Lebensversicherung Regierung will Kosten bei Lebensversicherern deckeln

Das Finanzministerium ist unzufrieden mit den Kosten bei Lebensversicherungen. Beim Zinspuffer geht der Bund aber auf die Branche zu.
Kommentieren
Wohl kaum ein anderes Finanzprodukt spielt bei den Bundesbürgern eine so große Rolle wie die Lebensversicherung. Quelle: dpa
Lebensversicherung

Wohl kaum ein anderes Finanzprodukt spielt bei den Bundesbürgern eine so große Rolle wie die Lebensversicherung.

(Foto: dpa)

BerlinDas Bundesfinanzministerium ist mit der Entwicklung der Vertriebskosten in der Lebensversicherungsbranche unzufrieden. „Die Kosten sind seit Einführung des Lebensversicherungsreformgesetzes vor vier Jahren nur leicht gesunken. Das ist ungenügend“, hieß es am Montagabend in Regierungskreisen. Daher will die große Koalition einen Deckel bei den Lebensversicherungen einführen. Genauere Details sollen im zweiten Halbjahr präsentiert werden.

Unzufrieden ist die große Koalition auch mit der Kostentransparenz für Verbraucher. Die Versicherten würden zwar intensiver über die Kosten ihrer Lebensversicherungsverträge aufgeklärt. „Aber die Klarheit und die Vergleichbarkeit der Kosten lässt zu wünschen übrig“, hieß es.

Wohl kaum ein anderes Finanzprodukt spielt bei den Bundesbürgern eine so große Rolle wie die Lebensversicherung. Statistisch gesehen hat jeder mehr als eine Versicherungs-Police. Auch wenn die Attraktivität dieser Produkte durch die Dauerniedrigzinsen in den vergangenen Jahren gelitten hat, so stellen Lebensversicherungen in vielen privaten Haushalten einen zentralen Pfeiler in der Altersvorsorge dar.

Vier Jahre nach Verabschiedung des Lebensversicherungsreformgesetzes zieht die Regierung jetzt Bilanz der Maßnahmen, mit denen die Zinsgarantien der Versicherer nachhaltig gestaltet werden sollen. Teil des Pakets ist auch die sogenannte Zinszusatzreserve. Vor sieben Jahren schrieb der Gesetzgeber den Lebensversicherern eine zusätzliche Rückstellung vor, die Zinszusatzreserve, um ihre Garantieversprechen auch erfüllen zu können.

Doch diese Zinszusatzreserve können die Lebensversicherer immer schwerer erfüllen. Derzeit beträgt das Volumen rund 60 Milliarden Euro. Auf ein zentrales Problem machte dabei der Finanzstabilitätsbericht der Deutschen Bundesbank aufmerksam.

Neue Berechnungsmethoden für Zinszusatzreserve

Bei gleichbleibenden Zinsen würde die Zinszusatzreserve von 44 Milliarden Euro im Jahr 2016 auf 153 Milliarden Euro im Jahr 2021 steigen. „Die laufenden Kapitalerträge reichen bei Weitem nicht aus, um diese Aufwendungen zu bestreiten“, heißt es in dem Bericht. Es ist nicht klar, wie viele Versicherer bereits jetzt ihre stillen Reserven anzapfen müssen, um die entsprechenden Rückstellungen zu bilden, oder ob sie diese noch aus dem operativen Ergebnis finanzieren können.

Hier setzt die Bundesregierung jetzt an. So soll die Berechnungsmethode für die Dotierung der Zinszusatzreserve verändert werden, heißt es in Regierungskreisen. Unterm Strich soll die Zinszusatzreserve schwächer als bislang steigen. Die entsprechende Verordnung soll so rechtzeitig kommen, dass die Versicherer noch für dieses Jahr mit Änderungen rechnen können.

Für die Versicherten sollen dabei keine Nachteile entstehen, hieß es. Die neue Rechenmethode soll das System „robuster, nachhaltiger und für das Versichertenkollektiv fairer“ gestalten.

Wenn Versicherer in der Vergangenheit nicht in der Lage waren, ihre Garantieversprechen zu erfüllen, konnte die Finanzaufsicht die Ausschüttungen von Dividenden begrenzen oder verbieten. Ergebnisoffen werde diskutiert, so Regierungskreise, ob Gewinnabführungsverträge genauso unter eine Ausschüttungssperre fallen sollen wie Dividendenzahlungen der Tochtergesellschaft an den Konzern.

Festhalten will die Bundesregierung weiterhin am Höchstrechnungszins, der für Verbraucher eine Art Orientierung ist. Mit der Einführung der neuen Eigenkapitalregeln für Versicherer nach Solvency II ist ein Höchstrechnungszins eigentlich nicht mehr erforderlich. Künftig soll dieser Zins aber nicht mehr vom Bundesfinanzministerium, sondern von der Finanzaufsicht Bafin festgelegt werden.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Lebensversicherung - Regierung will Kosten bei Lebensversicherern deckeln

0 Kommentare zu "Lebensversicherung: Regierung will Kosten bei Lebensversicherern deckeln"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%