Langfristkredite in Gefahr? Banken schlagen wegen Regulierung Alarm

„Aufschrei quer durch die Länder“: Deutsche Privatbanken schlagen Alarm. Ihrer Ansicht nach gefährde die fortschreitende Regulierung insbesondere langfristige Kredite. Die deutschen Institute brauchen mehr Eigenkapital.
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Die Bankentürme stehen in Frankfurt im letzten Abendlicht: Die Banken Europas reagieren alarmiert auf die fortschreitende Regulierung.. Quelle: dpa
Frankfurter Skyline

Die Bankentürme stehen in Frankfurt im letzten Abendlicht: Die Banken Europas reagieren alarmiert auf die fortschreitende Regulierung..

(Foto: dpa)

FrankfurtDie deutschen Banken warnen angesichts der Pläne der internationalen Finanzregulierer vor negativen Folgen bei der Vergabe langfristiger Kredite. Der Baseler Ausschuss für Finanzaufsicht überschätze das Risiko, dass deutsche Kunden bei stark steigenden Zinsen ihre Einlagen schnell umschichten, sagte der Hauptgeschäftsführer des Privatbanken-Verbandes BdB, Michael Kemmer, am Montag in Frankfurt.

Wenn sich die Aufseher mit ihren Plänen durchsetzten, könnten Sparbücher und Tagesgelder nicht mehr im bisherigen Maße zur Refinanzierung von Langfrist-Krediten verwendet werden. „Die bei uns üblichen Festzinskredite von 10 Jahren oder mehr wären in der Fläche zu fairen Preisen wohl kaum noch anbietbar“, heißt es in einem Positionspapier des Verbandes.

„Die Banken haben zwei Möglichkeiten zu reagieren: entweder es gibt keine Langfrist-Kredite mehr, oder sie müssen den bei den Kunden beliebten Festzins aufgeben“, sagte Michaela Sattler, Bilanzierungsexpertin des BdB, bei der Vorstellung des Papiers. Deutsche Bankkunden reagierten – anders als etwa brasilianische – kaum auf Zinsänderungen, auch bei täglich kündbaren Einlagen wie Girokonten oder Tagesgeld, sagte Kemmer.

„Wir sehen hier eine hohe Stabilität, selbst in Krisenzeiten.“ Daher unterlegten deutsche Banken ihre langfristigen Kredite häufig mit diesen Geldern. Das wolle der Baseler Ausschuss nun begrenzen: Einlagen sollten künftig weltweit einheitlich nur noch mit einer Laufzeit von 1,8 Jahren bewertet werden.

Von null auf hundert und zurück
09. Januar 2012
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Negativ verzinste deutsche Staatspapiere: Erstmals gelingt es Deutschland, kurzfristige Geldmarktpapiere  mit Gewinn zu verkaufen. Wer an diesem Tag Anleihen mit einer Laufzeit von sechs Monaten kauft, bekommt am Ende der Laufzeit weniger vom Fiskus überwiesen, als er am Anfang investiert hat.

Die Gründe sind vielfältig: Weil die Anleihen der Krisenstaaten vom Ausfall bedroht sind, flüchten alle in deutsche Titel. Gleichzeitig pumpt die EZB über großzügige Sonder-Kredite an die Banken frisches Geld in die Märkte, das die Unternehmen gar nicht ausleihen wollen. Die Nachfrage nach Krediten ist klein, das Angebot an Geld groß. Das drückt auf die Renditen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt zu diesem Zeitpunkt bei 1,85 Prozent.

26. Juli 2012
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„Whatever it takes.” Investoren sind wenige Monate nach dem griechischen Schuldenschnitt in Panik. Die Kurse der Anleihen aller Euro-Randländer fallen, ihre Renditen steigen. Da spricht EZB-Chef Mario Draghi bei einer Konferenz in London ein Machtwort. „Die EZB wird innerhalb ihres Mandats alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, es wird ausreichen.“ Damit leitet Draghi eine Erholung der Anleihen der Euro-Randländer ein. Doch auch Bundesanleihen bleiben gefragt. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt bei 1,32 Prozent – und sinkt immer weiter.

