Landesbank Widerstand gegen zweite Amtszeit von BayernLB-Chef

Im Februar läuft der Vertrag von Bayern-LB-Chef Johannes-Jörg Riegler aus. Trotz guter Zahlen gibt es Widerstand gegen eine weitere Amtszeit.
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Die BayernLB in München: Operativ läuft es wieder gut. Der Vertrag von Vorstandschef Riegler läuft jedoch aus. Quelle: dpa
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Die BayernLB in München: Operativ läuft es wieder gut. Der Vertrag von Vorstandschef Riegler läuft jedoch aus.

(Foto: dpa)

MünchenDie Zahlen, die die BayernLB am kommenden Freitag für das erste Halbjahr präsentieren wird, dürften kaum Anlass für Kritik bieten. Ein Ergebnis von 426 Millionen Euro wie im Vorjahreszeitraum soll wieder erreicht werden, heißt es aus dem Umfeld der Bank. Womöglich sogar ein bisschen mehr. Dass deswegen das angepeilte Jahresziel im mittleren dreistelligen Millionenbereich übertroffen wird, gilt als sicher.

Operativ läuft es schon länger wieder rund bei der zweitgrößten Landesbank in Deutschland hinter der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Dafür hakt es momentan an anderer Stelle. Der Vertrag von Vorstandschef Johannes-Jörg Riegler läuft im Februar kommenden Jahres aus. Die Verlängerung ist nach aktuellem Stand zumindest fraglich, heißt es.

Im Moment gleicht die Situation einem Ränkespiel zwischen Erneuerern und Bewahrern in dem Geldhaus, zwischen früheren und heutigen Managern. Hinzu kommt der Einfluss der Politik: Drei Viertel der Landesbank gehören dem Freistaat Bayern, das verbleibende Viertel gehört den bayerischen Sparkassen.

Die Eigner warben Riegler im Jahr 2014 von der NordLB in Hannover ab. Dort galt der damals 50-jährige Unterfranke als Kronprinz des langjährigen Vorstandschefs Gunter Dunkel. Mit einem auf 500.000 Euro gedeckelten Gehalt startete er damals, mittlerweile sind es 750.000 Euro. Über ein solches Salär dürfte man in internationalen Geschäftsbanken wohl nur lächeln. In Sparkassenkreisen hält man es jedoch für angemessen. Nur eine Anpassung sei bei einer Verlängerung möglich, ist zu hören.

Riegler hätte für seinen neuen Vertrag jedoch gern mehr. Von einer Verdoppelung soll die Rede sein, heißt es aus Unternehmenskreisen. Genau daran reiben sich im Moment sowohl das Land als Mehrheitseigner als auch die bayerischen Sparkassen.

Fürsprecher Söder

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gilt schon seit seinem vorherigen Job als Finanzminister des Landes als großer Fürsprecher Rieglers. Damals war er direkt für die Landesbank zuständig und bezeichnete sie bei offiziellen Anlässen stets als die zweitliebste Beteiligung nach dem Münchener Hofbräuhaus. Er rechnet Riegler hoch an, dass bei der BayernLB wieder Geld verdient wird, eine geschäftliche Perspektive geschaffen wurde mit Schwerpunkt auf dem Mittelstand und dass letztlich Ruhe in der Bank eingekehrt ist.

Zu Rieglers Antritt sah das noch anders aus. Mit einer Summe von zehn Milliarden Euro hatte der Freistaat in der Zeit der Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 die Bank vor dem Exodus gerettet. Die EU hatte daraufhin die Rückzahlung von fünf Milliarden Euro bis zum Jahr 2019 angeordnet. Mitte vergangenen Jahres und damit zweieinhalb Jahre früher als vereinbart floss die letzte Rate von einer Milliarde Euro zurück. Die Bank kann seither wieder ohne einen sogenannten „Trustee“, einen Aufpasser aus Brüssel, am Markt agieren.

Söders Problem bei der Vertragsverlängerung für Riegler ist die schwierige Landtagswahl in Bayern am 14. Oktober. Dass seine Partei, die CSU, wieder die absolute Mehrheit erzielt, gilt aktuellen Umfragen zufolge als unwahrscheinlich. Vermutlich dürften in den neuen Landtag zwischen fünf und sieben Parteien einziehen, was eine Mehrheitsfindung schwierig macht. Koalitionsverhandlungen, mit denen man ohnehin in Bayern wenig Erfahrung hat, könnten sich über Wochen hinziehen.

Und damit auch die wichtige Personalie Riegler. Für wahrscheinlicher halten es deshalb Beobachter, dass es noch im September zu einer Lösung kommt. Dazu müssten sich aber auch die bayerischen Sparkassen als 25-Prozent-Eigner zu einer Entscheidung durchringen. Deren Verhältnis zu Riegler gilt aber als nicht immer einfach. Als die Landesbank für das abgelaufene Jahr erstmals seit rund einem Jahrzehnt wieder eine Dividende ausschüttete, waren viele bei den Sparkassen trotzdem nicht zufrieden. Etwas mehr als die 50 Millionen Euro hätte es schon sein dürfen, hieß es von dort. Zumal davon drei Viertel an den Freistaat flossen.

Riegler indes geht der digitale Wandel bei den Sparkassen nicht immer schnell genug, ist aus seinem Umfeld zu hören. Der Genossenschaftssektor sei hier in einigen Bereichen schon weiter.

Diskussion um DKB

Hinzu kommt die stetige Diskussion um die BayernLB-Tochter DKB. Mit ihren 3,8 Millionen Kunden gilt das Berliner Institut mittlerweile als Nummer zwei in Deutschland unter den Direktbanken. In den ersten drei Monaten des Jahres hat die DKB 114 Millionen Euro verdient und damit fast die Hälfte zum Gewinn des Konzerns beigetragen. Im Sparkassenlager nimmt man das Direktinstitut vereinzelt als Wettbewerber wahr. Aufseiten der BayernLB sieht man die DKB dagegen nicht als Konkurrenz zu den Sparkassen, sondern zu den großen Direktbanken wie ING und Cortal Consors.

Es müssten also noch einige Dinge geklärt werden, bevor BayernLB-Chef Riegler seinen Vertrag verlängern kann. Dass er sich eine Zukunft dort vorstellen kann, ließ er kürzlich beim Sommerempfang durchblicken. „Wir haben nach viereinhalb Jahren die Bank heute da, wo wir sie damals haben wollten“, sagte er mit gewissem Stolz. Bislang scheint nur eine Sache klar zu sein: In den kommenden Wochen wird es noch keine Entscheidung geben. Riegler hat sich am vergangenen Freitag in den Sommerurlaub verabschiedet.

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