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„Laut Vertrag müssen die Agenturen für die Differenzen aufkommen“ Die ganz speziellen Geldsorgen der Post

Für den Börsengang wirbt die Postbank auch mit ihrem Filialnetz, doch in den Agenturen verschwinden hohe Summen.

FRANKFURT/M. Hartmut Karcher* wird mit Sicherheit keine Postbank-Aktien kaufen. Der größte deutsche Börsengang seit mehr als drei Jahren ruft bei dem 46-jährigen mit den trüben, braunen Augen und dem schweren, schleppenden Gang nichts als Bitterkeit hervor. Dabei hat der schwer rheumakranke Mann selbst einmal eine Postagentur betrieben.

Im Sommer 1998 übernimmt Karcher die kleine Agentur in einem Vorort von Koblenz, in der er Briefmarken und Postpakete verkauft, und natürlich dient die Agentur auch als Filiale der Postbank. Karcher führt eine von bundesweit insgesamt 7 500 Agenturen, mit denen Postchef Klaus Zumwinkel derzeit gerne für den milliardenschweren Börsengang seiner Finanztochter wirbt. Schließlich macht erst das engmaschige Netzwerk aus der Postbank „Deutschlands größte Privatkundenbank“. Doch gerade die Agenturen sind es, die der Post und der Postbank ganz eigene Geldsorgen bereiten.

Karchers Schwierigkeiten beginnen am 5. April 2000. Er selbst ist unterwegs, als ihn eine Mitarbeiterin anruft: „Die räumen Dir gerade die Post aus“, sagt sie. „Die“ – das ist in diesem Fall die Revision des Bonner Konzerns, die gerade dabei ist, die Agentur des Rheinländers zu schließen. Karcher soll seit Monaten insgesamt umgerechnet rund 44 000 Euro unterschlagen haben.

Kein Einzelfall: Immer wieder verschwinden hohe Summen in den kleinen Poststellen, die von selbstständigen Unternehmern nebenher in Lotto-Annahmestellen, kleinen Läden oder Supermärkten betrieben werden – 130 000 Euro waren es in Henrichenburg im Ruhrgebiet, 45 000 Euro im bayerischen Pfaffenhofen. Und auch im kleinen Koblenzer Vorort gibt es einen zweiten Fall. Karchers Vorgängerin soll ebenfalls rund 60 000 Euro unterschlagen haben.

„Nicht mehr nachvollziehbare Differenzen“ nennt die Post diese Schieflagen und verklagt die Agenturnehmer auf Rückzahlung oder verfolgt sie – wie Karcher – auch strafrechtlich wegen Untreue.

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