LSE-Zusammenschluss Deutsche Börse hält Fusion für politisches Signal

Carsten Kengeter, Chef der Deutschen Börse, glaubt die Fusion mit dem britischen Rivalen LSE bis Juni vollziehen zu können. Fragen nach einem Rücktritt wegen staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen gegen ihn weicht er aus.
Update: 16.02.2017 - 11:52 Uhr 2 Kommentare

Fusion mit London: So will Deutsche Börse dem Brexit trotzen

Fusion mit London: So will Deutsche Börse dem Brexit trotzen

FrankfurtDeutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter glaubt trotz des Streits um den Holding-Sitz an die Zustimmung der Behörden zur geplanten Fusion mit der Londoner Börse LSE. Vor allem der bevorstehende Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union hatte Bedenken gegen die Fusion verstärkt. Kengeter warb am Donnerstag erneut für die Pläne und stellte sie als mögliches politisches Signal dar: „Die Fusion wäre ein Zeichen für ein geeintes Europa – für Brücken statt Mauern.“

Trotz andauernder Widerstände seid das Unternehmen auf der Zielgeraden. „Inzwischen sind wir in der entscheidenden Phase unseres geplanten Zusammenschlusses angelangt“, sagte Kengeter bei der Bilanzvorlage des Dax-Konzerns in Frankfurt. Es werde sichergestellt, „dass die kombinierte Gruppe sämtliche regulatorischen Anforderungen im Hinblick auf den Vollzug der Transaktion erfüllen wird“, bekräftigte der Manager laut Redetext. „Damit könnte der Zusammenschluss im zweiten Quartal vollzogen werden.“

Die hessische Landesregierung pocht darauf, dass die fusionierte Börse ihren Sitz in Frankfurt haben soll und nicht wie geplant in London. „Wir haben gut zugehört, was die Verantwortlichen in Hessen gesagt haben“, sagte Kengeter. Die beim Wirtschaftsministerium angesiedelte Börsenaufsicht habe aber unabhängig vom Holding-Sitz den vollen Zugriff auf die Frankfurter Börse.

Die größten Börsenbetreiber der Welt
Platz 10: BM&F Bovespa
1 von 10

Die Bedeutung der brasilianischen Börse hat in den vergangenen Monaten stark gelitten. Das Land steckt tief in der Rezession. Neben den hausgemachten Problemen lastet auch die globale Konjunktureintrübung auf dem südamerikanischen Schwellenland. Die Börse in Brasilien hat sich dementsprechend katastrophal entwickelt. Auf Jahressicht hat der Bovespa über 15 Prozent verloren. Hinsichtlich der Marktkapitalisierung reicht es deswegen nur für den zehnten Platz.

Marktkapitalisierung: 4,6 Milliarden Euro*

*Stand: 23. Februar 2016

Platz 9: Singapore Exchange
2 von 10

Die Singapore Exchange ist 1999 aus der Fusion der Stock Exchange of Singapore und der Singapore International Montary Exchange hervorgegangen. Insgesamt sind knapp 800 Unternehmen an der Börse in Singapur gelistet.

Marktkapitalisierung: 5,0 Milliarden Euro

Platz 8: ASX
3 von 10

Der Preisverfall an den Rohstoffmärkten hat auch Australien hart getroffen. Vor allem die Geschäfte mit dem Hauptabnehmer China verlaufen schleppend. Die jahrelang glänzend verlaufenden Geschäfte im Eisenerzhandel sind nicht mehr so gewinnbringend. Auf Jahressicht hat die ASX knapp 15 Prozent verloren. Das ging an der Marktkapitalisierung nicht spurlos vorbei.

Marktkapitalisierung: 5,3 Milliarden Euro

Platz 7: Japan Exchange Group
4 von 10

Die Börse in Tokio hat ein lange Geschichte. Gegründet wurde sie 1878. Seit 1999 gibt es keinen Parketthandel mehr, sondern nur noch den elektronischen Börsenhandel. Neben dem Tokyo Stock Exchange existierte noch die Osaka Securities Exchange, 2011 fusionierten sie. Die Japan Exchange Group ging 2013 an den Start und ist laut Marktkapitalisierung die siebtgrößte der Welt.

Marktkapitalisierung: 7,6 Milliarden Euro

Platz 6: Nasdaq
5 von 10

Die Nasdaq startete im Februar 1971 als vollelektronische Handelsplattform. Ihre ganz große Zeit hatte die Nasdaq in den 90er-Jahren. Inzwischen muss sie hart um Marktanteile kämpfen. Das Wahrzeichen der Börse im Herzen New York ist die Wand mit Bildschirmen. Hinsichtlich der Marktkapitalisierung liegt die Nasdaq zwar noch vor der Japan Exchange Group, doch der Abstand zu den Spitzenplätzen ist groß.

