Libor-Reformpläne 300 Billionen Dollar suchen neuen Maßstab

Einige gierige Händler von Großbanken haben den Leitzinssatz manipuliert und die Finanzwelt einmal mehr erschüttert. Die britische Finanzaufsicht hat nun ihre Reformpläne vorgelegt. Doch der große Wurf bleibt aus.
Update: 28.09.2012 - 14:00 Uhr 15 Kommentare
Blick auf das Bankenviertel Canary Wharf in London. Quelle: dpa

Blick auf das Bankenviertel Canary Wharf in London.

(Foto: dpa)

LondonDer Leitzinssatz Libor soll grundlegend reformiert werden. Die britische Finanzaufsicht hat nun Pläne vorgelegt, wie das Vertrauen in den ins Zwielicht geratenen Referenzzins wieder hergestellt werden soll. Eine größere Transparenz, eine strengere Aufsicht und härtere Strafen sollen den Libor wieder auf eine solide Basis stellen.

Trotz des Manipulationsskandals wird der Referenzzins damit vorerst nicht abgeschafft. „Das System ist beschädigt und muss komplett überarbeitet werden“, sagte Martin Wheatley, Chef britische Finanzaufsicht FSA. Allerdings sei der Libor so stark als zentraler Zinssatz im Finanzsystem verankert, dass eine Abschaffung derzeit nicht möglich sei. Es gebe aktuell auch keine besseren Alternativen. Langfristig sollte man darüber jedoch nachdenken, betonte der Chef-Aufseher. Wheatley hatte im Auftrag der britischen Regierung eine Untersuchung des Systems geleitet und am Freitag seinen Bericht vorgelegt.

Ein Manipulationsskandal hatte in diesem Sommer das Vertrauen in den bedeutenden Zinssatz erschüttert. Auf diesem beruhen weltweit Finanzprodukte im Wert von mehr als 300 Billionen Dollar, darunter Hypotheken, Kreditgeschäfte und komplexe Derivate-Transaktionen. Eine Reihe von Händlern mehrerer Großbanken hatte systematisch und über Jahre den Libor-Satz manipuliert. Die Händler hatten sich untereinander abgestimmt, je nach Wunsch höhere oder niedrigere Zinssätze gemeldet und so den gesamten Referenzsatz nach oben oder unten getrieben.

Weltweit ermitteln die Aufseher gegen rund 15 prominente Geldhäuser, die in den Skandal verwickelt sein sollen. Analysten von Morgan Stanley schätzen den durch die Libor-Tricksereien entstandenen Schaden für die Weltwirtschaft auf 17 Mrd. Dollar, das Haftungsrisiko für Banken auf 6,2 Mrd. Dollar.

Der Libor beruht auf einer Umfrage, die seit 1986 der britische Bankenverband BBA organisiert. 18 große Banken am Finanzplatz London melden täglich, zu welchem Zins sie sich untereinander Geld leihen würden. Aus den Ergebnissen errechnet die Nachrichtenagentur Reuters dann Zinssätze für 15 verschiedene Laufzeiten und zehn Währungen. Allerdings beruht der Libor nicht nur auf tatsächlichen Transaktionen, sondern zum großen Teil auch auf Schätzungen der Banken, vor allem für längere, weniger liquide Laufzeiten. Diese Konstruktionsschwäche macht den Leitzins anfällig für Manipulationen.

Der nun vorgestellte Zehn-Punkte-Plan deckt sich weitgehend mit den Erwartungen der Marktteilnehmer. Nach den Vorschlägen der FSA schreibt ein Verhaltenskodex den Banken künftig vor, nach welchen Prioritäten sie die Referenzsätze für ihre tägliche Meldung ermitteln. An erster Stelle stehen die Konditionen von realen Transaktionen im unbesicherten Interbanken-Einlagenmarkt – und nicht mehr Schätzungen.

