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Larry Fink im Interview Blackrock-Chef fordert von Deutschland: „Der Staat muss mehr investieren“

Der Chef des weltgrößten Vermögensverwalters erklärt, wofür der deutsche Staat Geld ausgeben sollte. Und warum er die Altersvorsorge für das größte Problem weltweit hält.
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Im Interview mit Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe (l.) warnt Blackrock-Chef Larry Fink vor Negativzinsen. Quelle: Uta Wagner für Handelsblatt
Klare Worte

Im Interview mit Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe (l.) warnt Blackrock-Chef Larry Fink vor Negativzinsen.

(Foto: Uta Wagner für Handelsblatt)

Frankfurt Larry Fink hat an diesem Mittwoch ein volles Programm in Frankfurt. Nach seinem Auftritt auf dem Banken-Gipfel des Handelsblatts feiert der Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock zusammen mit seinen Kollegen das Jubiläum des 25-jährigen Bestehens des Unternehmens in Deutschland. Vor der offiziellen Jubiläumsparty am Abend diskutierte er mit Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe.

Nur selten stand die globale Wirtschaft vor größeren Herausforderungen. Der Protektionismus nimmt zu, der Handelskrieg zwischen den USA und China dauert an. Dazu kommen der Brexit und der weltweite Kampf für den Klimaschutz. Was ist die größte Herausforderung?
Wir sollten nicht so sehr auf kurzfristige Entwicklungen schauen. Es geht eher darum, wie wir für die Menschen eine langfristig bessere finanzielle Zukunft sichern. Ein Grund für den wachsenden Populismus ist die zunehmende Ungleichverteilung des Reichtums. Natürlich gibt es jede Menge kurzfristige Risiken, aber die Menschen die mit einem Zeithorizont von 20, 30 oder 40 Jahren für ihr Alter vorsorgen, sollten sich davon nicht allzu sehr beunruhigen lassen.

Worüber sollten wir uns dann Sorgen machen?
Ich glaube, dass das größte Problem weltweit die Altersvorsorge ist. Die globale Ökonomie ist davon abhängig, wie beispielsweise China dieses Problem löst. Das erklärt auch die aktuelle Wachstumsschwäche Chinas – das liegt nicht unbedingt an den Handelsauseinandersetzungen mit den USA. China muss ein System für die Altersvorsorge entwickeln, dann müssten die Menschen weniger sparen und könnten mehr konsumieren. Das würde die chinesische Binnenwirtschaft stärken. Das ist für mich ein wesentliches Thema für die globale Ökonomie.

Sie meinen also, dass der Handelskrieg zwischen den USA und China keine Rolle spielt?
Kurzfristig natürlich schon. Das sieht man bereits an der schwindenden Zuversicht der Unternehmer. Für die Firmen ist es natürlich sehr schwer, ihre strategischen Ziele festzulegen, wenn sie nicht wissen, wie die Auseinandersetzung endet. Aber die wirtschaftliche Lage in den USA sieht nicht schlecht aus. Die Löhne steigen, die Verbraucherstimmung ist gut. Es ist nicht großartig, aber es ist okay.

Europa hat dagegen Angst vor einer empfindlichen Abkühlung der Konjunktur. Deshalb will die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik noch einmal lockern. Eine gute Idee?
Ich bin gegen negative Zinsen. Die Sparer würden sehr darunter leiden, außerdem profitieren die Europäer nicht so stark von negativen Zinsen wie die Amerikaner, weil sie ihre Immobilien nicht so stark über Kredite finanzieren. Ich glaube nicht, dass noch niedrigere Zinsen oder neue Anleihekäufe die Wirtschaft spürbar beleben können.

Wenn Sie glauben, dass eine noch lockerere Geldpolitik kein Ausweg ist, was sollte die EZB denn dann tun?
Das Beste, was die Notenbank tun könnte, wäre, die Politik zu überzeugen, mehr Verantwortung zu übernehmen. Deutschland braucht mehr Staatsinvestitionen. Wirtschaftlich ist das Land dazu ohne jeden Zweifel stark genug. Ich fürchte, dass die traditionelle Angst der Deutschen vor Inflation im Moment zum Wachstumshemmnis wird.

