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Landesbank Helaba will umbauen und Stellen streichen

Die Landesbank will Prozesse verschlanken und vor allem die Zahl der Geschäftsbereiche reduzieren. Auch die Zahl der Mitarbeiter wird wohl sinken.
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Die Landesbank spürt zunehmend das Zinsumfeld und den schärferen Wettbewerb. Quelle: mauritius images / Signumlux
Sitz der Helaba

Die Landesbank spürt zunehmend das Zinsumfeld und den schärferen Wettbewerb.

(Foto: mauritius images / Signumlux)

Frankfurt Harter Wettbewerb, Negativzinsen und eine sich abkühlende Konjunktur: Die Rahmenbedingungen für deutsche Finanzinstitute werden immer schwieriger. Das gilt auch für die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die als eine der stabilsten deutschen Banken gilt.

Damit das auch so bleibt, hat die Helaba-Spitze nach Informationen des Handelsblatts nun ein Umbauprogramm ausgearbeitet, um sich für rauere Zeiten zu rüsten. Dabei gehe es vor allem darum, sich auf die dauerhaft niedrigen Zinsen einzustellen, heißt es in Finanzkreisen.

Die Helaba wolle Prozesse verschlanken und die Organisation vereinfachen. Unter anderem soll die Zahl der Bereiche unterhalb des Vorstands reduziert werden. Aktuell gibt es bei der Helaba rund 40 solche Bereiche, was für ein Unternehmen mit rund 6.100 Mitarbeitern vergleichsweise viel ist.

Im Rahmen des Umbaus dürfte auch die Zahl der Mitarbeiter sinken. Mit dem Thema vertraute Personen gehen jedoch davon aus, dass es dabei nicht zu Kündigungen kommen wird. Stattdessen werde die Bank Mitarbeiter früher in den Ruhestand schicken und bestimmte Stellen nicht nachbesetzen. Die Helaba wollte sich zum geplanten Umbau nicht äußern.

Das Institut ist relativ gut durch die Finanzkrise gekommen. Im Gegensatz zu anderen Landesbanken musste sie nicht mit Staatsgeld gerettet werden und anschließend auf Druck der Wettbewerbshüter schrumpfen. Im Gegenteil: Die Helaba übernahm 2012 Teile der zerschlagenen WestLB.

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Doch die Null- und Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank setzt auch der Helaba zu. Zudem ist der Wettbewerb bei Firmen- und Immobilienfinanzierungen hart. „Margen und Erträge geraten so weiter unter Druck“, warnte Helaba-Chef Herbert Hans Grüntker zu Jahresbeginn.

Bisher haben die schwierigen Rahmenbedingungen allerdings nur leichte Spuren in der Bilanz des Geldhauses hinterlassen. Im vergangenen Jahr verdiente die Helaba gut 440 Millionen Euro vor Steuern und damit nur etwas weniger als ein Jahr zuvor. Größter Ertragsbringer ist seit Langem das Immobiliengeschäft.

Keine fundamentalen Änderungen am Geschäftsmodell

Beim nun geplanten Umbau gehe es nicht um fundamentale Änderungen am Geschäftsmodell, sondern um eine Reaktion auf die aktuellen Herausforderungen am Markt, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Damit setzt sich die Helaba von der BayernLB ab, die aktuell ebenfalls an einer neuen Strategie arbeitet.

In München beschäftigen sich die Bank und ihre Eigentümer – der Freistaat Bayern und die bayerischen Sparkassen – auch mit grundlegenden Reformen wie einer Aufspaltung, einem Teil- oder Vollverkauf sowie einem Börsengang.

Bei der Helaba ist die Ausgangslage anders. Das Institut hat zuletzt zwei Übernahmen getätigt. Sie kaufte ein Kreditportfolio der DVB Bank und die Dexia Kommunalbank Deutschland, die nun unter dem Namen Kofiba-Kommunalfinanzierungsbank firmiert.

Perspektivisch könnte sich die Landesbank auch weitere Übernahmen vorstellen – beispielsweise, wenn es zu einer Aufspaltung der BayernLB kommt und diese einzelne Geschäftsbereiche losschlägt. „An den Beispielen Land Transportation der DVB oder auch Kofiba sehen Sie, dass wir immer grundsätzlich bereit sind, Marktoportunitäten, egal, wo sie sich bieten, zu nutzen“, sagte Finanzchef Detlef Hosemann bei der Vorlage der Halbjahreszahlen.

Auch ihre IT will die Helaba umbauen. 2017 hatte das Institut die geplante Erneuerung ihres Kernbankensystems gestoppt, weil die EZB Mängel bei der Helaba-IT festgestellt hatte und diese zunächst abgestellt werden mussten.

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Inzwischen sei die Bank mit dem Thema IT-Compliance „weit fortgeschritten“, sagte Hosemann. Deshalb könne sich die Bank voraussichtlich 2020 wieder mit einem neuen Kernbankensystem beschäftigen. Es gehe dabei um die Zukunftsfähigkeit der Bank, stabil aufgestellt sei das Geldhaus auch mit dem bisherigen System.

Im Gegensatz zu den beiden anderen großen Landesbanken, der BayernLB und der Stuttgarter LBBW, ist die Helaba mehrheitlich in Sparkassenhand. Deshalb gilt sie neben dem Fondsdienstleister Deka, der komplett den Sparkassen gehört, als möglicher Nukleus einer Super-Landesbank. Helaba-Chef Grüntker hatte sich im Frühjahr offen für eine Konsolidierung im Landesbankensektor gezeigt – und dabei eine Fusion mit der Deka als ersten Schritt angeregt.

Sparkassenpräsident Helmut Schleweis schwebt vor, alle Landesbanken zu einer Sparkassenzentralbank zu verschmelzen. Die meisten der rund 380 Sparkassen stehen hinter dem Plan, der vor knapp einem Jahr bekannt wurde.

Gerade bei den Ländern Bayern und Baden-Württemberg, die an der BayernLB beziehungsweise an der LBBW maßgeblich beteiligt sind, muss Schleweis allerdings noch Überzeugungsarbeit leisten. Sein Vorbild sind die Genossenschaftsbanken. Die fast 900 Volks- und Raiffeisenbanken kommen inzwischen mit einem Spitzeninstitut aus, der DZ Bank.

Eine mögliche Fusion von Commerzbank und Helaba, über die der Branchendienst „Platow Brief“ diese Woche spekuliert hatte, gilt indes als abwegig. Zahlreiche mit dem Thema vertraute Personen bezeichneten einen solchen Zusammenschluss als völlig unrealistisch.

Die Commerzbank arbeitet ihrerseits gerade an einer neuen Strategie, die Ende September oder im Laufe des Oktobers vorgestellt werden dürfte. Dabei prüft das Institut nach Handelsblatt-Informationen auch weitere Stellenstreichungen und eine Ausdünnung des Filialnetzes. Die Deutsche Bank hat bereits im Juli den Abbau von 18.000 Arbeitsplätzen angekündigt. Die Zeiten für Banker werden also rauer – auch bei der Helaba.

Mehr: Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis bereitet Kunden im Handelsblatt-Interview auf höhere Kosten vor.

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