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Leveraged Loans Der Appetit auf Hochrisikokredite lässt nach

Die Kursverluste an den Börsen im Dezember schrecken Investoren ab – gerade im riskanten Teil der Kreditmärkte. Das beendet einen gefährlichen Boom.
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Geschäfte der Banken an der Wall Street mit Unternehmenskrediten kühlen ab. Quelle: AP
Blick auf Manhattan

Geschäfte der Banken an der Wall Street mit Unternehmenskrediten kühlen ab.

(Foto: AP)

New YorkEs war für lange Zeit der heißeste Markt der Wall Street: Die Vergabe von riskanten Krediten boomte. Noch im Juli kletterte das Volumen ausstehender Kredite für ohnehin schon hochverschuldete Unternehmen – im Fachjargon „Leveraged Loans“ genannt – in den USA auf ein neues Allzeithoch von 1,1 Billionen US-Dollar, wie Daten des Analysehauses LCD zeigten.

Zu verlockend waren diese Darlehen, deren Zinsen mit denen der Notenbank steigen. Und in Zeiten einer wachsenden US-Wirtschaft machten sich nur die wenigsten Geldgeber Sorgen über das vergleichsweise hohe Ausfallrisiko.

Doch die ungewöhnlich volatilen Märkte der vergangenen Wochen und die Angst vor einer schwächeren Weltwirtschaft haben Investoren verschreckt, gerade auch im riskanten Teil der Kreditmärkte.

Investoren ziehen jetzt in Rekordzeit ihr Geld aus amerikanischen Kreditfonds ab. In der Woche bis zum 26. Dezember waren es 3,5 Milliarden Dollar, so viel wie noch nie. Es war zudem die sechste Woche in Folge mit Abflüssen von über einer Milliarde Dollar, wie aus Daten des Analysehauses Lipper hervorgeht, die längste Negativserie aller Zeiten.

Allerdings hat der Bereich bis zum Sommer auch deutliche Zuflüsse genossen. „Das kann durchaus eine gesunde Entwicklung sein“, gibt Jürgen Breuer, Deutschlandchef vom Kreditfonds Pemberton, zu bedenken.

Das hat die Preise auf dem Sekundärmarkt nach unten gedrückt, auf zuletzt 93,1 Cent pro Dollar, wie der Leveraged Loan Index von S&P und dem Branchenverband LSTA zeigt. Weite Teile des Jahres lag der Index zwischen 98 und 99 Cent pro Dollar.

Banken haben bereits mit deutlichen Schritten reagiert. Klassischerweise halten die Institute solche Kredite nicht in ihren Büchern. Stattdessen verkaufen sie sie weiter, in der Regel an spezielle Fonds und sogenannte Collateralized Loan Obligations (CLOs), die riskante Kredite verbriefen.

Banken könnten auf den Krediten sitzenbleiben

In der aktuellen Marktlage gerät die Maschine ins Stocken. Banken könnten die Kredite – wenn überhaupt – nur noch mit deutlichen Zugeständnissen verkaufen, berichten Insider. In den ersten drei Quartalen des Jahres haben Unternehmen oft günstigere Konditionen erhalten als erwartet, weil die Nachfrage der Investoren nach riskanten Krediten so hoch war, berichten Insider. Nun jedoch verlangen sie zunehmend höhere Zinsen oder winken ganz ab.

„Seit einem Monat etwa sehen wir, dass viele Deals in das neue Jahr geschoben wurden“, sagt Steven Messina, Partner der Kanzlei Skadden, Arps, Slate, Meagher and Flom in New York. Medienberichten zufolge haben etwa die Deutsche Bank und die UBS einen 1,3 Milliarden Dollar schweren Leveraged Loan für den Technologieanbieter Converge One auf 2019 geschoben.

Im schlimmsten Fall bleiben Banken auf den Krediten sitzen. Barclays und Wells Fargo etwa haben in der vergangenen Woche entschieden, einen 415 Millionen Dollar schweren Kredit für einen Buy-out einfach in ihren Büchern zu halten, weil sie keine Käufer finden konnten, wie der Finanzdienstleister Bloomberg berichtete. Das weckt Erinnerungen an die Finanzkrise vor zehn Jahren, in der Kreditmärkte schlicht ausgetrocknet waren.

