Lebensversicherung Versicherer wollen Provisionen deckeln

Die nächste Regierung soll Provisionen bei Lebensversicherungen begrenzen. Dies diskutieren die Versicherer auf Verbandsebene. Die Branche reagiert auf Kritik von Verbraucherschützern. Vertriebe sind gegen den Vorschlag.
Update: 20.08.2013 - 13:49 Uhr 14 Kommentare

Versicherungen: Ende des Provisionswahnsinns

BerlinDie deutschen Versicherer diskutieren eine Höchstgrenze für Vermittlerprovisionen bei Lebens- und Rentenversicherungen. Das gehe aus einem Schreiben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) an Mitgliedsunternehmen hervor, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“.

Anlass für die Überlegungen seien die aktuelle Niedrigzins-Phase und die Kritik von Verbraucherschützern und in der Politik, sagte eine Sprecherin des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) der Zeitung. Auch Unternehmensberater empfehlen den Versicherern, die Provisionen zu begrenzen.

Ziel der Verbandsinitiative sei es, nach der Bundestagswahl von der neuen Bundesregierung eine entsprechende gesetzliche Regelung zu fordern, heißt es in dem Zeitungsbericht. Damit wollten die Versicherer auch eine Position zu möglichen entsprechenden Forderungen des Gesetzgebers vorbereiten.

Beim Abschluss von Lebens- oder Rentenversicherungen sind häufig sehr hohe Provisionen fällig, die an die Vermittler ausgezahlt werden. Sie führen dazu, dass Kunden bei frühzeitiger Kündigung ihres Vertrages häufig viel Geld verlieren.

Verbraucherschützer kritisieren dies seit langem, auch von der Europäischen Kommission kamen wiederholt Forderungen nach einem Ende der Praxis. In einigen europäischen Ländern sind solche Provisionen bei Altersvorsorge-Produkten ganz verboten.

Die vorgeschlagenen Höchstgrenzen seien so knapp, dass sie vor allem Großvertriebe wie DVAG, MLP oder Swiss Life Select sowie zahlreiche Maklerfirmen in ernsthafte Schwierigkeiten bringen dürfte, hieß es in dem Bericht.

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14 Kommentare zu "Lebensversicherung: Versicherer wollen Provisionen deckeln"

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  • Nicht zu verkennen, dass der Versicherungsnehmer bei Fälligkeit der Lebensversicherung am Fälligkeitstag per Gesetz nur de Hälfte seines Anspruchs an den Bewertungsreserven erhält. Da ist es kein Wunder, dass de Bonizahlungen der Bersicherer gegenüber ihren Vorständen so üppig ausfällt.

    Die härteste Verfechterin dieser Ungerechtigkeit ist die Präsidentin der BAFin, die früher als Beraterin dieser Branche und später als Leiterin der Buchhaltung eines namhaften Versicherers tätig war.

    Diese Leistung der Versicherungslobby hat der Gesetzgeber zu korrigieren.

  • An die Redaktion:
    Ich vermute einen Buck in Ihrem System.

    Leider ist mein kritischer Kommentar immer noch nicht erschienen.

  • Einer wirtschaftlich ausgerichteten Zeitung wie dem Handelsblatt sollten solche Fehler nicht unterlaufen:

    Die Pulldown-Tabelle "Was Verkäufer in der Finanzbranche verdienen" ist falsch, reißerisch und übertrieben.

    Die Tabelle könnte bestenfalls heißen: "Was Anbieter dafür zahlen", dann stimmt sie (trotz einiger Übertreibungen) so einigermaßen.

    Es wird nämlich bei dieser Tabelle "mal eben vergessen", dass es sich bei den Zahlen um den "Umsatz" eines Maklers handelt und nicht um seinen Verdienst. Maklerbüros haben aufgrund der aufwändigen (vorgeschriebenen) Bürokratie, aufgrund von Gewerbesteuer, Kammerabgaben, teurer EDV für Kundenverwaltung und Vergleichsprogramme, Miete, Personal, Fahrt- und Reisekosten, Weiterbildung u.v.a. nämlich meist Kostensätze zwischen 40% und 60%. Der "Verdienst" liegt also ebenfalls nur bei 40% bis 60% der angegebenen Provisionen und ist damit wesentlich geringer als angegeben.

    Auch die Mitarbeiter von Großvertrieben muss man da mal in Schutz nehmen: Die haben zwar weniger Kosten zu tragen, bekommen meist aber auch nur 30% bis 60 % der angegebenen Werte ausgezahlt (und müssen davon noch ihre eigenen Kosten tragen).

    Und wenn man sich dann noch den Zeitaufwand (bei korrekter Arbeit) ansieht, den die zur Abwicklung notwendigen Schriftstücke heute verursachen, ist bestimmt kein ehrlicher Vermittler überbezahlt.

