Laxe Kontrollen US-Behörden ermitteln gegen Danske Bank wegen des Geldwäsche-Skandals

Lange hat Dänemarks größte Bank trotz Warnungen ihre Geldwäsche-Probleme ignoriert. Nun ist sie im Visier mehrerer US-Behörden.
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Die dänische Großbank hat große Lücken bei ihren Vorkehrungen gegen Geldwäsche in Estland gehabt. Quelle: Reuters
Danske Bank

Die dänische Großbank hat große Lücken bei ihren Vorkehrungen gegen Geldwäsche in Estland gehabt.

(Foto: Reuters)

Frankfurt, StockholmDie Danske Bank gerät wegen ihrer laxen Geldwäsche-Kontrollen immer stärker unter Druck. Das amerikanische Justizministerium sowie die US-Wertpapieraufsicht SEC haben wegen des Geldwäsche-Skandals Ermittlungen aufgenommen, wie das „Wall Street Journal“ berichtet. Basis für die Untersuchungen sind danach Informationen eines Whistleblowers, der sich vor zwei Jahren bei der SEC gemeldet hatte. Dänemarks größte Bank kommentierte das nicht.

Hintergrund für die Ermittlungen ist die wohl größte Geldwäscheaffäre der dänischen Wirtschaftsgeschichte: In einer estnischen Filiale sollen dubiose Kunden Gelder in Milliardenhöhe gewaschen haben. Die Tageszeitung „Berlingske“ bezifferte das Volumen der verdächtigen Zahlungen, die zwischen 2007 und 2015 geflossen sein sollen, auf bis zu 8,3 Milliarden US-Dollar.

Ein Bericht des Beratungsunternehmens Promontory Financial soll laut „Financial Times“ das denkbare Geldwäsche-Volumen sogar auf bis zu 30 Milliarden Dollar innerhalb eines Jahres beziffert haben. Wie groß das denkbare Geldwäschevolumen wirklich ist, dürften die Ergebnisse einer internen Untersuchung der Bank ergeben, die am kommenden Mittwoch veröffentlicht werden sollen.

Die Bank hatte über die Jahre mehrere Warnsignale ignoriert, wie ein Bericht der dänischen Bankenaufsicht vom Mai 2018 zeigt. Mehrere Banken, mit denen die Estland-Tochter geschäftlich verbunden war, hatten das Institut vor dem Geschäft mit nicht in Estland ansässigen Kunden gewarnt, zum Teil Geldtransfers abgelehnt und sogar die Geschäftsbeziehungen zu Danske gekündigt.

Schon im Jahr 2013 kündigte eine der beiden Korrespondenzbanken, über die die estnische Danske-Tochter ihre Dollar-Zahlungen abwickelte, ihre Geschäftsbeziehungen mit den Dänen. Das geht aus einem Bericht der dänischen Aufsicht hervor. Der „Financial Times“ zufolge handelte es sich dabei um JP Morgan, was die US-Großbank nicht kommentiert. Die Dänen suchten sich eine neue Korrespondenz-Bank.

Im September 2015 kündigte Finanzkreisen zufolge auch die Deutsche Bank die Geschäftsbeziehung zum estnischen Danske-Ableger. Die Deutsche Bank kommentiert das nicht. Auch dieser Vorgang taucht in anonymisierter Form in dem Bericht der Aufsichtsbehörde auf. Danach meldete die Deutsche Bank Bedenken gegen neun von zehn nicht-estnische Kunden. Im Jahr 2017 gab die Deutsche Bank ihr Korrespondenzbanken-Geschäft in Estland und Lettland dann gänzlich auf.

Für die Danske Bank sind die US-Ermittlungen ein weiterer Rückschlag. In Estland und Dänemark ermitteln bereits die Staatsanwälte, die dänischen Bankenaufseher haben das Institut bereits scharf gerügt. Analysten, die die Danske Bank beobachten, taxieren die Chance von Vorstandschef Thomas Borgen, den Skandal im Amt zu überstehen, der Nachrichtenagentur „Bloomberg“ zufolge auf gerade einmal 33 Prozent. Der Aktienkurs hat seit Jahresbeginn etwa ein Drittel an Wert verloren.

Borgen hatte vor einigen Wochen angekündigt, dass er von seinem Posten zurücktreten werde, sollten die Hauptaktionäre das fordern. Borgen war, bevor er die Leitung der Bank übernahm, Chef des internationalen Geschäfts von Danske und somit mitverantwortlich für die mangelhafte Kontrolle bei der estnischen Tochtergesellschaft.

Die Geldwäsche-Skandale bei der Danske Bank, aber auch bei anderen Instituten, haben die Europäische Union und die europäische Bankenaufsicht alarmiert. In diesem Jahr wurden bereits eine estnische und eine lettische Bank geschlossen, die niederländische ING musste eine hohe Geldstrafe zahlen. Bislang ist die Geldwäsche-Bekämpfung national geregelt, nun fordern unter anderem die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank (EZB) mehr gemeinsame Regeln und Kompetenzen.

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