Lebensversicherer im Test Nur drei von zwölf deutschen Lebensversicherern stehen wirtschaftlich stark da

Die Niedrigzinsen setzen die deutschen Lebensversicherer unter Druck. Eine neue Studie zeigt die Gewinner und Verlierer unter den zwölf Branchengrößen.
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Der Marktführer baut seine Position aus. Quelle: imago/Marius Schwarz
Allianz-Hochhaus in Berlin

Der Marktführer baut seine Position aus.

(Foto: imago/Marius Schwarz)

FrankfurtEs ist eine Fleißarbeit, die es in sich hat. Mehrere Monate hat sich Hermann Weinmann für seine Untersuchung Zeit genommen und dafür auch Gespräche mit den Versicherern geführt. Herausgekommen ist eine Bestandsaufnahme, die einen tiefen Einblick in die Lage der Versicherer gewährt.

In einem Bilanz- und Unternehmenscheck hat sich der Versicherungsexperte des Instituts für Finanzwirtschaft der Hochschule Ludwigshafen am Rhein die Mühe gemacht, die wirtschaftlichen Kennziffern der zwölf wichtigsten deutschen Lebensversicherer miteinander zu vergleichen.

Das Ergebnis dürfte nicht jedem der Topmanager in den Konzernzentralen gefallen. „Das Gefälle zwischen den Gesellschaften ist inzwischen groß“, sagt der Betriebswirtschafts-Professor Weinmann dem Handelsblatt. Während er in der Auswertung etwa die betriebswirtschaftliche Leistung von Allianz Leben als „sehr stark“ lobt, werden einige andere Lebensversicherer deutlich kritischer beurteilt.

Laut dem Report, der Ertragskraft, die Beteiligung der Verbraucher an den Ergebnissen, die finanzielle Wetterfestigkeit der Unternehmen sowie stärker als im Vorjahr das Risikoergebnis nach einem Punktesystem bewertet, nimmt die Allianz Leben eine unangefochtene Führungsrolle ein. „Mit 750 Punkten erreicht die Allianz Leben wieder eine sehr starke betriebswirtschaftliche Leistung, kann sich aber aufgrund der geänderten Bewertungssystematik nicht so stark absetzen wie in der Vergangenheit“, heißt es in der Studie.

Insgesamt konnten die besten Versicherer maximal 1000 Punkte erreichen. Auch bei der Verbrauchernote, die neben der finanziellen Stabilität auch die Beteiligung der Kunden am Rohüberschuss berücksichtigt, landeten die Münchener auf Platz eins. Knapp dahinter folgen die genossenschaftliche R+V Versicherung sowie Zurich Deutscher Herold auf den Plätzen zwei und drei. Unter dem Strich stehen damit drei der zwölf Lebensversicherer betriebswirtschaftlich stark da.

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Die Auswertung könnte der politischen Diskussion um die Lage der deutschen Versicherer neues Material bieten. Nach einem aktuellen Bericht des Finanzministeriums unterliegen „derzeit 34 Lebensversicherer“ einer intensivierten Aufsicht der Finanzaufsicht Bafin. Es sind „Unternehmen, bei denen sich aus der jährlichen Prognoserechnung ergibt, dass sie mittel- bis langfristig finanzielle Schwierigkeiten haben könnten“, heißt es.

Die Branche und das Ministerium sehen deswegen allerdings keinen Grund zur Panik. Die Versichererlobby hat eine lange Übergangsfrist bis 2031 durchgesetzt, bevor die höheren Anforderungen an das Risikomanagement und neue Berichtspflichten greifen. In der Zwischenzeit können die Versicherer deutliche Erleichterungen und Übergangsregelungen in Anspruch nehmen – und werden auf diesem Weg eng von der Bafin begleitet.

Für Außenstehende ist es bis heute schwierig, sich ein neutrales Bild über die Lage der Branche zu machen – weshalb der Report für etwas Transparenz sorgt. Weinmann justierte in der aktuellen Studie dabei sein Bewertungssystem neu.

Er analysierte neben Kennziffern wie der Entwicklung der Rohüberschuss-Marge, der Ertragskraft sowie den Solvabilitätsquoten, die inzwischen individuell von jedem deutschen Versicherer ausgewiesen werden müssen, auch stärker als bisher das Risikoergebnis. Dieses hat aufgrund der Nullzinspolitik deutlich an Bedeutung gewonnen.

Die volle Punktzahl erreichte dabei niemand, manche Versicherer lagen sogar deutlich darunter. So finden sich am unteren Ende der Tabelle in diesem Jahr die inzwischen an einen Finanzinvestor verkaufte Generali Leben mit 350 Punkten, die mit dem Urteil „betriebswirtschaftlich schwach“ versehen wird.

Kaum besser kommt die HDI Leben mit 400 Punkten davon, die es lediglich auf ein „ausreichend plus“ bringt. „Beim HDI Leben macht sich die schwache Solvabilität“ bemerkbar, heißt es in der Studie. Die Solvabilität ist eine wichtige Kennziffer der Versicherer, die deren finanzielle Stabilität beschreiben soll.

Auch die Debeka, die im vergangenen Jahr noch auf dem letzten Platz lag, kann sich mit der Bewertung als „betriebswirtschaftlich steigerungsfähig“ nur leicht verbessern und erzielt bei der Verbraucherbewertung eine Durchschnittsnote von 3,3.

Auch im Fünf-Jahres-Vergleich, den Weinmann erstmals vorgenommen hat, ändert sich dieses Bild nicht grundlegend. Die Allianz Leben führt das Feld deutlich an, daran dürfte sich in naher Zukunft auch nichts ändern. „Für die weitere Zukunft machen die Bewertungsreserven den Unterschied, und in dieser Kategorie ist die Allianz Leben weit vorne“, betont der Experte.

Das Ausrichten der Kapitalanlage verlange angesichts der Niedrigzinsen nach Professionalität. Die Lebensversicherer müssten in die Kapitalanlage-Expertise in allen zulässigen Anlageklassen investieren. Es ist ein Weckruf, den offensichtlich nicht alle Versicherer rechtzeitig gehört haben.

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