Lebensversicherung Der Ergo laufen die Kunden weg

Kein Lebensversicherer hat 2011 so viele Kunden verloren wie die Ergo. Das stellt der Branchendienst Map-Report fest. Über Jahre gingen mehrere Millionen Versicherte, sie zogen Milliarden ab. Die Ergo-Krise in Zahlen.
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Ein Schild mit der Aufschrift "Ergo" steht vor der Zentrale der Versicherungsgruppe Ergo in Düsseldorf. Quelle: dpa

Ein Schild mit der Aufschrift "Ergo" steht vor der Zentrale der Versicherungsgruppe Ergo in Düsseldorf.

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Düsseldorf.Die Versicherungskonzern Ergo hat mehr Probleme als bisher angenommen. Nicht nur Lustreisen von Vertretern nach Budapest, Jamaika und Mallorca belasten den Vertrieb, heißt es im Branchendienst Map-Report. In einer Analyse der Bilanzdaten unter dem Titel „Puffprobleme am Rande“ stellt Map-Herausgeber Manfred Poweleit „massive Einbrüche bei Marktanteilen und Vertragsbeständen seit Jahren“ fest.

Die Ergo Lebensversicherung war früher als Hamburg-Mannheimer am Markt bekannt. Durch Lustreisen ihrer Vertreter ist das Unternehmen seit mehr als einem Jahr in den Schlagzeilen. Abseits von Prostituierten und Swingerclubs gebe es aus analytischer Sicht genug Anlass, sich mit der Ergo Leben zu befassen, stellt Poweleit fest. „Dazu muss man nicht in den Puff. Kein deutscher Lebensversicherer hat im vergangenen Jahr 2011 im Bestand so viel Verträge verloren wie die ehemalige Hamburg-Mannheimer.“ 170.940 Verträge seien nicht mehr im Bestand.

Zweitschlechtester Lebensversicherer in diesem Vergleich sei die Konzernschwester Victoria, die das Neugeschäft eingestellt hat. Absolut betrage der Rückgang dort 146.419 Verträge, relativ sei es ein Minus von 8,79 Prozent. „Dieser Einbruch ist keine kurzfristige Schieflage und wohl auch nicht puffbedingt“, stellt Poweleit fest. Die Bilanzdatenbank von Map-Report zeige für 1997 noch einen Marktanteil von 4,82 Prozent. Inzwischen seien es nur noch 4,06 Prozent.

In der Summe der vergangenen 15 Jahre kommt Map-Report bei der Ergo auf Bestandsverluste von fast 2,3 Millionen Verträgen. Das entspreche einer Versicherungssumme von fast 21 Milliarden Euro. Um die Ursachen der Ergo-Krise zu ergründen, sah sich Poweleit die durchschnittlichen Versicherungssummen an.

Beim Branchenliebling, der kapitalbildenden Lebensversicherung, schafften die rund 100 Lebensversicherer in Deutschland im Schnitt 22.208 Euro pro Vertrag. Ergo liege deutlich unter dem Durchschnitt. Hier seien es gerade einmal 15.264 Euro.

"Keine nachhaltigen Geschäftskontakte"
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23 Kommentare zu "Lebensversicherung: Der Ergo laufen die Kunden weg"

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  • Genau so, wie Sie es beschreiben, ist leider die gesellschaftliche und persönliche Entwicklung, die sich bei kurzfristiger Denkweise ergibt: eine negativ geprägte, vermeintlich erfolgsorientierte Lebensführung.
    Dass aber eine ethisch und moralisch ausgerichtete Geschäfts- und Lebenshaltung viel erfolgreicher ist, wird immer mehr Menschen bewußt. Sicherlich ist es richtig, wenn Sie sagen, dass viele Banker, Politiker und Andere, die Sie zur sog. Elite zählen, nicht nach diesen Grundsätzen leben. Aber warum sollte es Sie davon abhalten, sich nach ethischen Grundsätzen zu richten. Nur weil andere es nicht tun? Hochkarätige Unternehmensleiter haben diese erfolgreiche Ausrichtung erkannt und zu ihrer Unternehmensmaxime gemacht - und zwar sehr erfolgreich.
    Es gehören halt Mut, Verstand und Herz (und zwar genau in dieser Reihenfolge) dazu, nicht dem Mainstream nach zu trotten, sondern sein Leben wirklich erfolgreich zu gestalten. Das ist nichts für Weicheier.

  • @Paxmundi

    Keine Ahnung, was Ihr Appell an Anstsn, Ethik u. Moral hier soll? Wenn von ganz oben, also von unseren selbsternannten Eliten vorgelebt wird, dass es die Bedeutung dieser Begriffe für Menschen die sich erfolgreich nennen, nicht gibt. Nur die Brutalen kommen ans Ziel. Sie sehen es an Bankstern und Politikern. Die einen erhöhen sich die Bonis um ein paar Millionen und schmeißen gleichzeitig hunderte von Menschen aus ihren Häuschen, weil sie die Raten nicht mehr zahlen können. Die anderen erhöhen sich Diäten, erhöhen die Steuern und Abgaben, kürzen die Sozialausgaben und fordern mehr Freiwilligendienst u. Ehrenamt. Da soll mir mal einer was von Ethik und Moral erzählen. Wer sich mit so etwas noch aufhält, kann nicht zu den Erfolgreichen gehören. Fragen Sie mal Fr. Merkel oder die Herren Schäuble und Ackermann, ob die wissen wie die Worte Ethik u. Moral geschrieben werden!

