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Landesbanken Erfolg der DKB führt zum Radikalumbau der BayernLB

Die Direktbank-Tochter DKB soll innerhalb der BayernLB künftig eine weit größere Rolle spielen. Die Eigentümer bremsen den Prozess allerdings noch.
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Die Landesbank hat eine extrem erfolgreiche Direktbank-Tochter. Quelle: ullstein bild - R?hrbein
BayernLB

Die Landesbank hat eine extrem erfolgreiche Direktbank-Tochter.

(Foto: ullstein bild - R?hrbein)

MünchenDer 21. März wird ein erfreulicher Tag für die BayernLB werden. Edgar Zoller, der Übergangs-CEO, und sein Finanzvorstand Markus Wiegelmann werden dann einen Gewinn vor Steuern zwischen einer Dreiviertelmilliarde und einer Milliarde Euro präsentieren. So viel verdiente zuletzt keine andere Landesbank in Deutschland.

Der genauere Blick in die Zahlen der BayernLB zeigt jedoch schon länger, dass der hohe Gewinn ganz massiv von der Tochter DKB abhängig ist. Mehr als 40 Prozent trug die Direktbank schon nach neun Monaten des abgelaufenen Jahres zum Gesamtgewinn bei. Tendenz steigend, zumal das Berliner Institut bei der Kundenzahl in Deutschland gerade erst die Marke von vier Millionen übersprungen hat.

Die anderen Sparten wie Unternehmen und Mittelstand, Immobilien, das Verbundgeschäft mit den Sparkassen oder der Bereich Finanzmärkte zeigten zuletzt Licht und Schatten, jedoch längst nicht die Dynamik der DKB. „Aus dem zarten Pflänzchen von einst ist der Treiber für unser Geschäft geworden“, berichtet ein Insider. Einst aus dem Erbe der untergegangenen DDR hervorgegangen, gehört die DKB seit 1995 schon der BayernLB.

Umfassende Weiterentwicklung geplant

Der Erfolg der Tochter hat bei der Mutter zu Plänen für eine weitreichende Veränderung der gesamten Bank geführt. Nach Informationen des Handelsblatts liegt der bayerischen Staatsregierung seit gut anderthalb Jahren bereits ein Konzept vor, das eine radikale Weiterentwicklung des Status quo bedeuten würde. Demnach soll die DKB das neue Aushängeschild der Bank sein, sogar der Name DKB soll an erster Stelle stehen. Die restlichen Bereiche würden daran angedockt.

In einem weiteren Entwicklungsschritt soll den Planungen zufolge das bislang in Deutschland erfolgreiche Geschäftsmodell europaweit ausgerollt werden. Vorbild ist dafür der niederländische Branchenführer ING. „Das wäre sogar möglich, ohne dass dafür allzu große Investitionen nötig wären“, heißt es aus Kreisen der Bank.

Dem Vernehmen nach sollen sowohl der gerade ausgeschiedene Vorstandschef Johannes-Jörg Riegler als auch der neue Aufsichtsratschef Wolf Schumacher die Pläne befürwortet haben. Sogar ein Börsengang sei denkbar, hieß es. „Innovative Banken wie die DKB oder N26 sind momentan die einzigen, für die man am Kapitalmarkt Geld bekäme“, sagte ein Insider. Man müsse dafür aber schnell sein, in wenigen Jahren könne die Lage bereits ganz anders aussehen.

Ob diese Pläne indes jemals Realität werden, ist fraglich. Das liegt vor allem an den Besitzern der BayernLB, die einen solch radikalen Umbau abwartend gegenüberstehen. Die Landesbank gehört zu drei Vierteln dem Freistaat Bayern, das verbleibende Viertel besitzen die bayerischen Sparkassen.

Deren Präsident Ulrich Netzer gab sich bei der Präsentation der Zahlen am Dienstag diplomatisch. „Das Geschäftsmodell der BayernLB unterscheidet sich mit der DKB ein Stück weit von den anderen Landesbanken“, sagte er vielsagend und meinte damit die Finanznöte andernorts. Es sei deshalb gemeinsam mit dem Finanzministerium zu besprechen, wie der erfolgreiche Weg weitergeführt werde.

Annäherung der Sparkassen

Hinter den Worten steht auch eine Annäherung der Sparkassen an die DKB, nachdem die Direktbank vor einigen Jahren noch offen als Konkurrenz gesehen wurde. „Die Erkenntnis wird immer stärker, dass die DKB Kunden anzieht, die wir nicht bekommen“, so Netzer. Das ließen die Sparkassen sogar messen. Bundesweit lag die Zahl der Wechsler von den Sparkassen zur DKB und umgekehrt lediglich im dreistelligen Bereich.

Oder anders ausgedrückt: Ein Kunde, der sich für das Angebot einer Direktbank interessiert, wird die DKB, die ING, die Commerzbank-Tochter Comdirect oder die Consorsbank, eine Tochter der französische Großbank BNP Paribas, in seine Auswahl einbeziehen und nicht die Sparkassen.

Sehr viel schwerer tut man sich beim Mehrheitseigner im bayerischen Finanzministerium mit einer Reaktion. Eine entsprechende Anfrage des Handelsblatts wollte man dort nicht beantworten. Mit Privatisierungen von Staatsbesitz hat der Freistaat Bayern schließlich schlechte Erfahrungen gemacht.

Paradebeispiel dafür ist die Gemeinnützige Bayerische Wohnungsgesellschaft GBW. Deren rund 30. 000 Wohnungen gingen im Jahr 2013 an ein Investorenkonsortium um das Augsburger Immobilienunternehmen Patrizia. Immer wieder hob die Opposition in den Jahren danach das Thema auf die politische Agenda. Mieter sollen nach dem Verkauf aus ihren Wohnungen gedrängt worden sein, damit diese anschließend hochpreisig neu vermietet oder verkauft werden konnten, lautete der Vorwurf.

Richtungsweisender Personalkampf

Auch im Landtagswahlkampf im vergangenen Herbst war das Thema noch immer ein Aufreger in der Bevölkerung. Deswegen sollten die Pläne um eine mögliche Privatisierung der BayernLB auch möglichst lange unter Verschluss bleiben, vermutet man im politischen Umfeld in München.

Sogar ein halbes Jahr nach der Wahl tue man sich mit dem Vorhaben schwer und befürchte bei der Landesbank eine ähnlich emotional aufgeladene Stimmung bei den Bürgern wie einst bei den Staatswohnungen, heißt es.

Richtungsweisend für den weiteren Weg der BayernLB wird deshalb die Toppersonalie des Hauses sein. Nach dem Abgang des bisherigen Vorstandschefs Johannes-Jörg Riegler Ende Februar führt dessen Vize Edgar Zoller interimistisch die Bank, bis ein neuer Chef gefunden ist.

Als Topkandidat gilt bisher Stephan Winkelmeier, einst Finanzvorstand der Landesbank und inzwischen Chef der FMS Wertmanagement. Dort werden die Altbestände der einstigen Skandalbank Hypo Real Estate abgewickelt.

Nach Informationen des Handelsblatts schaut sich der Aufsichtsrat aber auch unter Topmanagern der Direktbanken ING, Comdirect und Consorsbank um. Käme der neue BayernLB-Chef von dort, wäre das ein deutliches Zeichen, dass die großen Pläne für die DKB auch Realität werden könnten.

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