Lebensversicherer Ergo verhandelt mit Moskauer Bank über Verkauf seiner russischen Tochtergesellschaft

Der Versicherungskonzern Ergo will offenbar seine russische Tochter verkaufen – obwohl das Geschäft dort boomt. Eine Moskauer Bank zeigt Interesse.
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In der Konzernzentrale herrscht Unzufriedenheit über die Negativschlagzeilen, die ein Korruptionsskandal bei der Russlandtochter 2017 ausgelöst hatte. Quelle: picture alliance / Daniel Kalker
Hauptsitz der Ergo Versicherung

In der Konzernzentrale herrscht Unzufriedenheit über die Negativschlagzeilen, die ein Korruptionsskandal bei der Russlandtochter 2017 ausgelöst hatte.

(Foto: picture alliance / Daniel Kalker)

Moskau, MünchenDas Russlandgeschäft von Ergo steht zur Disposition: Der Düsseldorfer Versicherungskonzern verhandelt Medienberichten zufolge mit der Moskauer Bank Otkrytije über den Verkauf seiner auf Lebensversicherungen spezialisierten Tochtergesellschaft Ergo Zhizn. Das berichtete die Moskauer Tageszeitung „Wedosmosti“ unter Berufung auf Mitarbeiterkreise beider Unternehmen.

Die Bank hat demnach schon mit der sogenannten Due Diligence, der Bilanzprüfung, von der russischen Tochtergesellschaft Ergo Zhizn begonnen. Der Düsseldorfer Konzern wollte offiziell keinen Kommentar zu der Situation abgeben. Wie das Handelsblatt aber intern erfuhr, strebt das Unternehmen schon seit Längerem einen Verkauf des Russlandgeschäfts an.

In der Konzernzentrale herrscht Unzufriedenheit über die Negativschlagzeilen, die ein Korruptionsskandal bei der Russlandtochter 2017 ausgelöst hatte. Mehrere Mitarbeiter, darunter ein deutscher Manager, waren in Autoschiebereien verwickelt. Die finanziellen Einbußen für die russische Kfz-Versicherung von Ergo belief sich auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbereich.

Einen potenziellen Interessenten haben die Düsseldorfer zunächst für das lukrative Geschäft mit der Lebensversicherung gefunden. Dabei hatte der Konzern bei der Vorstellung der Halbjahresergebnisse vor gut einer Woche gerade in dieser Sparte beeindruckende Wachstumszahlen vermeldet.

So sind die Einnahmen aus Versicherungsprämien hier in den ersten sechs Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 90 Prozent auf 2,4 Milliarden Rubel (gut 31 Millionen Euro) gestiegen. Damit hat Ergo selbst den rasant wachsenden Gesamtmarkt (plus 42 Prozent) deutlich überflügelt.

„Wir werden die gewählte Strategie beibehalten und eine diversifizierte Produktreihe über verschiedene Verkaufskanäle – Bank, Versicherungsagenten und über Firmen – anbieten und dabei auch unseren technologischen Service weiterentwickeln“, erklärte der Generaldirektor von Ergo Zhizn, Dmitri Demidow bei der Vorstellung der Zahlen.

Allerdings ist nach Expertenansicht keinesfalls ausgemacht, dass Ergo diese Steigerungsraten beibehalten kann. Zwar wird das Marktwachstum laut Alexej Janin von der Ratingagentur Expert noch mindestens dieses und nächstes Jahr anhalten.

Russen suchen nach neuen Anlagemöglichkeiten

Denn die Russen suchen nach neuen Anlagemöglichkeiten, da die Zinsen auf Sparkonten stark gefallen sind und „Banken aktiv, ja aggressiv Lebensversicherungen anbieten, weil sie damit gute Margen erwirtschaften“. Doch gleichzeitig konzentriere sich das Geschäft zunehmend auf die Versicherer, die mit großen staatlichen Banken und deren umfangreichen Filialnetzen kooperierten, sagte Janin dem Handelsblatt.

Ergo ist nach Angaben des Expert-Mitarbeiters ein relativ kleiner Akteur auf dem Markt und verkauft seine Policen zumeist über Unicredit-Filialen. Ergo Zhizn liegt nach den Verkaufszahlen des vergangenen Jahres nur auf Platz 18 von gut 30 Anbietern auf dem russischen Markt. Zudem ist das Verhältnis zwischen Ergo und Unicredit getrübt: Die Italiener haben sich zuletzt in Deutschland, Österreich und Osteuropa bereits die Allianz anstelle von Ergo als Versicherungspartner in die Filialen geholt.

Insofern ist eine Trennung vom Lebensversicherungsgeschäft auf dem Höhepunkt des Erfolgs logisch, zumal es einen potenten Interessenten gibt: das Moskauer Bankhaus Otkrytije. Die Bank steht zwar seit gut einem Jahr unter direkter Aufsicht der russischen Zentralbank. Im Gegensatz zu anderen russischen Geldinstituten in Schwierigkeiten wurde es aber nicht für bankrott erklärt, sondern soll mit bis zu fünf Milliarden Euro aufgepäppelt werden.

2017 hat Otkrytije den Konzern Rosgosstrakh übernommen, einen der größten Versicherer Russlands. Rosgosstrakh stieß während der Übernahme seine Lebensversicherungssparte ab. Dieser lukrative Bereich könnte nun durch den Ergo-Zukauf wieder aufgebaut werden.

Otkrytije soll auch weniger am aktuellen Portfolio von Ergo interessiert sein als am IT-System und dem geschulten Personal, um seinen Start auf dem Markt zu beschleunigen. Die Generaldirektorin der Consultingagentur Euroexpert, Jekaterina Sinogejkina, schätzte die mögliche Kaufsumme auf umgerechnet rund 30 Millionen Euro.

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