    S.

  • ich bin versicherungsmakler und kann diese forderung nicht nachvollziehen. faktisch verdienen makler im schnitt in deutschland rund 50.000,- euro im jahr. vor steuern versteht sich. wie soll dieses einkommen denn noch abgesnkt werden können, neben all den risiken aus haftungsgründen, die noch hinzukommen, den immensen zeitaufwänden wegen protokollen etc..

    ferner spricht man nciht über den gesamten sachversicherungsbereich, den wir für die bevölkerung vermitteln sollen und an dem wir so gut wie nichts verdienen.

    es wird zeit, dass wieder marktwirtschaft einzug hält.

    warum geht der gesetzgeber denn nicht endlich an die bankenwelt, eine bank leiht sich für 0,5% geld zinsen und verleiht es zwischen 3% bis zu 14% für Hypotheken und Überziehungszinsen weiter....das ist die wahre abzocke in deutschland!!!!!!!!!! komischerweise regt sich kaum einer darüber richtig auf, geschweige denn man schafft ein gesetz zur begrenzung dieser kosten.

  • Als Vertriebler hafte ich fünf (!) Jahre mit meiner Provision bei einem Storno. Mein Versicherungsgeber erstattet allerdings nicht die Vertriebskosten an den stornierenden Kunden zurück, sondern steckt diese ein und begründet die Einnahme mit Verwaltungs- und Vertriebskosten. Das ist wohl allgemeine Praxis. Es ist zudem nicht anzunehmen, dass ein Versicherungsvertriebler regelmässig Einnahmen aus dem Vertrieb von Kapitalversicherungen hat, es stellt mittlerweile vielmehr die Ausnahme dar. Der durchschnittliche Verdienst eine Versicherungsvertrieblers liegt bei unter 50.000 € im Jahr. Davon trägt er seine Betriebskosten, muss Steuern zahlen und seinen Lebensunterhalt sichern. Die Einnahmen sind nicht garantiert, sondern ausschliesslich aus Provisionen generiert.
    Es ist daher deutlich zu erkennen, dass die Diskussion über die Deckelung von Provisionen bei Kapitalversicherungen in vollem Umfang zu Lasten der Vertriebler geht, nicht zu Lasten der Versicherer.
    In Anbetracht der Ereignisse auf dem Kapitalmarkt und der Unmöglichkeit die dann fehlenden Erträge durch andere Produkte der Branche zu generieren, ist die Diskussion im Ansatz falsch. Die Diskussion müsste lauten:
    Deckelung der Vertriebskosten, ohne Inanspruchnahme der Vertriebsprovisionen, Rückerstattung aller Einzahlungen an den Verbraucher bei Auflösung (ggf. auch anteilig je nach Laufzeit des Produktes), Kosten gehen generell zu Lasten der Unternehmen.
    Man darf natürlich das Ganze auch in Verbindung mit Personal- und Sachkosten für Vorstände und sonstige Führungskräfte bringen. Schliesslich gibt es dort sicher große Einsparpotentiale. Oder müssen diese Personen generell einen Geschäftswagen der Oberklasse oder oberen Mittelklasse fahren, während der Außendienst einen Wagen mitzubringen und selbst zu finanzieren hat und dabei noch Ansprüche an Marke und Farbgebung gestellt werden seitens dieser Führungsmannschaft.
    Versicherungspaläste vs. vom AD zu tragenden Bürokosten. Ist das ok?

  • Als Berater müssen wir aber doch langsam mal einsehen, dass die Provisionen dem Abschluß im Weg stehen. Bei den derzeitigen Renditen machen die Vertriebskosten das Produkt unattraktiv. Es gilt also eine Regelung zu finden, bei der allen Interessen Rechnung getragen wird und trotzdem noch qualitativ hochwertige Beratung möglich ist. Kaum noch ein seriöser Berater empfiehlt klassische Rentenversicherungen, Verbraucher verzichten teilweise bewusst auf Altersvorsorge weil sie durch die Berichterstattung komplett verunsichert sind. Wenn die Senkung oder längere Verteilung der Provisionen dazu führt, dass wieder mehr Menschen Altersvorsorge betreiben belebt das nicht nur das Geschäft der Vermittler (auch bei niedrigeren Sätzen), es werden auch wieder mehr Menschen der Altersarmut entgehen und der Gesellschaft später nicht zur Last fallen. Dazu brauchen aber Kunden wie auch Berater verkaufbare Produkte, die in erster Linie für den Sparer attraktiv sein müssen.

  • Wohin geht denn die Reise?