Die Wirtschaftsprüfer von PwC sehen auch nach der Reform noch eine entscheidende Schwäche. Die Finanzkrise hat gezeigt, dass in Stressszenarien die Liquidität am Interbankenmarkt austrockne, weil sich die Geldhäuser  gegenseitig kein Geld mehr leihen. In einer solchen Situation  lassen sich auch mit den neuen Methoden keine aussagekräftigen Liborsätze mehr berechnen. „Ausgerechnet wenn er am wichtigsten wäre, wird der Libor nutzlos“, klagt PwC.  Die Schlussfolgerung der Wirtschaftsprüfer: Auf Dauer werden Aufseher und Anleger nicht darum herumkommen, sich einen völlig neuen Referenzzins zu suchen.

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15 Kommentare zu "Libor-Reformpläne: 300 Billionen Dollar suchen einen neuen Maßstab"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Solange die Menschen nicht wissen, wie das Geld und die Wurst gemacht werden, können sie ruhiger schlafen.

    Würde der Staat, wie es ihm eigentlich zustände, sein Geld selber aus der Luft schöpfen, und dieses ungerechtfertigte Monopol den Privatbanken überlassen, bräuchten wir alle KEINE STEUERN zu bezahlen.

    Das Verschweigen dieser Tatsache ist der wirkliche Steuerbetrug. Unser Geldsystem ist darauf ausgerichtet, die Menschen zugunsten der Eliten zu versklaven. Mit dem ESM wurde dieses Versklavungssystem von der BRD auf EU Ebene gehoben.

    Der Euro ist das Instrument dazu.

  • es wird so nicht mehr weitergehen - alles wird sich ändern:

    youtube: 2012 Der Weltwirtschaftskollaps

    http://www.youtube.com/watch?v=UxHCe8nwqVg&feature=relmfu

  • @Wendepunkt
    Sie füttern also mit Ihren Steuern 10Hartzer durch, dann muß Ihr Vermögen auch nicht gerade klein sein zum enteignen. Ich bin seit 36 Jahren Arbeitnehmer und mit meinem Ersparten beteilige ich mich durch Aktien an der Deutschen Volkswirtschaft was meiner Meinung nach jeder tun sollte. Ich denke mal Sie haben sich von meinem Synonym täuschen lassen

  • @Wendepunkt @GORDONGECKO

    @ falscher Wendepunkt: na wer hat denn da mein Synonym geklaut ?

    erschütternd dass Sie sich einen Unternehmer der solche Gedanken hat nicht vorstellen können - aber verständlich, denn Sie können ja nur Synonyme klauen und Börsencasino spielen.

    Eine gesunde Volkswirtschaft braucht so unreife Leute wie Sie mitsamt der Börse und dem Zinseszins-System definitv NICHT .

  • @GORDONGECKO

    25 Jahre selbständiger Unternehmer mit einer auf dem Sofa HartzIV Ich-AG.

  • @Wendepunkt
    Sie sind seit 25 Jahren selbständiger Unternehmer und haben solche Gedanken (Alle Investoren enteignen)??????

  • @GORDONGECKO

    zum besseren Verständnis: ich beziehe keine HartzIV Bezüge und das war in meinem Leben noch nie der Fall. Seit 25 Jahren bin ich selbständiger Unternehmer und füttere mit meinen Steuern mindestens 10 HartzIV -Empfänger mit durch .

  • @GORDONGECKO

    Sie doch ganz bestimmt nicht !

    Und HartzIV wird dann nicht mehr gebraucht - weil es für alle Arbeit gibt wenn die Investoren nicht mehr die Profite aus der Wirtschaft für sich rauszocken.

    Aber es wird wohl ein HartzV eingerichtet werden:
    für all die Investoren , die nix anderes gelernt haben als in diesem narzisstischen, menschenverachtenden Börsencasino mitzuspielen.

  • ...17 Milliarden DollarSchaden; da gibt's Schlimmeres.

    Das Geld ist ja irgendwo anders: von Bankern verballert, Löcher gestopft, Griechen gerettet, von anderen Betrügern abgesaugt.

    Wir sollten uns besser um einen Neustart bemühen.

  • @Wendepunkt
    und wer bezahlt dann Ihre Hartz4 Bezüge?

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