Wie könnten Staatsinvestitionen konkret aussehen?
Deutschland verfügt beispielsweise über eine herausragende Automobilindustrie. Die Autobauer investieren große Summen in die Elektromobilität. Wäre es nicht sinnvoll, wenn der Staat möglichst schnell auch die entsprechende Infrastruktur dafür bereitstellte? Die deutschen Autos gehören zu den besten der Welt – ich habe übrigens selbst zwei Exemplare. Ich kann nicht verstehen, warum es in Deutschland kein flächendeckendes Netz an Ladesäulen für elektrische Fahrzeuge gibt. Das würde das Wirtschaftswachstum stimulieren. Andere Länder sind da schon weiter.

Was wäre denn Ihr Vorschlag an die leidgeprüften Sparer in der aktuellen Lage?
Die Deutschen haben sehr viel Geld auf Sparbüchern und Tagesgeldkonten liegen, das ist eigentlich irrational. Langfristige Anlageziele sollten auch langfristig finanziert werden.

Kommen wir für einen Moment zurück zu den Trends in der Weltwirtschaft. Haben Sie den Eindruck, dass Europa den USA in Sachen Technologie hinterherhinkt?
Die kurze Antwort lautet: Ja. Die etwas längere Antwort wäre: Jeder ist an Unternehmen interessiert, die das Leben bequemer machen. Das schaffen Konzerne wie Uber, Amazon oder Alibaba. Eher traditionell orientierte Unternehmen, wie sie in Europa stark vertreten sind, haben das noch nicht so stark im Fokus.

Woran liegt das?
In den USA und auch in Asien ist der Unternehmergeist stark ausgeprägt. Die Gesellschaften verändern sich sehr schnell, nicht nur die Bedürfnisse der Verbraucher, sondern auch die der Mitarbeiter. Ich glaube, dass sich Europas Unternehmen etwas schwerer tun, sich an diese Veränderungen anzupassen.

Wie sieht es in Ihrer eigenen Branche aus? Haben die Vermögensverwalter weltweit ihre besten Zeiten hinter sich? Die Gewinne sinken, vor allem das Geschäft mit privaten Kunden läuft aktuell schlecht, und es gibt zu viele Anbieter und Produkte am Markt.
Es gibt tatsächlich einen großen Konsolidierungsbedarf. Die Versicherer haben konsolidiert, die Banken außerhalb Deutschlands ebenfalls, aber die Vermögensverwalter bisher nicht.

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Denken Sie selbst an Übernahmen?
In der Vergangenheit haben wir große Zukäufe gemacht, aber nie um Kosten zu senken oder Kapazitäten aus dem Markt zu nehmen. Wir haben zugekauft, um zu wachsen und um unser Angebot zu erweitern. Das wird auch in Zukunft so sein. Ich sehe im Moment zum Beispiel in Brasilien und China attraktive Möglichkeiten für Blackrock.

Eine der einflussreichsten Interessenvertretungen der großen US-Unternehmen, der Business Roundtable, hat jüngst gefordert, dass sich Firmen nicht mehr ausschließlich am Shareholder Value orientieren sollen. Sie haben den Brief mit unterschrieben. Warum?
Die Wirtschaft muss sich dem gesellschaftlichen Wandel anpassen. In Zukunft muss das Wohl der ganzen Gesellschaft stärker im Mittelpunkt stehen. Dazu zählen Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten und Kommunen.

Wie will Blackrock dazu beitragen? Sie verwalten nicht nur fast sieben Billionen Dollar, sondern beraten auch Notenbanken und Regierungen. Deshalb müssen Sie sich immer wieder den Vorwurf gefallen lassen, zu große Macht zu besitzen.
Unser wichtigster Job ist, unseren Kunden zu dienen. Aber unsere Größe verpflichtet uns immer mehr, auch zu gesellschaftlichen Themen Stellung zu beziehen. Gerade die Jüngeren fordern das, und dieser Forderung muss die Wirtschaft nachkommen. Auch weil das Misstrauen gegenüber der Politik wächst.
Herr Fink, vielen Dank für das Interview.

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2 Kommentare zu "Larry Fink im Interview: Blackrock-Chef fordert von Deutschland: „Der Staat muss mehr investieren“"

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  • Spannend wird es, wenn Japan und USA mit Staats-Investitionen, mit geschöpftem Zentralbank-Geld, vorpreschen. Dann wird es in Brüssel einen ziemlichen Streit geben. Dann wird über die schwarze Null viel diskutiert werden. Die Bürger können sich zwischenzeitlich schon mal überlegen, wo investiert werden soll? Bahnen, Forschung, Bildung, Sozialwohnungen etc.. Wir spannend werden.

  • Klar - noch mehr Schulden machen ist der richtige Weg - Was anderes war nicht zu erwarten!
    Dann doch bitte woanders!