Marktkapitalisierung: 9,5 Milliarden Euro

Platz 5: London Stock Exchange
6 von 10

Die London Stock Exchange (LSE) könnte bald mit der Deutschen Börse fusionieren. Das Interesse der Deutschen ist allerdings nicht neu. Bereits 2004 buhlten die Deutsche Börse um die LSE. Damals scheiterten die Verhandlungen, weil den Londonern das Angebot zu niedrig war. Die LSE ist mit 3000 handelnden Unternehmen aus über 70 Ländern der internationalste aller Handelsplätze und über 300 Jahre alt.

Marktkapitalisierung: 12,2 Milliarden Euro

Platz 4: Deutsche Börse
7 von 10

Bei einem Zusammenschluss könnte das fusionierte Unternehmen aus Deutscher Börse und LSE zu einem der größten Börsenbetreiber der Welt aufsteigen. Aktuell liegen die Deutschen schon auf Platz 4.

Marktkapitalisierung: 15,9 Milliarden Euro

Ein Abzug der Börse aus Deutschland sei nicht möglich, trat Kengeter Ängsten entgegen. „Die Befürchtungen, der Finanzplatz Frankfurt könne durch den Zusammenschluss an Bedeutung verlieren, verkennen eins: Das größte Risiko für Frankfurt ist, nichts zu tun.“ Die deutsche Bankenmetropole sei im internationalen Vergleich der wichtigsten Finanzplätze in den vergangenen zehn Jahren stark abgerutscht. „Das können wir uns als Standort nicht leisten.“ Mit der Fusion mit der LSE könne die Deutsche Börse ihre Position verbessern.

Bis zum 3. April will die EU-Kommission ihre Prüfung des Fusionsvorhabens abschließen, danach muss auch noch die hessische Börsenaufsicht zustimmen. Für Kritik sorgt am Finanzplatz Frankfurt vor allem, dass die beiden Konzerne London als rechtlichen Sitz des Gemeinschaftsunternehmens vereinbart haben. Bei einem EU-Austritt der Briten (Brexit) wäre damit der Sitz außerhalb der Europäischen Union.

Der Vorstandschef kündigte an, die Deutsche Börse werde in diesem Jahr weitere 400 Stellen schaffen, davon mehr als 300 in Frankfurt. Von den 5200 Mitarbeitern arbeiteten zuletzt mehr als 2200 in Deutschland.

„Insiderhandel widerspricht allem, wofür ich stehe“

Vorwürfe gegen ihn persönlich wegen des Vorwurfs des Insiderhandels hält Kengeter für unbegründet. „Klar ist, dass der im Raum stehende Vorwurf im Interesse integrer Märkte aufzuklären ist“, sagte der Manager laut Redetext. „Die Deutsche Börse und ich persönlich, wir kooperieren vollumfänglich mit dem Staatsanwalt – und ich bin sicher, dass sich die Vorwürfe nach eingehender Prüfung als unbegründet erweisen werden.“

In der Frage eines möglichen Rücktritts wegen der gegen ihn laufenden Ermittlungen lässt er sich nicht unter Druck setzen. „Das sind rein spekulative Fragen, die ich nicht aufnehmen kann, da werde ich nicht drauf eingehen“, sagte Kengeter am Donnerstag in Frankfurt auf die Frage, wann für ihn der Zeitpunkt für einen Rücktritt gekommen wäre.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt wegen des Verdachts auf Insiderhandel. Kengeter hatte am 14. Dezember 2015 im Rahmen eines Vergütungsprogramms Deutsche-Börse-Anteile im Wert von 4,5 Millionen Euro gekauft, die er nicht vor Ende 2019 veräußern darf. Zehn Wochen später, am 23. Februar 2016, machten Deutsche Börse und London Stock Exchange (LSE) Fusionsgespräche öffentlich. Die Aktienkurse beider Unternehmen stiegen in der Folge deutlich.

„Die Verdächtigung des Insiderhandels hat mich persönlich sehr getroffen. Insiderhandel widerspricht allem, wofür ich stehe“, sagte Kengeter. „Ich habe den Aktienkauf mit meinem eigenen Geld nicht zu einem selbstgewählten Zeitpunkt getätigt, sondern in einem mir vorgegebenen Zeitrahmen zwischen dem 1. und dem 21. Dezember 2015, den der Aufsichtsrat für die Teilnahme an dem Vergütungsprogramm festgelegt hatte. Danach wurde der Kauf sofort publik gemacht. Die gekauften Anteile haben zudem eine Haltefrist bis Ende 2019.“

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2 Kommentare zu "LSE-Zusammenschluss: Deutsche Börse hält Fusion für politisches Signal"

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  • Der Sitz der neuen Börse wird London sein und die Niederlassung wird sich Frankfurt mit anderne EU Hauptstädten teilen dürfen.

  • Den Zusammenschluss London-Frankfurt hätten die Räte nicht erlaub,
    jetzt schlucken die Engländer die D-Börse und bleiben handelstechnisch in der der EU. Mit nur 15% Steuerauf Gewinne in GB, kann man schon ein Fläschchen aufmachen. Wieder kein Geld für die Räte nur Opel-Popel. Ha Ha Ha

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