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Lira-Schwäche Die Zahl der toxischen Kredite in der Türkei nimmt zu

Der Wertverlust der türkischen Lira hat viele Produkte in dem Land teurer gemacht – auch Auslandskredite. Experten warnen: Immer mehr Firmen können ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen.
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Lira-Schwäche: Zahl notleidender Kredite in der Türkei nimmt zu Quelle: dpa
Türkei - Wirtschaft

Eine überdimensionale Kopie einer 200-Lire-Banknote mit einem Foto des Gründers der Republik Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, hängt in einer Wechselstube. Es mehren sich die Anzeichen für einen wirtschaftlichen Abschwung des Landes.

(Foto: dpa)

IstanbulNach Ansicht von Experten steigt die Zahl notleidender Kredite in der Türkei massiv an. Wie die Ratingagentur Moody’s am Montagabend bekanntgab, sei der Anteil der Kredite in dem Land, der womöglich nicht mehr beglichen werden kann, im Jahr 2018 auf 3,87 Prozent bezogen auf alle Kredite angestiegen. 2017 lag der Wert bei 2,95 Prozent – ein Anstieg um rund ein Drittel also. Die Maßnahmen der türkischen Regierung, trotzdem Investoren zu einer stärkeren Kreditaufnahme zu motivieren, seien kontraproduktiv, folgern die Rating-Experten.

Das deckt sich mit den Zahlen, die der größte Aufkäufer türkischer notleidender Kredite meldet. Hilmi Güvenal, Vorstandsvorsitzender von Hayat Varlik Yönetim, rechnet auch für dieses Jahr einen Anstieg notleidender Kredite um 33 Prozent. „Der Wandel von Krediten, die unter stärkerer Beobachtung stehen, hin zu nicht bedienbaren Krediten wird ansteigen“, ist er sicher.

Damit mehren sich Anzeichen einer wirtschaftlichen Abkühlung in dem Land. Das liegt vor allem an der schwachen Währung: Die Lira hatte im vergangenen Jahr zwischenzeitlich fast 50 Prozent an Wert zum US-Dollar verloren. Dadurch hatten sich Auslandsschulden türkischer Unternehmen stark verteuert.

Gerade Energiefirmen hatten gelitten: Sie verdienen ihr Geld in der schwächeren Landeswährung, müssen aber Öl und Gas zu Weltmarktpreisen in Dollar einkaufen. Viele Konzerne aus dem Energiesektor verhandeln daher derzeit nach Informationen des Handelsblatts mit türkischen Banken über neue Bedingungen für ihre Milliardenkredite.

Die Vizepräsidentin für Investment-Banking der türkischen Garantie Bank, Ebru Dildar Edin, rechnet damit, dass alle Banken des Landes in diesem Jahr alleine im Energiesektor bis zu acht Milliarden Dollar Kreditschulden restrukturieren müssen. Die Banken hätten das Wachstum im Energiemarkt mit 60 Milliarden Dollar Kreditgeldern gefördert. Ein Drittel davon sei zurückgezahlt, der Rest stehe noch aus.

Insgesamt liege bei den sieben größten Banken der Anteil notleidender Kredite mit 4,1 Prozent sogar etwas höher als im Durchschnitt, wie Moody’s bekanntgab. Demnach ist bei den großen Geldhäusern jeder zehnte Kredit bereits unter verstärkter Beobachtung (Stage-2-Kredit). Das Analysehaus beruft sich dabei auf die Bilanzen der Banken sowie auf eigene Recherchen.

Die Misere im Kreditsektor ist damit ein doppeltes Problem: Weil bei den Konzernen ein großer Teil des Geldes in der Bilanz darin gebunden ist, alte Kredite abzulösen, fehlt das Geld an anderer Stelle, um zu investieren und Wachstum zu generieren. Die Banken wiederum müssen jetzt mit den Firmen über günstigere Bedingungen für die Rückzahlung verhandeln. Ergo: Den Geldhäusern gehen geplante Gebühreneinnahmen verloren, etwa in Form geringerer Zinssätze.

Garantie-Bankerin Dildar Edin gibt sich trotzdem optimistisch: Wenn die Kredite umstrukturiert seien, eröffneten sich für die Unternehmen neue Möglichkeiten, wieder zu investieren. Schuldenaufkäufer Güvenal glaubt zwar nicht, dass der Anteil notleidender Kredite im kommenden Jahr im selben Tempo weiter ansteigen wird. Aber nur unter einer Bedingung: wenn die türkische Lira stabil bleibt.

Mehr: Die Folgen der Inflation – Warum der türkische Staat jetzt Gemüse verkauft.

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