Lustreisen-Skandal Interner Bericht enthüllt Details der Ergo-Affäre

Mit großem Ehrgeiz hat der Versicherungsriese Ergo seine Lustreisen-Affäre aufgearbeitet. Lange blieb der Revisionsbericht der Öffentlichkeit verschlossen. Exklusiv zeigt das Handelsblatt nun seine brisantesten Inhalte.
31 Kommentare
Dort fand einst die Sex-Party der Ergo-Tochter Hamburg-Mannheimer statt. Quelle: dpa

Dort fand einst die Sex-Party der Ergo-Tochter Hamburg-Mannheimer statt.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Konzernrevision der Ergo-Versicherung hat ganze Arbeit geleistet: Die Spezialisten sichteten 300 Gigabyte an Daten, werteten Zehntausende E-Mails aus, fast 100 Personen wurden befragt. 27 Revisionsangestellte arbeiteten sich durch 28 Archivkartons, prüften Tagungsprotokolle, Handy- und Spesenrechnungen.

Der Auftrag: Die interne Aufklärung einer Affäre, die das Handelsblatt am 19. Mai 2011 unter der Überschrift "Herr Kaiser auf Lustreise" öffentlich gemacht hatte. Der Artikel beschrieb, wie die Ergo-Tochter Hamburg-Mannheimer im Juni 2007 die historische Gellert-Therme als Belohnung für ihre besten freien Vertreter in Budapest in ein Freiluft-Bordell verwandelt hatte. 20 Prostituierte wurden eingeladen, mit farbigen Armbändern gekennzeichnet, und nach jedem Liebesdienst am Unterarm abgestempelt.

Die Aufklärung war intensiv, teils schmerzlich und in manchen Punkten unergiebig. Maßgebliche Akteure hatten die Versicherung schon vor Bekanntwerden der Lustreise verlassen - die Reise spielte dabei aber keine Rolle. Und ausgerechnet der Mann, der im Vertrieb kurz nach der Budapest-Orgie die Verantwortung übernahm, behielt sein Wissen um den ungeheuerlichen Vorgang jahrelang für sich. Sein Name: Ludger Griese.

Griese übernahm die Führung des Vertriebs im Juli 2007. Ausweislich des Revisionsberichtes wusste er spätestens seit Dezember 2007 von der Buchung von Prostituierten. Doch obwohl dies nach heutiger Ergo-Darstellung einen schweren Verstoß gegen die Verhaltensrichtlinien darstellte, ergriff er jahrelang keine disziplinarischen Maßnahmen.

Den Ergo-Vorstand informierte Griese erst auf Nachfrage im Juni 2010. Doch auch der Vorstandsvorsitzende Torsten Oletzky, der nun erstmals von der Lustreise hörte, arbeitete den Vorgang zunächst nicht auf. Er fragte nach, ob sichergestellt sei, dass eine solche Reise nicht erneut geschehen könnte. Dies wurde bejaht. Oletzky war dies fürs Erste genug. Die Revision schaltete er erst ein, als die Lustreise in der Zeitung stand.

Der Bericht der Konzernrevision wurde am 3. Juni 2011 fertiggestellt, blieb aber unveröffentlicht. Das Handelsblatt zeigt nun exklusiv seine wichtigsten Passagen.

Die Vorgeschichte des Skandals
Seite 12345678910Alles auf einer Seite anzeigen

31 Kommentare zu "Lustreisen-Skandal: Interner Bericht enthüllt Details der Ergo-Affäre"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Vielen Dank für die investigative,
    ausdauernde Berichterstattung des Handelsblattes
    über das Syndikat Ergo und Munich Re.

    Die Berichterstattung wirft ein permanentes Schlaglicht auf illegale Geschäftsmethoden und Vertuschungsversuche
    zu Lasten der betroffenen Kunden und der Allgemeinheit.

    Somit kann der Leser nachvollziehen,
    mit wem man keine Verträge abschließen sollte.

    Dank dem Handelsblatt haben 14.000 Riester-Kunden in 2011 einen Ausgleich

    -für die vom Vorstand seit 2005 nur zu gerne gebilligte ungerechtfertigte Bereicherung im Bereich überzogener Kostensätze-

    erhalten.

    Ohne das Handelsblatt und seine Quellen,
    hätte das Syndikat diesen Ausgleich nicht betrieben.

    Weiter so.

  • Ist doch immer wieder erstaunlich wie sich hier die noch ERGOrianer über die Aufarbeitung der Presse mit ihrem Saftladen äußern.Selber wissen sie genau was für ein Scheißladen sich hinter dem Synonym ERGO versteckt. In dieser Firma sind sich alle VIER (DKV,HM,DAS und Victoria)so spinnefeind.....jeder lästert über den Anderen.....Man muß nur die Fluktuation und die Schließungen der Büros anschauen.Traurig....aber: Wir haben verstanden.......ob sie es jemals verstehen ?????

  • ERGO ist echt der letzte Laden!
    Millionen für IT Projekte in den Sand gesetzt - Millionen an Skandalsaufbereitung---- und die treuen langjährien Mitarbeiter die alle Veränderungen mitgetragen haben zahlen die Zeche indem 1500 MAK im Vertieb zum 01.01.2014 abgebaut werden. Überigens nicht in der HMI (ERGO Pro) komischerweise. Missmanagment ohne Skrupel. Das geistige Eigentum und die Identifikation mit dem Unternehmen ist verloren und kommt auch bei den aktuell handelten Personen nie wieder zurück, da es diese Personen auch nicht interessiert. Herzlich Willkommen LEITBILD ERGO

  • Wird Zeit, dass man der ERGO den Garaus macht.
    Jahrelang Mitarbeiter, Kunden und Aktionäre an der Nase herum geführt.Und die MunichRe hat als jetzt 100% Aktionär nichts gewusst.Sollte dies so sein, wäre die MunichRe wirklich ein Armutshaufen.......Eigentlich sollten der MuRe ihre Aktionäre was bedeuten,.....es scheint aber so, als hätten Griese & Oletzky so viel Narrenfreiheit wie sie möchten oder sie haben so viel gegen v. Bomhard in der Hand, dass sie weiter ihre Spielchen treiben dürfen.

