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Lars Santelmann Chef der VW-Finanztochter: „Wir wollen eine Bestimmerposition einnehmen“

Auf dem Banken-Gipfel des Handelsblatts erklärt der Chef der VW-Finanztochter, wie er das Geschäft mit Mobilitätsdienstleistungen aufmischen will. 
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Lars Santelmann, Chef der Finanzdienstleistungsstochter von Volkswagen, sprach unter anderem über die Folgen des Dieselskandals. Quelle:  Uta Wagner
Banken-Gipfel 2019

Lars Santelmann, Chef der Finanzdienstleistungsstochter von Volkswagen, sprach unter anderem über die Folgen des Dieselskandals.

(Foto:  Uta Wagner)

Frankfurt Lars Santelmann leitet die vielleicht profitabelste Bank der Republik, und doch steht er seltener im Rampenlicht als seine Branchenkollegen: Santelmann führt die Finanzdienstleistungsstochter des Volkswagen-Konzerns. Mit Finanzdienstleistungen machten die Wolfsburger im vergangenen Jahr rund 2,6 Milliarden Euro Gewinn – ein Ergebnis, das große deutsche Banken alt aussehen lässt. 

Beim Handelsblatt-Bankengipfel berichtete der Chef von VW Financial Services von seinem Erfolgsrezept – und gab sich kämpferisch: Sein Haus wolle das Geschäft mit Dienstleistungen rund ums Auto nicht nur ausbauen, sondern zu einem „Dominator des Mobilitätsökosystems“ werden. „Wir wollen eine Bestimmerposition in den europäischen Märkten einnehmen“, sagte Santelmann.

Die Autobanken, die zu den Autoherstellern wie Volkswagen, BMW oder Daimler gehören, werden auf Englisch „Captives“ genannt: Sie sind Gefangene ihrer Konzerne. „Captives sind Vertriebsmaschinen“, räumte Santelmann ein. Mit der Finanzierung von Leasingfahrzeugen sorgen die hauseigenen Institute für Absatz. Doch laut dem Financial-Services-Chef dienen die Autobanken längst nicht mehr nur als reine Absatzfinanzierer. Sie mischen auch bei Mobilitätsdienstleistungen wie Carsharing, der Vermietung von Fahrzeugen oder Wartungsverträgen mit. „Wir kümmern uns auch, wenn sie neue Reifen für ihren Dienstwagen brauchen.“

Mit der Ausweitung ihres Geschäfts nehmen die „Captives“ aber auch viele Risiken auf ihre Bücher – weshalb sie wie andere Banken auch reguliert werden. So sei die Dieselaffäre des VW-Konzerns auch an der Finanztochter nicht spurlos vorbeigegangen, räumt VW-Manager-Santelmann ein. Wegen Dieselgate habe die Finanztochter zwei Jahre lang keine Anleihen im Euro- und Dollar-Raum begeben können. Doch man habe andere Finanzierungswege gefunden.

Nicht nur die Dieselaffäre hält den VW-Konzern in Atem: Die Aussichten für die Automobilbranche trüben sich weltweit ein. Angesichts der schwächelnden Konjunktur warnen die Hersteller vor Gewinneinbrüchen, zugleich verzichten immer mehr Menschen auf ein eigenes Auto.

Dennoch gibt sich Santelmann optimistisch. Inzwischen seien Dienstleistungen für das Geschäft viel wichtiger als der Neuabsatz von Fahrzeugen. Und Autos würden auch in Zukunft gebraucht: „Der wesentliche Träger des Individualverkehrs wird auch in Zukunft das Auto sein“, sagte Santelmann. „Mit den Dienstleistungen drumherum kann man viel Geld verdienen, deshalb bin ich nicht bange.“

Trotz des Konjunkturabschwungs und der Dieselaffäre lief das Geschäft der VW-Finanzsparte bislang gut: Im ersten Halbjahr kletterte der operative Gewinn dank eines höheren Vertragsvolumens und günstigerer Refinanzierungsbedingungen um vier Prozent auf knapp 1,3 Milliarden Euro.

Die Finanztochter des Automobilkonzerns befindet sich damit auf Kurs, um ihre Jahresziele zu erreichen. Die Zahl der Kundenverträge kletterte um sechs Prozent auf knapp 21 Prozent. Bis 2025 soll sie auf 30 Millionen steigen.

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