 61-Jährige, der seit zwölf Jahren bei der Landesbank ist, soll aber wohl nur eine Übergangslösung sein, ehe es zu einer dauerhaften Lösung kommt. „Qualität hat hierbei Vorrang vor Tempo“, sagte Aufsichtsrat-Chef Wolf Schumacher.

Mit der endgültigen Entscheidung in dieser Frage endet eine monatelange Hängepartie. Seit dem Sommer schon zeichnete sich ab, dass es in der Vertragsverhandlung zwischen Riegler und der Bank hakt. Immer wieder stand die Bank deswegen in den Schlagzeilen.

Mal ging es um Gehaltsvorstellungen von Riegler, die beim Doppelten seines bisherigen Salärs von 750.000 Euro jährlich liegen sollten, mal um Pensionszusagen von einst, die ihm auch nach einem möglichen Ausscheiden noch ein hohes Ruhegeld sichern sollten. Daneben liefen sich Unternehmensberater und Headhunter warm, die sich mit Hintergrundinformationen in der Öffentlichkeit positionierten.

War die Landesbank vor rund einem Jahrzehnt wegen finanzieller Großmannssucht im Gerede, die vor allem mit der Übernahme der österreichischen Hypo Alpe Adria zusammenhing, so waren es diesmal in erster Linie interne Querelen zwischen den Alphatieren.

Das angespannte Verhältnis zwischen Vorstandschef Riegler und seinem Vorgänger und anschließenden Aufsichtsratschef Gerd Häusler war immer wieder ein Thema. Als Häusler dann im Frühjahr ausschied, folgte ihm aber Wolf Schumacher als oberster Aufseher, der einstige Chef der Wiesbadener Aareal Bank. Der Chef-Sessel bei der Immobilien-Bank galt lange als Feuerstuhl. Schumacher traute ihn sich zu, sanierte die Bank und ging 2015 mit einer Summe aus laufendem Gehalt und Pensionsrückstellungen von fast 14 Millionen Euro. Wieder hatte es Riegler also mit einem Alphatier zu tun.

Riegler hatte zuvor in seiner oftmals direkten Art immer wieder betont, dass er sich einen erfahrenen Banker und keinen abgelegten Politiker auf der Position wünscht. Gehört doch die BayernLB zu 75 Prozent dem Freistaat Bayern, das verbleibende Viertel ist in Händen der bayerischen Sparkassen.

Dem Anforderungsprofil wurde entsprochen, doch auch zwischen Schumacher und Riegler soll es bald atmosphärische Störungen gegeben haben, heißt es. Dabei zeichnete sich ab, dass es am Ende nur Platz für einen von beiden geben könne.

Dazu gab es immer wieder Probleme zwischen Riegler und den Sparkassen selbst. Denen warf er intern oftmals „althergebrachtes Denken“ und lobte die Konkurrenz der Genossenschaftsbanken, die beim Wandel in Richtung Digitalisierung sehr viel weiter seien. Die Sparkassenverbände, die eine Vielzahl auch kleiner Sparkassen vertreten, hätten oft andere Vorstellungen als die Landesbank, hieß es dazu kürzlich von Seiten eines Beraters. Auch gebe es wegen Governance-Themen oft irrsinnige Abstimmungsprozesse. „Das macht die Organisation als solche nicht besonders agil“, bemängelte dieser.

Den Sparkassen war dabei umgekehrt immer wieder die DKB ein Dorn im Auge. Die Direktbank-Tochter der BayernLB hat mittlerweile 3,9 Millionen Kunden und ist damit die Nummer zwei am deutschen Markt hinter der ING. Von interner Konkurrenz war stets die Rede, die die Direktbank den Sparkassen vor Ort mache.

In der Landesbank wies Riegler immer wieder zurück. Das hatte auch gute Gründe: Die DKB hat sich über die Jahre zu einer Cash-Cow der BayernLB entwickelt und trug zuletzt über 40 Prozent zum Gesamtgewinn bei.

Für den Übergangs-Chef Edgar Zoller geht es nun darum, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen, bis eine dauerhafte Lösung für den Chefsessel gefunden ist. „Er wird die anstehenden wesentlichen Themen der Bank weiter vorantreiben und zugleich für Kontinuität im operativen Geschäft der Bank sorgen“, ließ sich Aufsichtsratschef Schumacher am Mittwoch in der veröffentlichten Presseerklärung zitieren.

Es liegt nun an ihm, einen passenden Kandidaten zu finden. Der muss aber auch der Politik passen: Bayerns Finanzminister Georg Füracker spricht bei der Suche ebenfalls ein bedeutendes Wort mit.

Ministerpräsident Markus Söder, der davor selbst als Finanzminister für die Landesbank zuständig war, hatte den Weg der Bank über die vergangenen Jahre stets gelobt. Besonders dem scheidenden Johannes-Jörg Riegler rechnete er hoch an, dass er die Bank nach schweren Zeiten wieder in die Gewinnzone gebracht und ihr zudem wieder eine Perspektive gegeben hat.

Von den Ratingagenturen erhält die BayernLB schon länger das zweitbeste Ergebnis der deutschen Finanzinstitute hinter der genossenschaftlichen DZ Bank.

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