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Landesbanken Sparkassenpräsident warnt vor Abwicklung der NordLB und wirbt für eine „Super-Landesbank“

Verbandspräsident Schleweis schreibt einen Brief an die Vorstände der 384 Sparkassen. Der Einstieg privater Investoren habe viele Nachteile.
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Helmut Schleweis hält am Ziel einer einzigen Landesbank fest. Quelle: dpa
NordLB

Helmut Schleweis hält am Ziel einer einzigen Landesbank fest.

(Foto: dpa)

FrankfurtEs sind weit mehr als nur gute Neujahrswünsche, die Sparkassenpräsident Helmut Schleweis diese Woche an die Vorstände der 384 Sparkassen verschickt hat. In dem vierseitigen Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt, fordert er von den Sparkassen eine aktive Rolle beim Umbau der Landesbanken und bei der Stützung der kriselnden NordLB. „Ein wie auch immer geartetes Abwicklungsszenario kann für uns nicht in Betracht kommen“, mahnt Schleweis.

Die von der Schiffskrise gebeutelte NordLB braucht dringend frisches Kapital und verhandelt deshalb Finanzkreisen zufolge mit den Finanzinvestoren Cerberus und Centerbridge über einen Einstieg bei der Bank.

Doch aus Sicht von Schleweis hätte eine Beteiligung privater Investoren an der NordLB für den öffentlich-rechtlichen Sektor viele Nachteile. Es gebe „erhebliche kritische Punkte“, erklärt Schleweis. Beide Bieter wollten, dass die NordLB auch nach der Teilprivatisierung Mitglied im Haftungsverbund von Sparkassen und Landesbanken bleibt.

Falls ein Einstieg privater Investoren am Ende nicht abgewendet werden kann, fordert Schleweis, die Braunschweigische Landessparkasse aus der NordLB herauszulösen und bei einem öffentlich-rechtlichen Institut anzudocken. Das Gleiche gelte für die Beteiligungen der NordLB an der Landesbausparkasse Nord und der Dekabank.

Schleweis schließt eine Teilprivatisierung der NordLB in seinem Brief nicht kategorisch aus. Aber er macht deutlich, dass ihm eine öffentlich-rechtliche Auffanglösung deutlich lieber wäre. Am Montag kommen in der Zentrale des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) in Berlin die Chefs der Landesbanken und der regionalen Sparkassenverbände zusammen, um über die Zukunft der NordLB zu beraten.

Im Vorfeld wird heftig darüber gestritten, wie eine öffentlich-rechtliche Lösung aussehen könnte – und wer wie viel Geld dafür bereitstellen soll. Andere Landesbanken wollen die Lasten nicht allein tragen. Sie sehen neben den Eigentümern der NordLB auch andere Sparkassen in der Pflicht, die eigenes Geld und das ihrer Kunden in NordLB-Anleihen investiert haben – denn auf sie kämen bei einer Abwicklung der Hannoveraner Bank große Belastungen zu.

NordLB braucht Kapital

Auch eine Auffanglösung nach dem Vorbild des Vorgehens bei der WestLB gilt als denkbar. Die Westdeutsche Landesbank war 2012 aufgespalten worden; es gab eine Abwicklungsbank, und gesunde Teile wanderten zur Landesbank Hessen-Thüringen. Geld kam damals nicht nur von den Trägern, sondern auch von anderen Sparkassen und Landesbanken in Deutschland.

Vor einer Abwicklung der NordLB warnt Schleweis mit deutlichen Worten. Sowohl bei einer freiwilligen als auch bei einer behördlich angeordneten Abwicklung würde das gemeinsame Sicherungssystem von Sparkassen und Landesbanken „angesprochen“, erklärte Schleweis.

