Libor-Skandal Briten verhängen erstes Berufsverbot gegen Händler

„Er wusste, dass das falsch war, was er tat“: Im Skandal um Manipulationen des Referenzzinssatzes Libor hat die britische Finanzaufsicht FCA erstmals ein Berufsverbot gegen einen Händler verhängt.
Kommentieren
Die britische Finanzaufsichtsbehörde FCA hat gegen einen Händler wegen dessen Beteiligung am Libor-Skandal ein Berufsverbot verhängt. Quelle: Reuters
Verstöße „unentschuldbar und besonders gravierend“

Die britische Finanzaufsichtsbehörde FCA hat gegen einen Händler wegen dessen Beteiligung am Libor-Skandal ein Berufsverbot verhängt.

(Foto: Reuters)

LondonIm Skandal um Zinsmanipulationen zeigt die britische Finanzaufsicht FCA erstmals einem Händler die Rote Karte. Die Behörde gab am Dienstag ein Berufsverbot für einen früheren Händler der niederländischen Rabobank bekannt. Er wurde in den USA wegen Betrugs verurteilt.

Er hatte im vergangenen Jahr zugegeben, sich in seiner Zeit bei der Rabobank an Absprachen zur Manipulation des Referenzzinssatzes Libor beteiligt zu haben, um Handelsgewinne einzustreichen. FCA-Vertreterin Georgina Philippou nannte das Vorgehen des Händlers unentschuldbar und besonders gravierend.

Wie die US-Notenbank den Zinsskandal entdeckte
20070827_Email_in_Antwort_auf_Barclays_Rundmail
1 von 8

27. August 2007

Auf eine der regelmäßigen Marktberichte von Barclays antwortet jemand (Absender von der Fed anonymisiert) und hegt den Verdacht, dass der Libor-Satz in US-Dollar „zu niedrig“ erscheint. Man solle „eigene Schlüsse ziehen, warum Leute auf unrealistisch niedrige Libors setzen“.

Quelle: Die Dokumente in dieser Galerie sind zum Großteil von Barclays im Zuge jüngster Ermittlungen dem New Yorker Zweig des US-Notenbanksystems zur Verfügung gestellt worden. Sie stehen auf dieser Website zum Download zur Verfügung.

Anm. d. Redaktion: In einer ersten Fassung hatte sich ein falsches Datum eingeschlichen, das wir nachträglich korrigiert haben.

20070926_Rundmail_Barclays
2 von 8

26. September 2007

Im regelmäßigen Marktbericht schreiben Barclays-Mitarbeiter, dass Übernachtkredite „sehr billig“ zu handeln seien. Man habe das Gefühl, dass die Libor-Zinsen wieder „eher unrealistisch“ würden.

20071129_Rundmail_Barclays
3 von 8

29. November 2007:

Eine weitere Rundmail der Barclays-Marktbeobachter. Die wenigen Geschäfte, die im Interbankenmarkt getätigt würden, würden „gewöhnlich über dem geschehen, wo der offizielle Libor festgesetzt wurde“.

Auf dem Libor-Zinssatz basieren viele Finanzprodukt und auch variabel verzinste Darlehen orientieren sich an ihm. Dadurch hat eine manipulierter Libor weit reichende Folgen. Mit Beginn der Finanzkrise wurden die Libor-Gebote der Banken aber auch zum Indikator dafür, welche Bank wie verzweifelt auf Geld aus dem Markt angewiesen ist. Vereinzelt wurden Banken in der Finanzpresse dafür gescholten, zu gewissen Zinssätzen Geld beschafft zu haben, was als Schwäche interpretiert wurde.

20071217_Gespräch_zwischen_Fed-MA_Barclays-MA
4 von 8

17. Dezember 2007:

In einem Gespräch zwischen einer Mitarbeiterin der New Yorker Zweigstelle des US-Notenbanksystems („P“ abgekürzt) und einem vollständig anonymisierten Mitarbeiter von Barclays, gibt es einen Dialog während einer regelmäßigen Marktbefragung. „Libors werden sowieso zu niedrig angesetzt, das ist korrekt“, so der Bank-Mitarbeiter.

20080411_Gespräch_zwischen_Fed-MA_Barclays-MA
5 von 8

11. April 2008:

Zu Beginn eines Telefonats einer Notenbank-Mitarbeiterin (FR) mit einem Bank-Mitarbeiter unterhalten sich beide locker über die Unterschiede zwischen britischem und amerikanischem Akzent. Doch dann wird das Gespräch sachlich. Die auf Dollar notierenden Libor-Sätze „reflektieren nicht, wo der Markt handelt“, so der Barclays-Angestellte. Viele andere würden das auch so sehen. Die Kurse würden derzeit etwa 0,08 bis 0,1 Prozentpunkte über den Libor-Fixingkursen liegen.

20080411_quote_galerie
6 von 8

11. April 2008 (Fortsetzung):

Im weiteren Verlauf desselben Gesprächs räumt der Mitarbeiter schließlich freimütig ein, dass zuletzt ein Zeitungsbericht für helle Aufregung gesorgt habe. Darin war eine Bank mehr oder weniger dafür an den Pranger gestellt worden, sich zu einem leicht erhöhten Zinssatz Geld geliehen zu haben. Deswegen sei man dazu übergegangen, niedrigere Zinsen zur Libor-Feststellung zu melden als diese tatsächlich wären. Mehrere Banken würden so handeln. „Wir geben keinen ehrlichen Libor an“, sagt der Barclays-Mitarbeiter schließlich. Er gibt allerdings keinen Hinweis darauf, dass dies aus anderen Gründen als zum Selbstschutz geschehe. Eine bewusste Manipulation, um daraus finanziellen Nutzen zu haben, ergibt sich aus dem Gespräch nicht.

20080411_Fed_Martkbericht
7 von 8

11. April 2008:

In ihrem eigenen Marktbericht, der innerhalb des Notenbanksystems und etwa an das US-Finanzministerium geschickt wird, weist die New Yorker Zweigstelle auf ihre gesammelten Erkenntnisse hin - allerdings auf einer der hinteren Seiten erst. Dennoch nimmt die Fed das zum Anlass, um das Finanzministerium detailliert zu informieren. Schließlich schickt der New Yorker Fed-Chef und jetzige US-Finanzminister Empfehlungen an den britischen Notenbankchef Mervyn King, wie die Libor-Feststellung verbessert werden könnte.

„Er wusste, dass das falsch war, was er tat“, sagte sie. Im Zusammenhang mit dem Zinsskandal hatte die FCA bereits früher gegen zwei hochrangige Manager Strafen und Berufsverbote verhängt. In die Affäre sind Großbanken rund um den Globus verstrickt. Der Libor ist Grundlage für Finanzprodukte im Volumen von etwa 450 Billionen Dollar weltweit.

  • rtr
Startseite

0 Kommentare zu "Libor-Skandal: Briten verhängen erstes Berufsverbot gegen Händler"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%