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Lebensversicherer Allianz Leben sagt zum Pfandbrief „Bye Bye“

Der Marktführer Allianz Leben baut seine Investmentstrategie weiter um und setzt vermehr auf Aktien. Damit lässt die Allianz ihre Muskeln spielen.
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Das Geld der Lebensversicherungskunden soll bald zur Hälfte in Aktien und alternative Anlagen fließen. Quelle: dpa
Allianz

Das Geld der Lebensversicherungskunden soll bald zur Hälfte in Aktien und alternative Anlagen fließen.

(Foto: dpa)

Frankfurt/München Markus Faulhaber gibt sich keinen Illusionen hin. „Wir rechnen nicht damit, dass sich das Niedrigzinsumfeld in naher Zukunft grundlegend ändert“, sagt der Chef des größten deutschen Lebensversicherers Allianz Leben. „Auch wenn die EZB nun mit ersten Lockerungsübungen beginnt.“ Es ist eine für die Versicherer düstere Prognose, die nun auch zu weiteren Konsequenzen in der Anlagepolitik des Münchener Dax-30-Konzerns sorgt, der mit rund 248 Milliarden Euro Kapitalanlage zu den größten Investoren Deutschlands zählt.

In den kommenden Jahren will die Allianz mehr und mehr Geld ihrer Millionen von deutschen Lebensversicherungskunden in Aktien und alternative Investments stecken. Von Pfandbriefe, einst eines der zentralen Anlageprodukte der Lebensversicherungen, will sich der Konzern dagegen weitgehend verabschieden.

Drastischer als die meisten anderen deutschen Konkurrenten stellt sich die Allianz damit auf ein dauerhaft anderes Zinsniveau im Euroraum ein. Mittelfristig werde der Anteil der als extrem sicher geltenden Pfandbriefe in ihrem Portfolio auf nur noch knapp über null Prozent sinken, sagten Allianz-Leben-Chef Markus Faulhaber und sein Chefanleger Andreas Lindner am Mittwoch in Frankfurt.

Die Aktienquote soll dagegen in den nächsten drei bis vier Jahren von aktuell zehn Prozent auf 13 bis 18 Prozent steigen, wie Lindner betonte. Ein Drittel des Geldes soll in alternative Anlagen wie erneuerbare Energien, Private Equity, Immobilien und in Infrastrukturprojekte fließen. Hinzu kommen dann noch jeweils 25 Prozent in Unternehmensanleihen und weitere 25 Prozent in Staatstiteln, die traditionell wegen ihrer großen Sicherheit und stabiler Einnahmen zu den Kerninvestments von Versicherungen gehören.

Die Entscheidung wirft nicht nur ein Schlaglicht auf die Probleme der Branche. Sie beweist auch die Finanzstärke des deutschen Branchenführers. Ein Investment in Aktien muss nach den neuen Regeln der europäischen Richtlinie Solvency II mit hohem Kapitalgarantien hinterlegt werden, um sicherzustellen, dass im Krisenfall der Versicherer dennoch seine Verpflichtungen erfüllen kann. Gerade kleinere oder finanzschwache Assekuranzen machen deshalb lieber einen Bogen um ein hohes Investment in Wertpapiere. Die Allianz schreckt das nicht.

Möglich ist dies aufgrund der Freiheiten, die das seit 2016 geltende Regelwerk „Solvency II“ bietet, sagte Lindner. Während Lebensversicherer das Geld ihrer Kunden früher nur in bestimmte Anlageklassen investieren durften, seien ihnen die Anlageziele nun freigestellt – vorausgesetzt, sie könnten die damit verbundenen Risiken beurteilen und finanziell tragen.

Die gut kapitalisierte Allianz spielt mit dieser Ankündigung mit den Muskeln und setzt sich weiter von den Rivalen ab. „Unsere Gesamtperformance der Kapitalanlagen der letzten fünf Jahre liegt bei 6,7 Prozent pro Jahr und damit 1,2 Prozentpunkte über dem Wettbewerb“, frohlockt Faulhaber. So hat die Allianz bereits heute zehn Prozent der Kapitalanlagen in Aktien angelegt.

Neben der steigenden Aktienquote setzt die Allianz Leben zudem auf sogenannte alternative Anlagen, zu denen Immobilien, Private Equity oder Infrastrukturinvestitionen zählen. Allerdings bergen diese Investments auch mehr Risiko, wie gerade der italienische Autobahnbetreiber Autostrade beweist, der für die eingestürzte Brücke in Genua verantwortlich ist – und an dem die Allianz einen kleinen Anteil hält. Lindner betonte jedoch, dass das Unglück finanziell bei der Allianz keine großen Spuren hinterlassen werde, da das Portfolio breit gestreut sei.

Wegen der seit Jahren anhaltenden Niedrigzinsen sehen sich die Versicherungen, allen voran Marktführer Allianz Leben, gezwungen, sich nach renditeträchtigeren Investments umzuschauen, um die Versprechen zu erfüllen, die sie ihren Kunden gegeben haben.

Die klassische Lebensversicherung mit einem Garantiezins ist deshalb inzwischen ein Auslaufmodell in der Branche. Faulhaber macht um seine Prioritäten vor diesem Hintergrund kein Geheimnis. Neue Policen, ohne die klassische Garantie machen im Neugeschäft der Münchener inzwischen 90 Prozent aus, betonte Faulhaber. Der Allianz-Leben-Chef klang nicht so, als er ob dabei den alten Policen nachtrauern würde.

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