    In Zukunft ist es nicht mehr für die Versicherer entscheident wie hoch die Provisionen sind sondern wer von den jungen Nachwuchskräften überhaupt noch für die oft
    selbstherrlichen Vertriebsvorstände arbeiten möchte.
    Es hilft auch nichts ständig die nützulichen Idionten der Medien- und Politik-Landschaft für die Sparziele der
    Versicherungsmanager einzuspannen!
    Wenn man für den Lohn der Beratungsarbeit-die Provision-ö
    5 Jahre haften muß ist dies doch Anlaß genug beim Verkauf die nötige sorgfalt walten zu lassen- sprich gut zu beraten und zu verkaufen-schlieslich sähe es ohne uns- die Versicherungsverkäufer mit dem Abschlußwillen der Verbraucher ganz schlecht aus- Wer würde denn da vorsorgen,Sparen oder nach einer fachlichen Beratung seine Versorgungslücken freiwillig richtig schließen-
    Ich finde es reicht langsam mit der Gängelei- sind wir doch stolz auf unsere Leistung in den letzten Jahrzehnten!

  • Hier wird einseitig auf Vermittlerprovisionen gezielt. Wichtig ist doch eigentlich, wie sich der Vertragswert für den Kunden entwickelt.
    Rückkaufswerte von Direktversicherern sind nicht deutlich höher und besser für den Kunden, denn einen großen Teil der ersparten Provisionen vereinnahmen die Versicherer selbst.
    Verbraucherschutz über Provisionsbegrenzung ist einseitig und verbessert unter Umständen nur die Ertragssituation der Versicherer und nicht der Verbraucher!

  • Die Stornohaftung von bis zu 10 Jahren ist schon längst da @AdvilA. Welche Berater kann eigentlich in der Versicherungswirtschaft noch langfristig planen unter solchen Vorausetzungen?

    Wenn die Kunden alle das VAG und den § 89 kennen würden, dann wäre die Stornoquote beim GDV wesentlich höher als zu dieser Zeit. Der GDV musste nun ja zugeben, dass durch vorzeitige Vertragskündigungen im ersten Halbjahr 2013 schon 14 Milliarden Euro ausgezahlt wurden. Das ist ein Rekordwert und dieser wurde noch nie in früheren Jahren erreicht. Bekanntlich hat auch ein Jahr 12 Monate. Sobald die ersten Versicherer 2014 - ? Ihre Schrott - Staatsanleihen bedingt durch die Euro - Krise abgeschreiben müssen und die Versicherten das in Ihrem Jahresbescheid entdecken, dann wird die Kündigungswelle erst richtig los gehen. Auch eine Protektor AG wird die Versicherer nicht retten können und daher wird dann das VAG & 89 zum tragen kommen. Welcher Berater hat auch so viele Reserven um die Masse an Stornos finanziell zu begleichen?

  • Es gibt alles billiger, aber ohne Beratung und Service ist der normale Kunde mittel- bis langfristig völlig verloren und überfordert. Spezialmakler haben sehr oft günstigere Angebote als das Internet. Natürlich muss die Qualität von Produkt und Beratung höchsten Anforderungen entsprechen. Die Art der Vergütung (Provision oder Honorar) ist kein Kriterium für Qualität. Honorarberater können schlecht beraten und teurer sein. Ein Provisionsberater haftet immerhin bis zu 5 Jahre für seine Beratung. Die komplizierte Welt erfordert mehr Beratungsqualität. Die Abschaffung von Vergütungen wird definitv nicht zu einer höheren Qualität führen, sondern zu weniger Service und Betreuung. Aller werden noch mehr auf die Spitzenverdiener konzentrieren. Der normale Deutsche verliert Qualität. Tatsache ist, dass die hohen Provisionen den normalen Vermittler erst in die Lage versetzen die schlecht bis gar nicht bezahlten Sparten auch anzubieten. Will man das nicht, dann kann man geren sich einmal für 120,- EUR die Stunde bei Verbraucherzentralen "beraten" lassen. Ohne Service, ohne Betreuung, ohne Qualifiktionsnachweis, ohne Haftung. Kommt auf lange Sicht viel teurer und viel aufwendiger. Nebenbei bemerkt: Trotz dem Stundelohn von 120,- EUR die Stunde werden Verbraucherzentralen noch staatlich subventioniert! Fazit: Qualtiät steigern durch Ausbildungsvorschriften, Produkt- und Beraterkontrollen und meinetwegen auch durch faire, staatlich begrenzte Provisionsobergrenzen. So schlecht ist die Beratung bisher nicht gelaufen in der Masse. Aber natürlich besteht - wie immer - Optimierungsbedarf. Honorare oder "das Internet" bieten keine wirkliche Lösung. Gefragt ist eine (Finanz-)DIENSTLEISTUNG im Sinne des Kunden.

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