  • was sich ei BANKEN und VERSICHERUNGEN abspielt ist mehr als grenzwertig, natuerlich wess dr Vorstand Bescheid, da
    koennteich manches erzaehlen.

  • Darf man davon ausgehen, daß es keine Frauen in Führungspositionen oder als gute Vertreter bei der HMI gab. Oder wurden die einfach nicht mit auf diese "Party" genommen?
    Und deswegen brauchen wir eine Frauenquote in Führungsriegen, denn wenn 20% der Chefs weiblich wären käme sowas entweder seltener vor, oder die weiblichen Chefs würden, bei der Abservierung der männlichen Manager nach solchen Skandalen, einfach befördert, und dann hätten wir plötzlich 80% Frauen in Führungskreisen.

  • Es ist immer das Gleiche - diese selbsternannten "Eliten" halten die Wahrheit solange unter dem Deckel, bis es öffentlich wird. Dann streut man sich publikumswirksam "Asche auf das Haupt" und fährt teure Entschuldigungskampagnen. Aufräumen und Fehler beseitigen - Fehlanzeige!
    Man fragt sich langsam - für wie blöd halten uns diese "Eliten" eigentlich?!

    Die Herren sind doch Tag täglich- mitunter seit Jahrzehnten - hauptsächlich damit beschäftigt, ihre eigenen Stühle zu sichern und für ihr Wohl zu sorgen.

    Im Übrigen soll es in der Tat nicht das erste Mal sein, dass man bei ERGO Bezug zum rosaroten Bereich hat. In den Immobilienaffären einer ERGO Tochter (nicht HMI !!)- die im Übrigen noch immer bei Konzernrevision und wohl auch bei BaFin unter Verschluss sind - hat man das Etablissement des einen "Millionen VIP`s" gegen sämtliche "Widrigkeiten des gemeinen Lebens" bei der einer ERGO Tochter u.a. versichert. Es überrascht nicht wirklich, dass auch diese Prämie Bestandteil des Kickback Abkommens, der daran Beteiligten war.....
    Beteiligte Herren sind auch hier die Treppe hochgefallen und erfreuen sich noch immer eines - sicherlich netten - Salärs bei ERGO. Personelle Konsequenzen - auch Fehlanzeige!
    Griese dürfte nicht der letzte Vorstand sein, der schweres Fahrwasser vor sich hat.

    Und Munich Re - na, die hat alles gewußt und war nicht zuständig! So zumindest hat es deren CEO mehrfach schriftlich mitgeteilt.
    Hat er aber sicher zwischenzeitlich längst vergessen......schliesslich kämpft man jetzt gegen die Finanzkrise und drohende Verluste!

    Die Gerüchteküche brodelt übrigens...Ein Insider soll in einem Buch mit Munich Re, ERGO & handelnden Personen abgerechnet haben. Soll auf einer der nächsten Buchmessen erscheinen - Bestandteile sollen sein: Geld,Sex,Macht,Strukturen,Intrigen etc. - kurz, alles was es braucht, um Publikum zu interessieren.
    Man darf schon jetzt gespannt sein, was man demnächst noch zu lesen kriegt von ERGO, Oetzky & Co....

  • Ich fühlte mich von aruba nicht beleidigt. Ich habe es lediglich so verstanden, dass er heute abend (=gestern) Sex haben wird. Ist doch ok, oder?

    Wobei es nicht unbedingt zu meinen Topprioritäten im Leben zählt, um über sein Sexleben informiert zu sein.

  • Jedesmal wenn ich Werbung von ERGO sehe fällt mir das Anagramm ein: ERGO = ORG(I)E :D Das I steht für International :D :D

  • Bei der "renommierten Versicherung" handelt es sich um den Träger eines Strukturvertriebes, nämlich der HMI, die der DVAG des Generali Konzerns, der OVB der Signal-Iduna und dem AWD der SwissLife entspricht. Es ging um lausiges und rücksichtsloses Verkloppen von Lebensversicherungsprodukten. Wer außergewöhnlich viel verkloppt, der kriegt die Reise. Die Rechnung bezahlt letztlich der Kunde, einerseits weil er regelmäßig kein bedarfsgerechtes Produkt erhielt, andererseits weil das Produkt in Hinblick auf die Kostenstruktur wirtschaftlich uninteressant ist. So verwundert es auch nicht, dass man die HMI-Produkte nicht auf den vorderen Plätzen bei Stiftung-Warentest findet. Ein angeblich renomiertes Versicherungsunternehmen sollte sich für seine Strukturvertriebe eigentlich schämen, aber da diese ordentlich Rendite für die Aktionäre abwerfen, ist der Aspekt drittrangig. Allerdings sollte das Handelsblatt das Wort "renommiert" nicht im Zusammenhang mit der ERGO erwähnen. Das ist ungefähr so abgrundtief daneben, wie den korrupten Rürop als sog. Wirtschaftsweisen zu zitieren.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%