11. Juni 2014
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Zentralbankzins für Einlagen unter null: Die Euro-Zone kommt wirtschaftlich noch immer nicht vom Fleck. Obwohl die EZB die Leitzinsen immer weiter gesenkt hat, bleibt die Kreditvergabe schwach. Die Notenbank geht also noch einen Schritt weiter: Sie senkt den Leitzins auf 0,05 Prozent, der Einlagezins fällt auf minus 0,1 Prozent. Geschäftsbanken, die ihr Geld bei der EZB parken und nicht verleihen wollen, zahlen jetzt Strafe. Im September 2014 erhöht die EZB diesen „Strafzins“ auf 0,2 Prozent.

17. September 2014
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Der Bund verdient Geld mit Anleihen. Die Negativzinsen fressen sich bei Bundeswertpapieren weiter durch. Deutschland stockt erstmals eine Anleihe mit zwei Jahren Laufzeit zu einer Minusrendite auf. Diese liegt bei minus 0,07 Prozent. Aufgestockt wird die Anleihe um 3,3 Milliarden Euro. Begeben worden war sie am 20. August 2014 mit einem historisch niedrigen Zinsschein von null Prozent und einer Rendite von ebenfalls null Prozent.

16. Januar 2015
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Die Schweiz schreibt Geschichte am Anleihemarkt: Erstmals sinkt in einem Land  die Rendite einer Anleihe mit der Laufzeit von zehn Jahren unter null Prozent. Grund dafür war die überraschende Entscheidung der Schweizer Notenbank vom Vortag, den Euro-Mindestkurs zum Franken aufzuheben. Die Folge: Der Franken wertet drastisch auf, die Aktienkurse brechen ein – und Anleger fliehen in Anleihen. 

Am 9. April profitieren die Schweizer Steuerzahler von den Minuszinsen. Die Schweiz stockt die die zehnjährige Anleihe, die einen Zinsschein von 1,5 Prozent hat, zu einem Kurs von 116 Prozent auf. Daraus errechnet sich bei der Auktion eine negative Rendite von minus 0,055 Prozent. Anleger versuchen damit, den Strafzins von 0,75 Prozent zu umgehen, den die Schweizer Notenbank für kurzfristige Einlagen von Banken  festgelegt hat.

22. Januar 2015
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Die EZB macht Ernst. Die Notenbank kündigt ein massives Kaufprogramm für Wertpapiere – vor allem Staatsanleihen an. Bis mindestens September 2016 will sie öffentliche Anleihen – sprich Staatsanleihen, Anleihen von nationalen Förderbanken sowie supranationalen Institutionen kaufen. Dazu kommen die schon länger laufenden Programme für gedeckte Bankenanleihen (Covered Bonds) und Verbriefungen (ABS). Insgesamt wollen die EZB und vor allem die nationalen Notenbanken monatlich Wertpapiere über 60 Milliarden Euro erwerben – also insgesamt 1,14 Billionen Euro. Die zehnjährige Bundesanleihe wirft für Neueinsteiger nur noch 0,45 Prozent Rendite ab.

25. Februar 2015
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Der Bund verdient jetzt Geld mit einer Fünfjahres-Anleihe. Deutschland stockt erstmals eine Anleihe mit fünf Jahren auf, für die das Land von Anlegern Gebühren bekommt, statt Zinsen zu zahlen. Eingenommen werden zu einer Rendite von minus 0,08 Prozent 3,3 Milliarden Euro. Seit der Emission am 21. Januar hat auch diese fünfjährige Anleihe einen Kupon von null Prozent.

Die deutschen Banken brauchten deshalb deutlich mehr Eigenkapital. Für realistischer hält der BdB fünf Jahre – zumindest in Deutschland. „Wir haben da auch schon interveniert“, sagte der Banken-Funktionär. „Da geht der Aufschrei quer durch die Länder.“ Die Verbände in den USA, Japan und Großbritannien sähen die Vorstellungen aus Basel ebenfalls kritisch. Auch im Kreis der Bankenaufseher gebe es erhebliche Meinungsverschiedenheiten zu dem Modell.

  • rtr
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1 Kommentar zu "Langfristkredite in Gefahr?: Banken schlagen wegen Regulierung Alarm"

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  • tja, so ist das wenn man alles gleich machen will. mal gewinnt man, mal verliert man.

    in diesem Fall verlieren die Deutschen, die einen langfristigen Kredit möchten.

    gestern gewannen sie - durch die auf 10 Jahre festgeschriebenen niedrigen Zinsen.

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