Londoner Geschäftsleute unter sich „Ein Busen-Job für die Gattin“

Ein Saal voller wohlhabender Männer und 130 junge Hostessen, „hochgewachsen, schlank, hübsch“: Ein Galadinner der Londoner Business-Elite befeuert die Sexismus-Debatte in der Geschäftswelt aufs Neue.
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Zwei Reporterinnen der „Financial Times“, die undercover unterwegs waren, berichten von ihren Erfahrungen beim Presidents Club. Quelle: Reuters
Londoner Businessviertel Canary Wharf

Zwei Reporterinnen der „Financial Times“, die undercover unterwegs waren, berichten von ihren Erfahrungen beim Presidents Club.

(Foto: Reuters)

Das Dorchester wirbt damit, eine der besten, wenn nicht sogar die beste Adresse Londons zu sein. Das Fünf-Sterne-Hotel im Stadtteil Mayfair, direkt am Hyde Park, beherbergt Royals und Scheichs, Filmstars und Milliardäre. Vergangenen Donnerstag empfing es die Gäste des Presidents Club zur alljährlichen Spenden-Gala.

360 Spitzenvertreter aus Wirtschaft und Politik vergnügten sich bei Dom Perignon und Stoli Elit Wodka. Für Unterhaltung sorgte der Comedian David Walliams („Little Britain“). Eingeladen zu der Traditionsveranstaltung, die seit 33 Jahren stattfindet, sind nur Männer. Die einzigen Frauen im Raum waren 130 Hostessen, ausgesucht laut Stellenanzeige nach den Kriterien „hochgewachsen, schlank, hübsch“, sowie ihre Aufpasserinnen.

Unter den Hostessen waren diesmal allerdings auch zwei Reporterinnen der „Financial Times“. Sie hatten sich von der Agentur für den Abend casten lassen und beobachteten undercover das Geschehen. Was sie in den sechs Stunden erlebten, befeuert nun einmal mehr die Sexismus-Debatte in den Führungsetagen des Landes.

Die ausführliche FT-Titelgeschichte kann niemanden überraschen, der den Weinstein-Skandal in Hollywood und die anschließende MeToo-Debatte auch nur halb verfolgt hat. Doch ist es schon erstaunlich, dass eine solche Veranstaltung inmitten dieser Debatte noch stattfinden kann.

Die Hostessen seien angemacht, angegrapscht und zum Sex aufs Zimmer eingeladen worden, berichtet die Zeitung. So war der Abend auch angelegt. Die Agentur, die die jungen Frauen rekrutiert hatte, hatte ihnen genaue Anweisungen gegeben: So sollten sie „sexy schwarze Schuhe“ und schwarze Unterwäsche anziehen. Im Hotel bekamen sie dann ihre Uniform: Ein kleines Schwarzes und einen extrabreiten, korsettähnlichen Gürtel. Bevor es in den Saal zu den Männern ging, gab die Agenturchefin den Frauen noch mit, dass sie ihr Bescheid sagen sollten, falls die Männer zu aufdringlich würden. Im Saal begrüßte ein Sportmoderator die Gäste zum „politisch inkorrektesten Event aller Zeiten“.

Zwei Reporterinnen der „Financial Times“, die undercover unterwegs waren, erheben schwere Vorwürfe gegen Spitzenvertreter aus Wirtschaft und Politik. Quelle: Reuters
Londoner Businessviertel Canary Wharf

Zwei Reporterinnen der „Financial Times“, die undercover unterwegs waren, erheben schwere Vorwürfe gegen Spitzenvertreter aus Wirtschaft und Politik.

(Foto: Reuters)

Der Presidents Club ist eine angesehene Wohltätigkeitsorganisation. Im Laufe der Jahre hat er 20 Millionen Pfund an Spenden gesammelt. Auch an diesem Abend wurden insgesamt Spenden im Wert von zwei Millionen Pfund erlöst. Versteigert wurden unter anderem ein Essen mit Außenminister Boris Johnson und ein Tee mit Notenbankchef Mark Carney. Die Gäste konnten außerdem eine Schönheitsoperation ersteigern oder, wie der Moderator es laut FT ausdrückte, „einen Busen-Job für die Gattin“.

Die Schilderungen des Abends lösten Empörung aus. Der konservative Staatssekretär Nadhim Zahawi beeilte sich zu versichern, er sei da gewesen, aber früh gegangen. Das Hotel und die Gastgeber beteuerten, ihnen seien keine sexuellen Übergriffe aufgefallen, man werde nun aber eine Untersuchung einleiten.

Die weltgrößte Werbeagentur WPP, die einen Tisch bei dem Event gesponsert hatte, kündigte an, künftig nicht mehr teilzunehmen. Keiner seiner Mitarbeiter habe sexuelle Übergriffe gesehen, sagte CEO Martin Sorrell, der an dem Abend selbst nicht dabei war. Das Kinderkrankenhaus Great Ormond Street kündigte an, alle Spenden des Presidents Clubs zurückzugeben.

Die Labour-Abgeordnete Jess Phillips sagte, dies sei ein „furchtbares Beispiel reicher Männer mit ekelhaftem Anspruchsdenken“. Die stellvertretende Parteichefin der Liberaldemokraten, Jo Swinson, sagte, beim Lesen des Berichts drehe sich ihr der Magen um. „Mehr als 300 reiche Geschäftsleute sind also gern bereit, zu einem solchen Event zu gehen“, sagte sie. „Das zeigt, dass die sexistische Kultur in Teilen der Geschäftswelt immer noch sehr lebendig ist. Es reicht mit diesem Scheiß.“

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1 Kommentar zu "Londoner Geschäftsleute unter sich: „Ein Busen-Job für die Gattin“"

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  • Geld macht eben auch erotisch , siehe auch jedes Jahr das Schauspiel Wiener Hofball mit einem alten Angeber und etlichen ähnlichen Zeitgenossen. Aber mal so eine Frage in die Runde, ist es in der Menschheitsgeschichte je anders gewesen? Fast jeder verkauft sich irgendwie , Arbeitnehmer ihre Arbeitskraft, Politiker ihre Gesinnung, Wirtschaftler Manager Politiker auch noch ihre Sozialverantwortung. Die Zauberworte heißen Geld Macht Profit Gewinnmaximierung. Ein Fair Play ist da nicht zu erwarten, den einfache Grundsatz Leben und leben lassen kennen diese Spitzen der Gesellschaft nicht. Warum sollten sie auch, die Menschen die Mehrheit, mit Dummheit gut gefüllt wählen sich diese Gesellschaftsblüten ja auch immer weiter. Also Augen zu und weiter geht die Show.

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