Auch eine Belastung von Anleihegläubigern müsse unbedingt verhindern werden. Deshalb müssten alle konstruktiv an einer Lösung für die NordLB mitwirken. „Das kann durch befriedigende Lösungen mit privaten Investoren geschehen, aber auch durch eine eigene Lösung der Sparkassen-Finanzgruppe.“

Schleweis erklärte in dem Brief weiter, dass für zwei Schiffsportfolios der NordLB inzwischen bindende Angebote vorliegen. Der Verkauf hätte aber zur Folge, dass bei der NordLB eine Kapitallücke entstünde, die nun dringend gefüllt werden müsse. Insgesamt wird der Kapitalbedarf auf rund drei Milliarden Euro geschätzt. Die Anspannung bei Landesbanken und Sparkassen ist entsprechend groß – und der Druck auf Schleweis gewaltig.

Der seit Anfang 2018 amtierende Sparkassenpräsident arbeitet seit Wochen hinter den Kulissen an einer Notfalllösung, falls die Gespräche mit den Finanzinvestoren platzen sollten. Fusionsverhandlungen zwischen der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und der NordLB waren bereits vor Wochen gescheitert.

Denn die Helaba, die NordLB sowie deren Eigentümer konnten sich nicht auf die Rahmenbedingungen eines Zusammenschlusses verständigen. Das Land Niedersachsen, der Mehrheitseigner der NordLB, konzentriert sich deshalb auf die Gespräche mit den Finanzinvestoren, die Interesse an einem Einstieg bekundet haben.

Die Zeit wird knapp

Doch ob es am Ende tatsächlich zu einer Einigung mit Cerberus und Centerbridge kommt, ist ungewiss. Die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank hat die Sparkassen-Finanzgruppe deshalb Insidern zufolge aufgefordert, alternative Lösungen vorzubereiten.

Denn die Zeit drängt: Spätestens im Februar wollen die Aufseher eine belastbare Lösung auf dem Tisch liegen haben, wie die NordLB ihren Sicherheitspuffer stärken kann. Auch für die Bonitätsnote der Bank ist eine rasche Lösung des Kapitalproblems wichtig, denn eine weitere Herabstufung durch die Ratingagenturen könnte dem Institut große Probleme bereiten.

Öffentlich-rechtliche Banker räumen ein, dass es sehr schwierig wird, innerhalb kurzer Zeit eine Auffanglösung zu basteln, bei der die potenziellen Risiken für alle Gruppenmitglieder eins zu eins berücksichtigt werden. Angesichts der Streitigkeiten gehen viele davon aus, dass am Ende doch Finanzinvestoren den Zuschlag bekommen, sofern diese halbwegs attraktive Angebote vorlegen.

Für Schleweis wäre das ein Rückschlag. Er setzt sich seit Monaten für eine umfassende Konsolidierung des Landesbanken-Sektors ein. Am Ende solle eine Super-Landesbank stehen, die Schleweis in seinem Schreiben eine gemeinsame Sparkassen-Zentralbank nennt.

Die Diskussion darüber sei unabhängig von den Herausforderungen rund um die NordLB erforderlich. „Nach meiner Überzeugung ist es zwingend, die für den künftigen Wettbewerb notwendige Größenordnung im Landesbankensektor durch eine Bündelung der Kräfte in einer Sparkassen-Zentralbank herzustellen“, erklärte Schleweis.

„Nur durch eine überregionale Bündelung scheint es mir auch möglich, in der notwendigen Weise einen Risikoabbau durchzusetzen.“ Die Sparkassen stünden hinter dieser Idee, jedoch nicht alle anderen Eigentümer von Landesbanken.

Ursprünglich hatte sich Schleweis für einen Zusammenschluss der NordLB mit der Helaba starkgemacht. Anschließend sollte das fusionierte Institut dann noch mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), dem Fondsanbieter Deka und der Immobilienbank Berlin Hyp verschmelzen. Eine solche Super-Landesbank würde auf eine Bilanzsumme von rund 700 Milliarden Euro kommen und damit nach der Deutschen Bank zum zweitgrößten Geldhaus der Bundesrepublik aufsteigen.

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