  • Als Mitarbeiter eines kirchlichen Versicherers habe ich mir die Mühe gemacht, sämtliche Kommentare zu der Berichterstattung "ERGO" durchzusehen. Es ist erschreckend, wie gering bzw. überhaupt nicht Integrität, Moral, geschäftliche und menschliche Ethik von den Kommentierenden als Maßstab Ihres Urteils herangezogen werden. Ohne Jemanden direkt anzusprechen, muß ich sagen, dass alle, sicherlich auch ich, versagt haben! Keiner von uns Kommentatoren darf sich ernsthaft zu Gute halten, er hätte einen substantiven, ethisch und moralisch korrekten Beitrag geliefert. Dann doch besser schweigen und seine eigene Unzulänglichkeit verbergen? Was sind wir nur für eine jämmerliche Gesellschaft geworden!

  • Ach ja...wenn das Handelsblatt auch nur annähernd so viele Leser wie die ERGO Kunden hätte, dann würde es sich nicht um seine Auflage sorgen müssen und könnte echten Wirtschaftsjournalismus betreiben.

    Aber da dem nicht so ist, muss - getreu nach bester BILD-Manier - immer wieder nachgetreten werden. Egal, ob und was an den "neuen" Vorwürfen dran ist. "Budapest" ist eine Sache, liebes Handelsblatt, aber eure letzten Artikel waren wirklich BILD-Niveau und verdeutlicht eure Absicht, Leser zu binden bzw. zu gewinnen, nur allzu deutlich.

    Ich werde in Zukunft lieber die FTD lesen - bevor ich in Ihrer Zeitung auch noch blanke Brüste ertragen muss (bringt ja auch immer Quoten).

  • Der Kommentar des ehemaligen Versicherungsvertreters (siehe oben) geht schon so ok. Ich nehme es mittlerweile mit dem Begriff "Pflicht-"versicherung ebenfalls genauer: alles, was nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, sondern zur zusätzlichen Absicherung gehört, wird auf dessen Notwendigkeit hin überprüft. Teilweise kann ich auch aus eigener Erfahrung brichten, daß z.B. Ablaufleistungen von kapitalbilden Lebensversicherungen weder transparent dargestellt wurden, noch zum Versicherungsablauf in erwarteter Größenordnung ausgezaht wurden. Wenn mich heute jemand fragt, ob ich z.B. für meine Kinder eine kapitalbildende Lebensversicherung abschließen würde, wäre ich mehr als skeptisch, ob sich das wirklich lohnt.

  • Kleiner Tipp an Ergo Motarbeiter: prueft doch einmal im Kollektiv, ob ihr mit mehreren tausend Mitarbeitern eine Klage wegen Rufschaedigung gegen die Presse erwirken koennt, vlt. Macht das Sinn um den Kindergarten zu Beenden. Handelsblatt verhaelt sich unprofessionell und kindisch, einer serioesen Zeitung nicht wuerdig. Ich habe gehoert das es aber persoehnliche Differenzen zwischen Handelsblatt und Ergo geht, von daher ist das nur eine Schlammschlacht wie nach einer Scheidung. Mich nervt es nur noch und es ist schade fuer die Kunden die sich verunsichern lassen und vl. Jetzt kuendigen und Verlust machen. Was machen die wenn eine andere Versicherung einmal Mist baut? Wieder kuendigen? HB kommt ihrer sozialen und Medialen Verpflichtung nicht nach

  • 1. Herr Kaiser war Markenbotschafter der Hamburg-Mannheimer. 2. Die HMI war nur einer von mehreren Vertriebswegen der Hamburg-Mannheimer. 3. Bei der HMI differenzeirte man nach Struktur- und Agenturvertrieb. 4. In vielen Bereichen waren HM- und Victoria-Produkte zwangsläufig identisch. Insofern reicht es, Sie zitieren, um Ihren Kommentar abschließend zu bewerten: fachliches Know-How beschränkt(e) sich oft im wesentlichen auf Einwandbehandlung.

  • Jetzt habt ihr euch aber gegen das HB eingeschossen. Ich finde auch, dass man über alle Verfehlungen einen Mantel des Schweigens legen sollte. Zumindest wenn es um Arbeitsplätze geht. Also immer. Wenn der Chef zB. seine männlichen Mitarbeiter auspeitscht und den weiblichen unter den Rock fasst. Oder wenn Politiker auf Steuerzahlerkosten einen Teppich kaufen. Immer schön drüberweg sehen. Könnten Arbeitsplätze oder Karrieren auf dem Spiel stehen.

  • Ach du meine Güte Handelsblatt, was hast du dir bei diesem Artikel bloß gedacht, wie wäre es mit Wirtschaftjournalismus.

  • Liebes Handelsblatt, liebe Leser,
    vielleicht sollten wir alle uns alle mal an die eigene Nase packen. Jeder von uns hat sich schon mal Fehler geleistet, ob in großem oder kleinen Ausmaß. ERGO hat aus den Ereignissen Konsequenzen gezogen und entsprechende Maßnahmen eingeleitet, dass diese Fehler sich nicht wiederholen können. Aber wie meine Vorschreiber schon festgestellt haben, dass Handelsblatt hat sich auf ERGO eingeschossen. Mal schauen, welchem Konzern oder auch nur mittelständischen Unternehmen sie als nächstes Schaden wollen. Mit objektiver Berichterstattung hat das hier nichts mehr zu tun - Schade!!! Handelsblatt, komm doch mal zu deinen alten Qualitäten zurück. Ich als dein treuer Leser würde es mir wünschen und die 50.000 Mitarbeiter von ERGO bestimmt auch. Mit eurer Berichterstattung gefährdet ihr genau deren Jobs.

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