In anderen Fällen sind die Banken die Kredite nur zu einem deutlichen Abschlag losgeworden. JP Morgan erzielte mit einem Kredit für einen Jet-Anbieter deutlich weniger als gedacht. Die Bank erhielt noch 93 Cent für jeden Dollar – einer der größten Nachlässe in diesem Jahr, wie aus Berechnungen von Bloomberg hervorgeht.

Ähnlich vorsichtig werden Investoren offenbar auch bei Hochzinsanleihen. Im Dezember hat sich kein einziges Unternehmen am 1,2 Billionen Dollar schweren Markt für riskante Anleihen neues Kapital besorgt. Das ist der erste Monat seit Ende 2008, in dem keine Hochzinsanleihe auf den Markt gekommen wäre. Analystenschätzungen zufolge könnten in diesem Jahr 60 Milliarden Dollar aus amerikanischen Fonds für Hochzinsanleihen fließen, doppelt so viel wie im vergangenen Jahr.

Die überraschende Dürre auf dem Markt für riskante Kredite könnte auch die Deutsche Bank hart treffen, die diesen lukrativen Bereich in den vergangenen Monaten trotz eines groß angelegten Sparprogramms ausgebaut hat.

Regulierer warnen

Regulierungsbehörden beobachten den riskanten Teil des Kreditmarktes schon länger. Erst Anfang Dezember haben sie verstärkt vor zu lockeren Standards bei der Kreditvergabe gewarnt. Lael Brainard, Gouverneurin der US-Notenbank Federal Reserve, kritisierte etwa, dass Geldgeber in ihrer Jagd nach Rendite zu sehr auf Schutzmechanismen verzichtet haben.

Die sogenannten Covenants, die Investoren für riskante Kredite üblicherweise verlangen, sind in diesem Jahr so schwach wie nie, zeigte eine Studie der Ratingagentur Moody’s bereits im Sommer. In rund 80 Prozent der Fälle seien Investoren mit einer schwächeren Variante, „Covenant Lite“ genannt, einverstanden.

Das kann allerdings noch zu einem anderen Problem führen. Die Schutzmechanismen dienten Investoren in der Vergangenheit auch als eine Art Frühwarnsystem, erklärt Anwalt Messina. Wenn Unternehmen zum Beispiel eine höhere Verschuldungsquote oder einen höheren Zinsdeckungsgrad aufwiesen als zuvor vereinbart, galt dies als ein Zeichen für eine mögliche Liquiditätskrise. „In einer Welt, in der die meisten Leve‧raged-Loan-Deals unter die Kategorie Covenant Lite fallen, gibt es diesen Schutz nicht mehr.“

Solange die Unternehmen überleben, ist das noch kein Problem. Und: Bislang waren die Ausfallraten gering. Sollte jedoch eine Krise eintreten, dann könnten die Ausfallraten für diese Kredite besonders hoch sein, warnte Brainard. Es könnte zu „Herabstufungen der Unternehmen, Refinanzierungsschwierigkeiten und Zahlungsausfällen kommen und somit zu Verlusten bei den Investoren“.

Die Folgen könnten flächendeckend spürbar sein. Einige Notenbanker etwa machen sich Sorgen, dass die Effekte solch einer Spirale nicht nur die Investoren treffen, sondern schnell auch den Arbeitsmarkt belasten, wenn überschuldete Unternehmen pleitegehen oder im großen Stil Stellen streichen.

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  • ...es wird eng und die Fallhöhe der internationalen Staaten- und Unternehmensgemeinschaft in Bezug auf Schulden ist wesentlich höher als 2008...Das Geldsystem muss in seinen Grundfesten reformiert werden...Ein Augen zu...Geldhahn auf, wird nicht reichen wie 2008...aber in der Krise liegt die Chance

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